Gottesdienst zum Auftakt der ÖRK-Besuchsreise durch China in der methodistischen Chongwenmen-Kirche in Peking

Gottesdienst zum Auftakt der ÖRK-Besuchsreise durch China in der methodistischen Chongwenmen-Kirche in Peking

70 Jahre ÖRK

Besuch bei Methodisten in China

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen predigte am 7. Januar in der methodistischen Chongwenmen-Kirche in Peking.

Vom 7. bis zum 16. Januar bereist eine Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) China. Dieser historische Besuch bildet den Auftakt zu den Feiern anlässlich des 70-jährigen Bestehens des ÖRK. Ziel der Reise sind Besuche bei Vertretern des Chinesischen Christenrates, der Christlichen Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung, der staatlichen Religionsbehörde und religiösen Leitungspersonen sowie theologischen Ausbildungsstätten. Zum Auftakt der Besuchsreise predigte Olav Fykse Tveit, seit 2010 Generalsekretär des ÖRK, in der methodistischen Chongwenmen-Kirche in Peking.

Leben und Wachstum der Kirche in China ist eine »gute Nachricht«

Die Predigt stand unter dem Thema »Jesus Christus, die Freude der Welt«. Tveit erklärte: »Wir sind dazu berufen, die gute Nachricht von Gottes Liebe und Gottes Frieden für alle Menschen weiterzusagen, wo immer die Menschen sind und welchem Volk sie auch immer angehören.« Weiter sagte er: »Auch wenn viele aus der Armut geholt worden sind wie in Ihrem Land, leiden doch viele Menschen an Armut, ungeheilten Krankheiten, Konflikten, Angst, Einsamkeit, sogar Hoffnungslosigkeit.« Tveit, promovierter Theologe und ordinierter Pastor der Norwegischen Kirche, ging auch auf die Rolle der Kirchen in China ein: »Zu den sehr guten Nachrichten in der Familie des Ökumenischen Rates der Kirchen gehört die Nachricht über das Leben und das Wachstum der Kirche in China. Ihr christliches Zeugnis während und nach sehr schwierigen Zeiten für Ihre Kirche hat vielen in der Welt Hoffnung gegeben.«

Nach Informationen auf der Internetseite des ÖRK waren zu diesem Gottesdienst in der Chongwenmen-Kirche etwa 1.000 Gottesdienstbesucher zusammengekommen. Die von amerikanischen Methodisten 1870 erbaute Kirche gehöre zu den ältesten protestantischen Kirchengebäuden in China. Beim sogenannten Boxeraufstand, einer chinesische Bewegung gegen das Streben europäischer, US-amerikanischer und japanischer Vorherrschaft im Land, war sie im Jahr 1900 zerstört und vier Jahre später wiedererrichtet worden. Während der Kulturrevolution (ab 1966) sei die Kirche geschlossen gewesen und 1980 wiedereröffnet worden. Heute würden in ihr sonntäglich fünf Gottesdienste gefeiert, an denen auch viele junge Leute teilnähmen.

Methodismus in China

Wenige Jahre vor 1850 kamen die ersten US-amerikanischen Missionare der Bischöflichen Methodistenkirche nach China. Wesleyanische Methodisten aus Großbritannien begannen 1851 in China zu missionieren. Im Laufe der Zeit eröffneten immer mehr methodistische Kirchen, auch die Vereinigten Brüder in Christo und die Evangelische Gemeinschaft, Missionen in China. Rund hundert Jahre später, Mitte des 20. Jahrhunderts, gab es in China etwa 78.000 Methodisten britischer und 190.000 Methodisten US-amerikanischer Tradition. Auf politischen Druck hin mussten nach und nach alle Missionare aus dem westlichen Ausland China verlassen.

Nach der Ausweisung ausländischer Missionare und Kirchenleiter wurde 1954 die protestantische und »Patriotische Drei-Selbst-Bewegung« gegründet. Unter den Begriffen Selbstverwaltung, Selbsterhaltung, Selbstausbreitung wird die Unabhängigkeit von ausländischer Einflussnahme und Steuerung betont. Darin verbinden sich politische Auflagen mit der Distanzierung von der unrühmlichen Verbindung christlicher Mission mit Kolonialismus und Imperialismus. Seit 1991 ist die Vereinigung der Chinesischen Protestanten Mitglied des Weltkirchenrats. Neben dieser offiziellen, nationalen chinesischen Kirche besteht eine inoffizielle, lebendige Hauskirchenbewegung, die sich der staatlichen Aufsicht und Kontrolle verweigert.

Kritik von Menschenrechtsorganisation

Anlässlich der ÖRK-Besuchsreise hat die in Göttingen ansässige Gesellschaft für bedrohte Völker dem ÖRK vorgeworfen, die Verfolgung von Christen in der Volksrepublik China zu ignorieren. So wies der Direktor der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius, darauf hin, dass sogar während der ÖRK-Besuchsreise chinesische Behörden am 9. Januar in der Stadt Linfen, in der westlich von Peking gelegenen Provinz Shanxi, trotz Protesten vieler Christen die Hauskirche »Goldener Leuchter« zerstören ließen. Das im Jahr 2009 ausschließlich mit Spenden der Gemeindemitglieder errichtete Gebäude sei von Sicherheitskräften abgeriegelt und von einem Sonderkommando gesprengt worden. An Silvester sei in der Stadt Qingshuihe, im äußersten Westen Chinas in der Region Xinjiang gelegen, eine evangelische Kirche von den Behörden geschlossen worden. Am gleichen Tag sei in Xian, in der Provinz Shanxi, eine katholische Kirche niedergerissen worden. Delius kritisierte zudem, dass die ÖRK-Delegation keine Treffen mit Vertretern staatlich nicht registrierter Gemeinden geplant habe, in denen sich die meisten chinesischen Christen versammelten. Diese Gemeinden seien meist Ziel der staatlichen Schikanen und Drangsalierungen.

Mehr Christen als Parteimitglieder

Nach offiziellen Zahlen leben in der fast 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China rund 20 Millionen Christen. Inoffizielle Schätzungen bewegen sich zwischen 80 Millionen und bis zu 130 Millionen Christen. Die meisten Gläubigen gehörten nicht einer offiziellen Kirche, sondern den Hauskirchen an, die sich selbst organisieren und in privaten Wohnungen zu Gottesdienst und Bibelstudium treffen. Mit den auch durch säkulare Medien aufgegriffenen inoffiziellen Schätzungen gäbe es in China mehr Christen als die 83 Millionen kommunistischen Parteimitglieder.

Foto: ÖRK


Die Autoren
Reinhold Parrinello ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Er lebt in Nürnberg. Kontakt: reinhold.parrinello(at)emk.de.
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
ÖRK
ÖRK-Artikel zum Besuchsauftakt
Kritik der Gesellschaft für bedrohte Völker
FAZ-Artikel vom 25.12.2015 zur Situation chinesischer »Christen im Untergrund«