Weltweit gehörter Prediger: Billy Graham  7. November 1918 bis 21. Februar 2018

Weltweit gehörter Prediger: Billy Graham 7. November 1918 bis 21. Februar 2018

Zum Tod von Billy Graham

»Gottes Liebe wartet auf unsere Antwort«

Der bekannteste Prediger in den USA und wohl auch weltweit ist tot: Billy Graham starb im Alter von 99 Jahren.

Am gestrigen Mittwoch verstarb der amerikanische Pastor Billy Graham im Alter von 99 Jahren. Der Baptist war seit den 1950er-Jahren durch Großevangelisationen zunächst in den Vereinigten Staaten und dann weltweit bekannt geworden. Er füllte Hallen, Arenen und Stadien und erreichte über die Jahre hinweg Hunderte Millionen Menschen mit dem Evangelium. Früh nutzte er die Medien wie Radio und Fernsehen, später auch die Satellitenübertragungstechnik. Das »Maschinengewehr Gottes«, wie er von weltlichen Medien wegen seines gelegentlichen Redens im Stakkato genannt wurde, war auch für viele US-Präsidenten Ratgeber und Seelsorger.

Prägend für missionarisches Engagement in Deutschland

Auch in Deutschland hat Graham viele Spuren hinterlassen. Dazu gehörte die erstmals mit Liveübertragungen an viele Orte durchgeführte Evangelisationskampagne »Euro 70«. Auch seine Einladung zum Lausanner Kongress 1974 und der 1976 in Essen durchgeführte missionarische Jugendkongress »Christival« haben die missionarischen Aktivitäten vieler Kirchen und Gemeinden in Deutschland nachhaltig geprägt. Zuletzt hat Graham 1993 als Verkündiger bei »ProChrist« zur Entwicklung eines neuen, per Satellit europaweit übertragenen Evangelisationskonzepts beigetragen. Zwar gab es viel Kritik an Grahams »einfacher« Theologie, aber der Prediger fand ebenfalls viel Zuspruch bei den Menschen.

Evangelisation ist zentraler Auftrag

»Billy Graham gilt zu Recht als bedeutendster Evangelist des 20. Jahrhunderts«, beschreibt Achim Härtner Grahams Rolle aus Sicht eines Professors für Praktische Theologie. Der Reutlinger Theologe mit Schwerpunkt »Evangelisation« anerkennt, dass der evangelikal geprägte Erweckungsprediger »die Kirchen nachdrücklich daran erinnert hat, dass die Evangelisation ihre zentrale Aufgabe ist« und sich der Glaube an Christus in einem Engagement für Hoffnung und Gerechtigkeit erweisen müsse.

Kritisiert und doch wichtig: der »Ruf zur Entscheidung«

»Über Jahrzehnte hinweg hat Billy Graham gerade auch in Deutschland Menschen mit dem Evangelium angesprochen«, erklärt Bischof Harald Rückert nachdem die Nachricht vom Tode Grahams eintrifft. Sein »Ruf zur Entscheidung« sei, so Rückert, zwar immer wieder kritisch thematisiert worden, »aber Graham verdeutlichte, dass der Zuspruch der Liebe Gottes auf unsere Antwort der Liebe wartet«. Rückerts Vorgängerin als Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Rosemarie Wenner, erinnert sich, dass sie als Jugendliche Billy-Graham-Evangelisationen besucht hatte. »Unsere Gemeinde war fast geschlossen dort«, erzählt sie und beschreibt Graham als »großen Evangelisten, durch den viele Menschen gesegnet wurden«.

Zuletzt lebte der baptistische Prediger zurückgezogen auf seinem Altersruhesitz in den Bergen des US-Bundesstaates North Carolina. Wegen Krebs, Parkinson, Lungenentzündung und anderer Gebrechen war er dauerhaft in medizinischer Behandlung, bis er am gestrigen Mittwoch, 21. Februar, verstarb. Graham und seine im Juni 2007 verstorbene Frau Ruth hinterlassen drei Töchter und zwei Söhne, die ebenfalls in amerikanischen Kirchen aktiv und überregional bekannt sind. Der Sohn Franklin Graham führt die Geschäfte der »Billy Graham Evangelistic Association«.

Foto: billygraham.org, Billy Graham Evangelistic Association


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.