Pastorin Mirella Manocchio, Präsidentin der Methodistischen Kirche in Italien

Pastorin Mirella Manocchio, Präsidentin der Methodistischen Kirche in Italien

Methodisten in Italien

Klein, aber lebendig

Im »unterwegs«-Interview erzählt Pastorin Mirella Manocchio, Präsidentin der Methodistischen Kirche in Italien, aus ihrer Arbeit in Italien.

»unterwegs«: Was sind die aktuellen Herausforderungen für die Methodistische Kirche in Italien?

Mirella Manocchio: Es gibt zwei Herausforderungen: die Arbeit mit Flüchtlingen und das Gespräch mit Menschen in einem mehr und mehr säkularisierten Land. Nicht alle Gemeinden sind darauf vorbereitet, mit Flüchtlingen zu arbeiten und sie in die Gemeinde zu integrieren. In Scicli im Süden von Sizilien hat es eine kleine Gemeinde von ungefähr 40 bis 50 Menschen geschafft, das »Haus der Kulturen« aufzubauen. Dazu arbeitet die Gemeinde unter anderem mit Baptisten zusammen. Nur mit vereinten Kräften war das möglich. Insgesamt wird es für die Methodisten schwieriger, die Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Italien wird immer säkularer, das heißt die Menschen wissen immer weniger über den christlichen Glauben und kirchliche Feiertage.

Wie verändern die Migranten die Methodistische Kirche?

Die Migranten verändern die Gottesdienste. Früher war ausschließlich Orgelmusik üblich. Die Gottesdienste waren eher ruhig. Jetzt gibt es in vielen Gemeinden Musik mit Bands und Trommeln. Die Gottesdienste werden lebendiger und lauter. Gebetet wird oft in mehreren Sprachen.

Was freut Sie aktuell in der Kirche am meisten?

Auch wenn sie eine kleine Kirche ist, wird die Methodistische Kirche zunehmend lebendiger. Sie arbeitet für die Religionsfreiheit im Land. Derzeit dürfen in Italien nur staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften ihre Religion ausüben. Die Methodistische Kirche ist anerkannt, aber viele andere sind es nicht.

Was bereitet aktuell die größte Sorge?

Italien ist mehr und mehr ein säkulares Land. Die Menschen sehen die Kirche oft mehr als bloße Institution und geben nicht genug, auch nicht genug Geld. Es wäre hilfreich, wenn sie die Kirche als ihre Familie ansähen und verbindlicher dabei wären.

Was verändert sich aktuell in der Methodistischen Kirche in Italien und wie wird das gestaltet?

Die Veränderungen durch Migranten habe ich schon erwähnt. Zurzeit sind wir dabei, die Liturgie zu reformieren. Es geht darum, dass die Gottesdienste weniger steif wirken und im Gottesdienst mehr die Alltagssprache der Menschen benutzt wird. Angepasst wird derzeit auch die Position der Kirche hinsichtlich Familie und Heirat. Die derzeitige Fassung stammt von 1971. Damals waren Scheidungen in Italien noch recht selten. Das Dokument beschreibt hauptsächlich, was richtig und falsch ist – und das auf einem Stand, der nicht mehr zeitgemäß ist. Bisher ist die Ehe als Gemeinschaft eines Mannes mit einer Frau definiert. Zu Scheidungen steht nur wenig im Text. Im Entwurf eines neuen Dokuments zum Thema suchen wir nach Lösungen für Patchwork-Familien. Auch Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare sollen ermöglicht werden. Wichtig ist uns, dass wir die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen. Wir wollen Gemeindeglieder in solchen Situationen dabei unterstützen, eine für sie geeignete Lösung zu finden. Von den Pastoren erwarten wir, dass sie sich kümmern und seelsorglich tätig werden.

Wie ist im Reformations-Jubiläumsjahr der Stand der Ökumene in Italien?

Die Methodisten waren es, die in Italien die protestantische Ökumene angestoßen haben. Daraus ergab sich der Bund der evangelischen Kirchen in Italien (Federazione delle chiese evangeliche in Italia, FCEI), der 1967 gegründet wurde. Zu ihm gehören die Lutheraner, Waldenser, Methodisten, Heilsarmee, Baptisten und andere. Die Methodistische Kirche in Italien unterhält Beziehungen zu den Pfingstlern. Lokal und national gibt es auch eine Ökumene mit Katholiken und Orthodoxen. Methodisten und Waldenser streben einen nationalen Kirchenrat an, ähnlich der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Zum Reformationsjubiläum 2017 wird es in Italien zwei Veranstaltungen geben, an denen die Methodistische Kirche beteiligt sein wird.

Interview
Reinhold Parrinello ist Ingenieur für Datentechnik. Er lebt in Nürnberg und gehört dort zur EmK-Paulusgemeinde. Er ist freier Mitarbeiter der Zeitschriftenredaktion der EmK. Kontakt: redaktion(at)emk.de

Zur Information
Die Methodistische Kirche in Italien hat etwa 5.000 Glieder. Sie ist mit der Waldensischen Kirche in einem engen Bund: gemeinsame Synode, gemeinsame Pastorenausbildung und Austausch von Pastoren, Abendmahlsgemeinschaft, zum Teil gemeinsam genutzte Gebäude. Dennoch gibt es eine gewisse Eigenständigkeit, die sich beide Kirchen erhalten. So unterhalten sie jeweils eigene ökumenische Beziehungen. Die Gebäude gehören der jeweiligen Kirche. Die methodistische Arbeit begann um 1860 von Großbritannien aus. Zehn Jahre später begann auch die Bischöfliche Methodistenkirche von den USA aus eine Arbeit in Italien.

www.metodisti.it (italienisch und englisch)

Foto: Volker Kiemle, EmK-Öffentlichkeitsarbeit