Dr. Hugh und Mrs. Shirliann Johnson

Dr. Hugh und Mrs. Shirliann Johnson

Methodismus International

Methodistischer Friedenspreis an Nordafrika-Missionare

Bei der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika wurde der Friedenspreis des Weltrats der methodistischen Kirchen an Ehepaar Johnson überreicht.

Das Ehepaar Hugh und Shirliann Johnson wurde am vergangenen Freitag (19. Juni 2015) während der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich Nordafrika der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Aarau mit dem Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen (World Methodist Council, WMC) ausgezeichnet. Während mehr als 40 Jahren, von 1963 bis 2005, war Hugh Johnson als Pastor im Auftrag des Internationalen EmK-Missionswerks zusammen mit seiner Frau Shirliann in Algerien tätig. Jetzt wurden sie für ihren Dienst in Nordafrika mit dem Methodistischen Friedenspreis ausgezeichnet.

Grenzen überwinden und Versöhnung ermöglichen

Ein einfaches Motto prägte den Dienst der beiden US-Amerikaner: »Die Kirche muss dort sein, wo die Not der Menschen am größten ist«. Für die Ausübung ihres Dienstes erlernten sie die Sprachen Arabisch, die Berbersprache Kabylisch und Französisch. Während der Zeit des Unabhängigkeitskrieges und den nachfolgenden Turbulenzen wie auch in späteren Jahren mit schwerwiegenden Unruhen in diesem nordafrikanischen Land teilten das Leben vor Ort mit den Menschen in Algerien. Dabei waren sie immer wieder mit großen Schwierigkeiten und mehrmals mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert. Trotzdem stand Hugh Johnson stets für seinen Glauben und für die kirchliche Gemeinschaft ein. Regelmäßig war er in Beiträgen algerischer Radiostationen zu hören und oft Gesprächspartner muslimischer Repräsentanten. In seiner vermittelnden Art überwand er immer wieder Grenzen, um für Versöhnung und gegenseitiges Verständnis einzutreten. Shirliann Johnson organisierte humanitäre Hilfe für die Sahrauis, in Flüchtlingslagern in der westalgerischen Wüste lebende Berber. Außerdem lehrte sie jungen Frauen, wie sie Kindergarten-Klassen aufbauen und leiten können. Auf diese Weise konnten Familien und Kinder unterstützt werden, die aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen ihre Heimat verlassen hatten.

Kreativer Ungehorsam

Als die algerische Regierung 1972 die Schließung der Waisenhäuser, Krankenhäuser und anderen diakonischen Einrichtungen der Kirche verfügte, eröffnete Hugh Johnson eine englischsprachige Bibliothek. Diese diente als Treffpunkt für die Menschen der Region und wurde zu einem inoffiziellen Zentrum christlicher Gemeinschaft. Im gleichen Jahr vereinigte sich die EmK mit einigen anderen Evangelischen Kirchen in Algerien zu Evangelischen Kirche in Algerien. Mit der Zunahme des religiösen Extremismus‘, waren das Haus und die Kirchengemeinde des Ehepaars häufiges Ziel von Angriffen militanter Gruppen. Die von Ehepaar Johnson betreute Kirchengemeinde in Algier bestand größtenteils aus konvertierten Muslimen, obwohl die öffentliche Arbeit und Mission stark eingeschränkt und durch gesetzliche Auflagen behindert war. Um sich gegen diese Gesetze zur Wehr zu setzen, organisierte Hugh Johnson in seinem Haus Sitzungen, zu denen er in ökumenischer Verbundenheit die verschiedenen christlichen Konfessionen Algeriens einlud.

Lebensgefahr und Landesverweis

Mit Unerschrockenheit und Konfliktbereitschaft sprach er immer wieder bei den örtlichen Behörden vor, um die Erlaubnis zur Einfuhr von Bibeln in Arabisch und in Berbersprachen zu erreichen. Dieser Mut und seine Bereitschaft, sich für seinen Glauben und die Kirchen in Algerien einzusetzen, barg ein großes Risiko für ihn selbst, was auch dazu führte, dass er einmal Opfer einer Messerattacke wurde. Trotz zahlreicher Auseinandersetzungen mit den Behörden, bei denen er sogar mehrfach des Landes verwiesen wurde, kehrte Hugh Johnson immer wieder nach Algerien zurück, um die dort entstandene kleine christliche Gemeinschaft zu unterstützen. Seine Stimme hatte Gewicht bei den Christen des Landes und eröffnete immer wieder Begegnungen und Gespräche mit Muslimen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand verließen Hugh und Shirliann Johnson Algerien, blieben mit den Menschen in Nordafrika aber immer tief verbunden.

Preiswürdig

Für ihr Lebenswerk im Dienst des Evangeliums sowie für ihren Mut, ihre Kreativität und ihre Standhaftigkeit im Zeugnis für die Gute Nachricht von Jesus Christus, wurden Hugh und Shirliann Johnson jetzt mit dem Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen ausgezeichnet.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: privat

Informationen

Weltrat Methodistischer Kirchen

Der Weltrat Methodistischer Kirchen (World Methodist Council, WMC) ist ein Dachverband von 80 Kirchen methodistischer Tradition, denen insgesamt über 80,5 Millionen Menschen angehören. Zum Rat gehören rund 400 Mitglieder, die ihre jeweilige Kirch vertreten und einen finanziellen Beitrag für die Aktivitäten des Rates beisteuern. Ziel des Zusammenschlusses ist die Förderung der Einheit methodistischer Kirchen und das gemeinsame Zeugnis für den christlichen Glauben in der Welt. Zudem fördert der WMC ökumenische und interreligiöse Aktivitäten. Seit 1956 hat der WMC seinen ständigen Sitz in Lake Junaluska, im US-Bundesstaat North Carolina.

Weitere Informationen: www.worldmethodistcouncil.org

Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen

Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen wurde 1977 erstmals verliehen. Er wird halbjährlich einer oder mehreren Personen zugesprochen, die in ihrem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung von Menschen auf der ganzen Welt Mut, Kreativität und Standhaftigkeit bewiesen haben. Nominierungen können von der Leitung der WMC-Mitgliedskirchen eingereicht werden. Der Preis besteht aus einer vergoldeten Silbermedaille und ist mit einem symbolischen Betrag von 1000 US-Dollar dotiert.

Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der ehemalige Präsident von Mazedonien, Boris Trajkovski, die Mütter des Platzes der Mairevolution in Argentinien und der ehemalige Generalsekretär der KPdSU und Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow.

Weitere Informationen: worldmethodistcouncil.org/whatwedo/world-methodist-peace-award/

Weitere Informationen: umc-europe.org