Pastor Tobias Beißwenger wird neuer Superintendent für den Distrikt Reutlingen der EmK

Pastor Tobias Beißwenger wird neuer Superintendent für den Distrikt Reutlingen der EmK

Nachfolgefrage geklärt

Die Sprache der Menschen sprechen

Tobias Beißwenger wird neuer Superintendent der EmK für den Distrikt Reutlingen. Er tritt sein Amt Ende Juli als Nachfolger von Johannes Knöller an.

Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland, beruft mit Wirkung ab Ende Juli dieses Jahres Tobias Beißwenger zum Superintendenten für den Distrikt Reutlingen. Der 44-Jährige ist derzeit noch Pastor des im südlichen Schwarzwald gelegenen Gemeindebezirks St. Georgen. Im Amt des Superintendenten wird Beißwenger Nachfolger von Johannes Knöller. Dieser hatte seine Beauftragung Ende letzten Jahres nach sieben Jahren an den Bischof zurückgegeben, um in die Bayerische Landeskirche zu wechseln.

Fahrräder reparieren und Kaffee anbieten

»Ich habe großen Respekt vor dieser Berufung und der damit verbundenen Fülle neuer Aufgaben«, erklärte der gebürtige Ludwigsburger Tobias Beißwenger kurz nachdem er von der Berufung durch den Bischof erfuhr. Er freue sich aber auch darauf, die Kirche von einer anderen Seite kennenzulernen. »Ich will gerne dazu beitragen und Anstöße vermitteln, dass die Kirche für unsere heutige Gesellschaft relevant ist.« Darin, so Beißwenger, sehe er eine seiner Aufgaben in der Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen seines künftigen Aufgabenfeldes. Aus seiner jetzigen Gemeindearbeit könne er davon einige Erfahrungen einbringen. Dort sei ihm zusammen mit den Mitarbeitern der Gemeinde bewusst geworden, »dass die Menschen auch dann nicht in die Kirche kommen, wenn du Feuer spuckst«. Wenn Jesus darauf hinweise, dass die Kranken den Arzt bräuchten, »dann«, so Beißwenger in unverblümter Sprache, »darf ich in der Gemeinde nicht immer nur die verarzten, die eigentlich als ›Krankenpfleger‹ zu den Menschen gehen sollten«. Mit dieser Erkenntnis ausgestattet, hätten sie in St. Georgen auf dem Marktplatz Fahrräder repariert, in einem Einkaufsmarkt Zeitgutscheine angeboten oder im Altenheim gesungen. Das seit gut vier Jahren fünfmal in der Woche nachmittags geöffnete »Café Bohnenheld« sei auch aus dem Bemühen erwachsen, »mit den Menschen ins Gespräch zu kommen«.

Wie die Kirche für Menschen relevant sein kann

Rückblickend weiß der passionierte Radfahrer und Naturliebhaber auch recht genau, woher dieser Antrieb kommt, den Menschen in ihrer Lebenssituation und mit ihrer Sprache zu begegnen. Er habe einen sehr guten Religionslehrer gehabt, »der mir zeigte, dass ich den Verstand nicht ablegen muss, wenn ich glauben will«. Das habe ihn überzeugt. Während des Zivildienstes in Stuttgart bei »Radio m«, der Privatfunkagentur der EmK, habe er dann zum ersten Mal erlebt, wie »›die Kirche‹ relevant sein will für Menschen, die nicht mehr in die Kirche kommen«. Er habe beim journalistischen Arbeiten bemerkt, wie wichtig es sei, »die Sprache der Menschen« zu sprechen und auf das zu schauen, was die Leute interessiere. »Das hat mich stärker geprägt, als ich es damals realisierte«, erzählt der designierte Superintendent. Deshalb habe er auch das nach dem Zivildienst begonnene Lehramtsstudium für Geschichte und Religion nach kurzer Zeit aufgegeben und in Tübingen und Reutlingen Theologie studiert, um Pastor zu werden.

Außerordentliche Hörfähigkeit für Anliegen von Jugendlichen

Während drei Jahren als Gemeindepastor in Mössingen bei Reutlingen und weiteren fast neun Jahren im Schwarzwald hat sich Beißwenger im Nebenamt auch als EmK-Beauftragter für Kirchlichen Unterricht eingebracht. Dabei wirkte er maßgeblich an einer fünfjährigen Studie mit, in der europaweit in ökumenischer Zusammenarbeit der Konfirmandenunterricht untersucht wurde. Dass Statistiken auswerten sogar Spaß machen kann, ist dem mit einer Lehrerin verheirateten Familienvater von drei Kindern im Alter von elf, neun und sieben Jahren geradezu anzumerken. Mit diesen Daten seien erstmalig umfassende Informationen zusammengetragen worden, mit denen die Herausforderungen und Chancen des kirchlichen Unterrichts für Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren dargelegt werden konnte. Bei der Auswertung dieser Studie habe Beißwenger »eine außerordentliche ›Hörfähigkeit‹ für die Hoffnungen und Sorgen, Anliegen und Bedürfnisse von Jugendlichen entwickelt«, betont Bischof Harald Rückert im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der Berufung Beißwengers zum Superintendenten. »Ich bin sehr dankbar für die Bereitschaft von Pastor Beißwenger und seiner Familie, sich auf die ungewöhnlichen Umstände eines sehr raschen Wechsels und Dienstantrittes einzulassen.«

Foto: Privat


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Zur Information
Der Gottesdienst anlässlich des Wechsels im Amt des Superintendenten für den Distrikt Reutlingen findet am 29. Juli 2018 um 16 Uhr in Reutlingen statt.