Wort auf den Weg

Zweifel gehört zum Aufbruch

Stefanie Reinert mit Gedanken zu einem Vers aus Mose: »Und der Herr sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen.« (2. Mose 14,15)

Aufbrechen beflügelt. Es fühlt sich gut an, wenn der erste Schritt getan ist. Vor allem dann, wenn man davor mühsam äußere Hindernisse und innere Bedenken überwinden musste. Aber dann: ein Gefühl von Freiheit und Zuversicht – Hochstimmung.

So ähnlich muss es den Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten gegangen sein, als sie allem Widerstand zum Trotz aufgebrochen waren. Mit erhobener Hand, voller Selbstbewusstsein, gehen sie die ersten Schritte auf ihrem neuen Weg.

Doch dann werden sie ausgebremst: Vor ihnen das Meer, hinter ihnen die ägyptischen Soldaten – ganz offensichtlich hat der so zuversichtlich begonnene Weg in eine Sackgasse geführt. Anstelle von Freiheit und Zukunft erleben die Israeliten neue Bedrängnis. Und sofort sind sie wieder da, die Zweifel. Vielleicht war es doch falsch, loszugehen. Vielleicht haben wir uns überschätzt – uns und unsere Kraft oder auf die falschen Stimmen gehört? Hat uns die Euphorie des Aufbruchs die Sinne vernebelt? Vielleicht hatten doch die Bedenkenträger recht.

Zweifel gehört zum Aufbruch

Ich kenne solche Zweifel. Ich kenne sie aus Zeiten, in denen ich selbst alte Wege verlassen und Neues begonnen habe und auf Widerstand gestoßen bin. In solchen Momenten ist von der Hochstimmung der ersten Schritte nichts mehr zu spüren. Stattdessen liegt die Last der getroffenen Entscheidung schwer auf den Schultern. Mutlosigkeit macht sich breit und Angst davor, dass der neue Weg keine Zukunft hat.

Noch deutlicher kann man das erleben, wenn Entscheidungen und Aufbrüche nicht nur Konsequenzen für das eigene Leben und die eigene Person haben, sondern auch für andere. Weil man stellvertretend für eine Gruppe oder Gemeinschaft entschieden hat – so wie das in unseren Gemeinden immer wieder geschieht, wenn gewählte Gremien ihre Leitungsverantwortung wahrnehmen.

Wenn dann Schwierigkeiten auftauchen, sind schnell auch Zweifel da, die lähmen.

Auch die Israeliten erstarren angesichts des Hindernisses, das sich ihnen in den Weg legt. Da mischt sich Gott ein. Nicht gleich mit dem Wunder der Wasserteilung, das den Israeliten die Flucht ermöglichen wird, sondern zuerst einmal mit Worten:

»Und der Herr sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen.«

Gott beauftragt einen Mutmacher, der die Israeliten neu in Bewegung setzt und sie auf dem Weg bestärkt, den sie zu gehen begonnen haben. Gott weiß offenbar, wie wichtig Zuspruch ist – gerade in unübersichtlichen Aufbruchssituationen. Dass man es manchmal hören muss: dass der Weg weiterführt, auf dem man unterwegs ist.

Ich wünsche mir, dass auch uns solche Mutmacherinnen und Mutmacher begleiten bei all den neuen Schritten und Aufbrüchen, die wir in den kommenden Monaten wagen werden. Wer weiß – vielleicht werden auch wir diese Rolle für andere übernehmen. Schließlich hat Gott auch damals in Ägypten keinen Außenstehenden beauftragt, der über alle Zweifel erhaben gewesen wäre. Sondern einen, der selbst mit auf dem Weg war.

Foto: EmK »unterwegs«
Entnommen aus: »unterwegs« 1/2017