Koko Kondo (links), Überlebende des Atombombenabwurfs auf Hiroshima 1945, im Gespräch mit EmK-Bischöfin Mary Ann Swenson.

Koko Kondo (links), Überlebende des Atombombenabwurfs auf Hiroshima 1945, im Gespräch mit EmK-Bischöfin Mary Ann Swenson. Im Hintergrund Bischof Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der EKD in Deutschland.

Methodismus International

Friedensstifter für das Leben

»Atomwaffen dürfen nie wieder eingesetzt werden« sagt Bischöfin Swenson in einer Nachlese zur Ökumenischen Pilgerreise nach Hiroshima und Nagasaki.

Mary Ann Swenson, US-amerikanischen Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) und Ökumenebeauftragte des Internationalen EmK-Bischofsrats, war Anfang August Delegationsleiterin einer vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) organisierten Reise nach Japan. Anlässlich der 70 Jahre zurückliegenden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wollten Kirchenführer aus acht Nationen, unter ihnen auch Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit dieser Reise dem geistlichen und politischen Ringen um Frieden in der Welt Ausdruck verleihen.

Nach der Rückkehr von der Reise ist Bischöfin Mary Ann Swenson tief beeindruckt von den Stationen und Begegnungen. Als »bewegendste Momente« beschreibt sie die Augenblicke des Innehaltens, die in Hiroshima und Nagasaki jährlich zum jeweiligen Zeitpunkt der damaligen Atombombendetonationen praktiziert werden: die Stille in Hiroshima am 6. August um 8:15 Uhr mit dem Läuten der Friedensglocke und den die Stille überlagernden Sirenenklang am 9. August um 11 Uhr in Nagasaki. Die Dokumentationen über die Zerstörungen in Museen und Ausstellungen zu sehen, habe sehr berührt, »aber in der Stille innezuhalten, brachte das ganze Ausmaß ungeheuer nah und machte es sehr persönlich. Ich war zutiefst berührt von der Erinnerung an den Horror, der von diesen Bomben verursacht wurde.«

Sehr bewegt erzählt Swenson auch von der Begegnung mit der 70jährigen Koko Kondo, die als Säugling den Abwurf der Atombombe über Hiroshima überlebte. Ihr Vater, ein methodistischer Pastor, hatte zu diesem Zeitpunkt ein Gemeindeglied außerhalb der Stadt besucht und sah von einem Hügel aus, wie die Stadt zerstört wurde. Kondo erzählte, wie ihr Vater anderen dabei half, durch dieses Desaster hindurch das Leben zu bewältigen. Sie selbst war als Heranwachsende ständig unter ärztlicher Beobachtung und diente quasi als lebender Anschauungsgegenstand unterricht, mit dem die Auswirkungen radioaktiver Strahlung dokumentiert wurden. In Nagasaki erzählte ein über Achtzigjähriger, wie er als 12jähriger Junge durch die Explosion vom Fahrrad gerissen wurde und mit seinen Verbrennungen am Rücken Jahre im Krankenhaus verbrachte. Zwischenzeitlich unterstützt er andere in ihrer Forderung, dass nie mehr Atomwaffen eingesetzt werden dürfen.

Swenson ist abzuspüren, wie ihr die Begegnungen und Erzählungen nachgehen. »Atomwaffen gefährden das Überleben der Menschheit«, sagt sie, und weiter: »Nie wieder dürfen Atomwaffen eingesetzt werden. Es ist höchste Zeit, alle Atomwaffen zu beseitigen, damit sich der Frieden in der Welt ausbreiten kann.« Sie betont, dass »wir mit dafür verantwortlich sind, dass die Schöpfung bewahrt wird und auch unsere Kinder und Enkel leben und die durch Jesus geschenkte Lebensfülle erfahren können«. Steven Sidorak, ein ebenfalls aus der US-EmK kommender Teilnehmer und Mitglied der ÖRK-Kommission für internationale Angelegenheiten, zieht ein ähnliches Resümee dieser Reise. »Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf sich nie ereignen«, sagte er. »Ich glaube, dass der Heilige Geist uns anleitet, in ökumenischer und interreligiöser Verbundenheit nukleare Abrüstung zu fordern,« bringt er seine Überzeugung nach der Reise zum Ausdruck.

Als Delegationsleiterin hatte Bischöfin Swenson am 5. August während eines anglikanisch-katholischen Friedensgottesdienstes in der römisch-katholischen Friedenskirche in Hiroshima zum Thema »Friedensstifter für das Leben« gepredigt. Dabei betonte sie, »dass eine Politik, die die Massenvernichtung anderer Menschen als legitime Form des Selbstschutzes ansieht, abzulehnen ist«. Dafür müssten »die Kirchen Zeugnis ablegen«. Es sei nicht zu akzeptieren, dass sich 70 Jahre nach den Zerstörungen »hier im Land« 40 Staaten immer noch auf Nuklearwaffen verließen. »Es ist an der Zeit, Waffen und Energieverwendung daran zu messen, welche Wirkungen sie auf den Menschen und Gottes Schöpfung haben. Es ist an der Zeit zu bekennen, dass uns unser Streben nach materiellem Wohlstand und Komfort von existenziellen Fragen entfremdet«, fügte Swenson hinzu.

Die Teilnehmer der Pilgerreise werden Aufforderungen an die Delegierten der Staaten überbringen, die sich zwar für nukleare Abrüstung aussprechen, dem Einsatz von Atomwaffen aber noch nicht abgeschworen haben. Sie sollen eine Selbstverpflichtung unterzeichnen und sich für das Verbot und die Abschaffung von Atomwaffen einsetzen. Diese Initiative sei nötig, weil der Atomwaffensperrvertrag und die sich anschließenden Überprüfungskonferenzen die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hätten und die Nuklearmächte gegenwärtig mit Milliardenausgaben ihr Atomwaffenarsenal modernisierten. Bereits 113 Staaten unterstützen die durch die österreichische Regierung angestoßene humanitäre Initiative, die auf die rechtlich verbindliche Ächtung des Besitzes von Atomwaffen abzielt.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Paul Jeffrey, WCC

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