Diederich Lüken mit Gedanken zu einem Vers aus den Thessalonicherbriefen: »Der Herr ist treu.« (2.Thessalonicher 3,3)

Diederich Lüken mit Gedanken zu einem Vers aus den Thessalonicherbriefen: »Der Herr ist treu.« (2.Thessalonicher 3,3)

Wort auf dem Weg

Durch seine Treue öffnet Gott die Zukunft wie eine Tür

Diederich Lüken mit Gedanken zu einem Vers aus den Thessalonicherbriefen: »Der Herr ist treu.« (2.Thessalonicher 3,3)

»Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr, die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer.« Dieses Lied habe ich in meiner Jugendzeit oft mehrmals am Tag gespielt und gesungen. Später erfuhr ich, dass mein Lieblingslied eine internationale Hymne der Pfadfinderschaft ist und immer zum Abschied gesungen wird. Was macht dieses Lied so anrührend? Einmal ist es natürlich die Melodie, die das Herz erwärmt. Dann aber, zumindest in der deutschen Fassung von Claus Ludwig Laue, enthält es das stille Versprechen: Wir wissen nicht, was kommt; die Zukunft ist ungewiss. Aber wir bleiben Brüder, wir sind einander treu. In dieser Treue, in diesem Miteinander ruhen wir in Gottes Hand, auch wenn wir wie in diesem Lied einander Lebewohl, Auf Wiedersehen sagen müssen. Das ist nicht selbstverständlich. Wir wissen nicht, was kommt. Wir wissen nur, was gewesen ist, und wir ahnen, welche Bedeutung die Gegenwart haben könnte. Aber bereits in der nächsten Sekunde kann alles ganz anders werden, und kein Mensch weiß, ob dann noch irgendetwas so sein wird, wie es vor Kurzem noch war.

Gottes Treue steht

Also werfen wir unsere Terminkalender in das Altpapier und benutzen die Ergebnisse unserer Konferenzen als Brennstoff? Durchaus nicht. Dass es unvorhersehbare Veränderungen gibt, ist klar; aber die Grundbedingungen des Lebens bleiben nach aller Voraussicht dieselben. Das liegt daran, dass Gott seiner Schöpfung treu bleibt. Seine Treue wird uns auch morgen begleiten: »Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.« So verheißt es Gott nach Ende der Sintflut.

Unter dieser Zusage gestalten wir die Gegenwart auf eine Weise, dass für zukünftige Verhältnisse eine Schneise geschlagen wird: Wir bauen Häuser, die noch für unsere Kinder Wohnstatt bieten sollen. Wir sorgen vor für das Alter, indem wir sparen und Versicherungen abschließen. Wir kaufen ein für den morgigen Tag.

Durch seine Treue öffnet Gott die Zukunft wie eine Tür, und lässt uns hindurchgehen. Was hinter dieser Tür verborgen auf uns wartet, wird eine große Ähnlichkeit haben mit dem, was wir gestern erfahren haben und heute erleben. In diesem Rahmen können und müssen wir Pläne erstellen und Termine festlegen. Wir können das Unsere dazutun, dass die Zukunft das enthalten wird, was wir für unser Leben und das Leben der Menschen um uns herum brauchen.

Die Gemeinde Jesu jedenfalls ist auf Zukunft hin angelegt. Sie bleibt nicht bei dem stehen, was gestern galt, sie verharrt auch nicht bei dem, was sie heute belastet. Sie wartet auf ihren Herrn, ganz im Sinne Gustav Heinemanns, der 1950 auf dem Kirchentag in Essen das Wort prägte: »Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt!« Mit diesem Herrn öffnet sich die unabsehbare Zukunft Gottes, die bei aller Ungewissheit doch ganz bestimmt eines enthält: Die umfassende, unfassbare Liebe Gottes, die niemals aufhört.

Unter diesem Horizont macht die Zukunft unser Herz nicht mehr schwer, wie es in dem Lied heißt, sondern lässt es fröhlich springen. So können wir aller Unsicherheit trotzen und unser Werk tun in der Gewissheit: Der, der war, ist derselbe, der heute ist und morgen sein wird: Jesus Christus, unser Herr.

Foto: unsplash/pexels.com
Entnommen aus: »unterwegs« 13/2017