»Ich möchte mich vom Nicht-aufhören-können lösen«, erklärt Bischof Harald Rückert auf die Frage, wie er vorhat zu fasten.

»Ich möchte mich vom Nicht-aufhören-können lösen«, erklärt Bischof Harald Rückert auf die Frage, wie er vorhat zu fasten.

Unterbrechung des Alltags

Aufhören mit dem Nicht-aufhören-können

Was fastet ein Bischof in der Passionszeit? Diese Anfrage unterbrach den Alltag von Bischof Harald Rückert und brachte etwas in Gang.

Bischof Harald Rückert war Anfang Februar von einer kirchlichen Nachrichtenagentur um eine persönliche Stellungnahme zum Fasten gebeten worden. Was das auslöste, berichtet der für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland zuständige Bischof hier:

»Herr Bischof Rückert, am 14. Februar beginnt die Fastenzeit. Wir möchten unseren Lesern gern vorstellen, worauf bedeutende Persönlichkeiten aus der evangelischen Welt in diesen sieben Wochen verzichten. Was fastet Bischof Harald Rückert in diesem Jahr im Zeitraum von Aschermittwoch bis Ostern und warum fiel die Entscheidung gerade darauf?« Wonach ich als Bischof alles gefragt werde!, dachte ich zuerst, und wollte die Anfrage schon fast zur Seite legen. Aber die Frage nach dem Fasten ließ mich nicht los.

Was bedeutet mir Fasten?

Spielt es überhaupt eine Rolle in meinem Glauben? Diese Frage war eine völlig unerwartete Unterbrechung im Getriebe der zurückliegenden Wochen. Bisher hatte ich mir noch überhaupt keinen Gedanken an die unmittelbar bevorstehende Passionszeit gemacht. Der Terminkalender drängt und beansprucht. Keine Zeit fürs Fasten!, so mein spontanes Gefühl. Daraufhin schrieb ich der Redaktion zurück: »Durch die Wahl ins Bischofsamt vor knapp einem Jahr geriet mein gewohnter Lebensrhythmus kräftig durcheinander. Einige wichtige Aspekte für mein körperliches und seelisches Wohlbefinden kamen mir dabei abhanden. Diese ‚Entbehrungen‘ tun mir nicht gut. Die bevorstehende Fastenzeit möchte ich bewusst dazu nutzen, einiges davon wiederzufinden und erneut in mein Leben zu integrieren: Sport und Saxophonspielen.«

Loslassen, was mich bindet

So möchte ich in diesem Jahr versuchen zu fasten: Ich möchte mich vom Nicht-aufhören-können lösen. Ich will loslassen, was mich bindet, und ergreifen, was mein Leben erfrischt und erfreut. Ich will Arbeit aus der Hand legen, um dankbar Gottes wunderbare Gaben anzunehmen: die Bewegung und die Musik. So wird Fasten zum Abenteuer des Vertrauens und der Hingabe an Gott. Auf dieses Abenteuer bin ich gespannt – über die Fastenzeit hinaus. Was so eine Redaktionsanfrage dann doch tatsächlich auslöst! Danke für die Unterbrechung, denke ich, und bete:

Vergib mir, Herr,
dass ich mich von so Vielem abhängig machen lasse,
was ich zum Leben eigentlich nicht benötige,
was mich sogar von dir und dem Trachten nach deinem Reich wegführt.

Vergib mir,
dass ich manchmal so satt bin,
dass ich nicht mehr verstehe, was Hunger heißt,
auch Hunger nach Hoffnung, Frieden, Gerechtigkeit und Liebe.

Hilf mir,
den Segen der Enthaltsamkeit um deinetwillen
und um der Armen willen neu zu entdecken.

Lehre mich
den nötigen Abstand zu dem,
was dein Reich nicht fördert.

Amen.

(Gebet nach einer Vorlage aus: Unterwegs mit Christus, Glaubensbuch der EmK, Emk heute Nr. 72, Seite 79)

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Der Autor
Harald Rückert ist seit Mai 2017 Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt: bischofsbuero(at)emk.de.