Pastorin Kristen Brown überbringt Daoud Nassar die Botschaft, dass seine Familie den Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen 2017 erhält.

Pastorin Kristen Brown überbringt Daoud Nassar die Botschaft, dass seine Familie den Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen 2017 erhält.

Anregung zur Friedensarbeit

Samen für eine bessere Zukunft

Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen geht in diesem Jahr an zwei Organisationen: eine methodistische und eine nicht-methodistische.

Der Lenkungsausschuss des Weltrats Methodistischer Kirchen (World Methodist Council, WMC) hat in diesem Jahr zwei Organisationen ausgewählt. Der Preis geht sowohl an einen methodistischen als auch einen nicht-methodistischen Empfänger, weil »die Welt Friedensarbeit in Aktion hören und sehen muss«, wie es in der Begründung heißt. Beide Organisationen hätten »mutig für den Frieden in ihren jeweiligen Gebieten der Welt gearbeitet, aber auch dazu beigetragen, andere zu inspirieren, weltweit für Frieden zu arbeiten«.

Jahrelange methodistische Flüchtlingshilfe in Italien ausgezeichnet

Die Methodistische Kirche in Italien wurde für ihre fast 30-jährige Arbeit für und mit Migranten und Flüchtlingen ausgewählt. Diese kleine Kirche, die in Italien zusammen mit den Waldensern eine Union bildet, habe »großen Mut« gezeigt, als in Europa eine unüberschaubare Zahl an Flüchtlingen und Migranten ankam. Während andere darin »nicht zu bewältigende Probleme« sahen, sagten die italienischen Methodisten: »Wir können nicht anders – wir können nicht einfach nur herumsitzen und zuschauen«. In Anbetracht der Situation schufen sie in Scicli, ganz im Süden Siziliens rund zehn Kilometer im Landesinneren, einen sicheren und einladenden Raum, den sie »Haus der Kultur« nannten. Dort wurden Flüchtlinge und Migranten aus Syrien, dem Irak, dem Nahen Osten sowie Nord-, Zentral- und Westafrika aufgenommen. Seit 1989 wurden dort protestantische, katholische und muslimische Migranten willkommen geheißen, auch während der zunehmenden Flüchtlingsströme in den letzten Jahren.

Enormer Einfluss auf das Leben der Menschen

»Ich kann es gar nicht glauben«, staunt Mirella Manocchio, die Präsidentin der italienischen Methodisten, über den »zusammen mit der Familie Nassar« erhaltenen Preis. Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, hatte Manocchio zur Preisverleihung gratuliert und betont, »dass die Methodisten in Italien dieses Preises absolut würdig sind«. Obwohl die Methodistische Kirche in Italien zahlenmäßig sehr klein sei, habe ihre Arbeit »enormen Einfluss auf das Leben der Menschen«, betont Rückert und bedankt sich für »den Mut und die Energie«, die dafür nötig seien.

Finanziell wird das Projekt vom gemeinsamen Büro der Union der Waldensischen und Methodistischen Kirchen in Italien gefördert, das die Zuwendungen aus der »Otto per mille« (»Acht Promille«) genannten Sozialabgabe verwaltet. Italienische Bürger können selbst bestimmen welcher Kirche oder welchem sozialen Projekt der Abzug von acht Promille ihrer Lohnsteuer zugutekommt. Davon profitieren Methodisten und Waldenser in Italien überproportional, weil ihre sozialen und karitativen Projekte einen guten Ruf haben.

Zeltlager als kreative Alternative wegen Bauverbots fester Gebäude

Familie Nassar wurde für ihre Arbeit »Zelt der Nationen« mit dem Preis bedacht. Sie betreibt seit drei Generationen einen großen Bauernhof südwestlich von Bethlehem in einem von der israelischen Regierung kontrollierten Gebiet innerhalb der Palästinensischen Autonomiezone. Dort teilen Nassars ihre Geschichte des Friedens mit Gästen aus der ganzen Welt. Ihnen ist nicht gestattet, den landwirtschaftlichen Betrieb zu entwickeln, sie haben keinen Zugang zu Strom, Wasser oder Kanalisation, und sie erhalten keine Genehmigungen zur Errichtung neuer Gebäude. Deshalb entwickelte die Familie kreative und nachhaltige Alternativen, für die das »Zelt der Nationen« steht. Jeden Sommer nehmen dort Kinder aus Dörfern der Umgebung, Christen und Muslime, an Sommercamps teil. Sie erfahren bei diesen Camps Freiheit und Ablenkung von der ihr Leben bestimmenden Politik und entwickeln Selbstvertrauen. Damit wollen Nassars einen Beitrag leisten für eine bessere Zukunft der Menschen in dieser Region. Neben den Kindercamps gründete die Familie auch das Bent-Al-Reef-Frauenzentrum.Hier wird Frauen Englisch-, Computer- und Kunstunterricht erteilt, um sie dadurch zu ermutigen, die Gesellschaft mitzugestalten. Jedes Jahr kommen Hunderte von Besuchern und leben mit Familie Nassar, arbeiten auf dem Bauernhof mit und wirken bei den angebotenen Förderprogrammen mit.

Als Daoud Nassar, Enkel des Projektgründers, von der Auszeichnung erfuhr, sagte er: »Es war ein besonderer Moment, als wir erfuhren, dass wir den Methodistischen Friedenspreis 2017 erhalten. Wir fühlen uns geehrt und werden unseren Kampf für Gerechtigkeit fortsetzen.« Der Preis bestätige ihnen, »dass wir nicht alleine gelassen werden«. Sie würden daher weiterhin das Land kultivieren »und mehr Samen für eine bessere und friedliche Zukunft pflanzen«.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Weitere Informationen über die Methodisten in Italien und ihre Projekte: www.metodisti.it und www.mediterraneanHope.com.
Weitere Informationen zum »Zelt der Nationen«: www.tentofnations.org

Zur Information

Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen
Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen wurde 1977 erstmals verliehen. Er wird jährlich einer oder mehreren Personen oder Organisationen zugesprochen, die in ihrem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung von Menschen auf der ganzen Welt Mut, Kreativität und Standhaftigkeit bewiesen haben. Nominierungen können von der Leitung der WMC-Mitgliedskirchen eingereicht werden. Der Preis besteht aus einer vergoldeten Silbermedaille und ist mit einem symbolischen Betrag von 1.000 US-Dollar dotiert. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der ehemalige Präsident von Mazedonien, Boris Trajkovski, die Mütter des Platzes der Mairevolution in Argentinien und der ehemalige Generalsekretär der KPdSU und Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow.
Weitere Informationen: www.worldmethodistcouncil.org/whatwedo/world-methodist-peace-award

Weltrat Methodistischer Kirchen
Der Weltrat Methodistischer Kirchen (World Methodist Council, WMC) ist ein Dachverband von 80 Kirchen methodistischer und wesleyanischer Tradition sowie mit ihnen verbundener unierter und vereinigter Kirchen. Ihnen gehören insgesamt etwa 80 Millionen Menschen an. Die Evangelisch-methodistische Kirche ist mit über 12 Millionen Kirchengliedern die größte Mitgliedskirche des WMC. Im Rat arbeiten rund 400 Kirchenvertreter mit. Die Kirchen finanzieren den Weltrat gemeinsam. Ziel des Zusammenschlusses ist die Förderung der Einheit seiner Kirchen und das gemeinsame Zeugnis für den christlichen Glauben in der Welt. Zudem fördert der WMC ökumenische und interreligiöse Aktivitäten. Seit 1956 hat der WMC seinen ständigen Sitz in Lake Junaluska, im US-Bundesstaat North Carolina.
Weitere Informationen: www.worldmethodistcouncil.org

Foto: Kristen Brown