Ein Glas, das mit Wasser gefüllt wird als Sinnbild für den Durst des Menschen.

Ein Glas, das mit Wasser gefüllt wird als Sinnbild für den Durst des Menschen.

Jahreslosung 2018

Durstlöscher

Pastorin Maren Herrendörfer macht eine Ausbildung als »Geistliche Begleiterin«. Damit will sie Menschen helfen, Gott in ihrem Leben wahrzunehmen.

Maren Herrendörfer ist Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) im Kinder- und Jugendwerkder Norddeutschen Konferenz. Mit ihrer Ausbildung zur »Geistlichen Begleiterin« will sie Menschen helfen, Gott in ihrem Leben wahrnehmen zu können. Michael Putzke, der leitende Redakteur des EmK-Magazins »unterwegs« hat mit ihr über die Jahreslosung aus dem neutestamentlichen Buch der Offenbarung (Kapitel 21,6) gesprochen, weil dort vom »Lebensdurst« die Rede ist.

Michael Putzke: In der Johannesoffenbarung wird von Gott gesagt: »Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst«. Was spricht Sie in dieser Jahreslosung für das Jahr 2018 an?

Maren Herrendörfer: Dass Gott unseren Durst wahrnimmt und stillen will. Durst ist ein Ausdruck von Sehnsucht. Gott lässt uns nicht vertrocknen und wir brauchen uns nicht mit diesem Mangel abzufinden. Wenn ich Durst habe, wenn ich Sehnsucht nach Leben spüre, darf ich mich an Gott wenden – in der Hoffnung: Er will diesen Durst stillen.

Erleben Sie in den Gemeinden diesen Durst?
Ja, es gibt viel Durst. Aber ich habe das Gefühl, dass dieser Durst manchmal verschüttet ist. Diese Sehnsucht wird nicht bewusst wahrgenommen, weil sie unangenehm ist. Dann versucht man, ihr lieber auszuweichen.

Wonach sehnen sich Menschen konkret?
Da ist viel Sehnsucht nach Liebe, nach Annahme und Anerkennung, letztlich den Grundbedürfnissen des Menschen. Sehnsucht ist aber auch ein unangenehmes Gefühl. Es kann ein Schmerz sein und dem weichen viele gerne aus. Oder man ist schon oft enttäuscht worden und schottet sich lieber ab.

Warum ist Sehnsucht so schwierig?
Dieser Durst ist ein Ausdruck von Leere – das will ja keiner. Sehnsucht muss freigelegt und dann ausgehalten werden. Niemand gibt gerne zu, dass man sich leer fühlt. Das wahrzunehmen und zu zeigen, dazu braucht es einen geschützten Raum.

Die Jahreslosung macht uns ein Versprechen: Die Quelle, an der wir unseren Durst löschen können, ist da – auch wenn ich sie jetzt nicht finde. Wie kommen Sie in Kontakt mit der Quelle?
Für mich sind es zum einen Erinnerungen an Momente, in denen ich erlebt habe, wie Gottes Liebe mich erfüllt hat. Ich besinne mich darauf, wann ich Gottes Nähe schon erlebt habe. Das hilft mir, wieder neu seine Nähe zu suchen und mit meiner Sehnsucht zu ihm zu kommen.

Wie sieht dieser Weg in Gottes Nähe für Sie aus?
Was mir hier persönlich hilft sind Einkehrzeiten und Stille. Wenn ich mich richtig ausgetrocknet fühle, dann weiß ich, ich muss ein paar Tage raus. Und im Alltag ist es die »Stille Zeit«, das Bibellesen und Beten.

Sie machen gerade eine Ausbildung als »Geistliche Begleiterin«. Was kann man sich darunter vorstellen?
Es geht um eine Form der Seelsorge für Menschen, die sagen: »Ich möchte offener werden für Erfahrungen mit Gott. Ich möchte Gott in meinem Alltag mehr erleben.« Darauf richtet sich diese Seelsorge aus: Menschen eine Hilfestellung zu geben, die den Wunsch haben, Gott verstärkt wahrzunehmen, damit das nicht so schnell im Alltag untergeht. Es geht dabei um Wahrnehmung und Aufmerksamkeit; in den Kleinigkeiten des Alltags spüren, hier ist Gott mir ganz nah.

Wenn Menschen sagen: »Ich habe früher Gott erlebt, aber jetzt fällt es mir schwer, mit Gott in Kontakt zu kommen« – was raten Sie?
Ich würde mich zuerst darüber freuen, weil da ein Durst wahrgenommen wird. Ich ermutige Menschen, diesem Durst nachzugehen. Da liegt eine große Chance drin. Wir können solche Erfahrungen nicht auf Knopfdruck machen, aber wir können empfangsbereit werden.

Wie kann man empfangsbereit werden für Gott?
Stille ist für mich dazu ein wichtiger Schritt. Menschen sind zwar unterschiedlich und brauchen unterschiedliche Formen von Gebet, aber dafür gibt es auch unterschiedliche Formen von Stille. Gerade das Heraustreten und Abstand gewinnen, Wahrnehmen und Sehen, was geschieht, um mich herum; das hilft ungemein auch Gottes Nahesein zu erkennen.

Foto: baudolino, pixabay.de
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 1/2018


Der Autor
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Kirchenmagazins »unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.