Der Osnabrücker EmK-Pastor Olaf Wischhöfer legte in seiner Bibelarbeit die »energische, aber liebevolle Einladung Jesu, in die Tiefe hinauszufahren,« aus.

Der Osnabrücker EmK-Pastor Olaf Wischhöfer legte in seiner Bibelarbeit die »energische, aber liebevolle Einladung Jesu, in die Tiefe hinauszufahren,« aus.

NJK-Tagung in Berlin

Verstehen und verstanden werden

Das Motto »Dranbleiben!« heißt nicht einfach weitermachen. Die Bibelarbeit über die Seepredigt Jesu fordert die NJK zu neuer Offenheit auf.

Am Freitag setzte die Norddeutsche Jährliche Konferenz (NJK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) im Gemeindezentrum Kreuzkirche in Berlin-Lankwitz ihre Arbeit fort. Wegweisend war die morgendliche Bibelarbeit von Olaf Wischhöfer. Die Plenumssitzung beschäftigte sich intensiv mit der Frage der Dienstzuweisungen. Der Abend der Gemeinschaft mit Dienstjubiläen und dem Gedenken an Verstorbene beschloss den Tag.

»Wie lange haben wir noch, wenn sich nichts ändert?«

In seiner Bibelarbeit über die Seepredigt Jesu (Lukas 5,1-11) forderte Olaf Wischhöfer die Konferenz am Freitag auf, mit Jesus »in die Tiefe« hinauszufahren. Das konfrontiere auch mit dem, was verborgen ist: Schuld und Scham, aber auch Sehnsucht und Echtheit, Träume und Wünsche, erklärte der Osnabrücker EmK-Pastor. Jesus habe am Strand des Sees Genezareth Fischer getroffen, die die ganze Nacht nichts gefangen hatten. Die Erfolglosigkeit der Jünger ähnele sehr stark der aktuellen Situation der NJK, legte Wischhöfer dar. Die Jünger fragten, warum sie erneut die Netze auswerfen sollten. »Als NJK fragen wir uns ja schon lange: ›Wie geht es weiter?‹« Die Sinnfrage würde zwar nicht ganz so laut gestellt. »Aber«, so Wischhöfer weiter, »wir fragen uns: ›Wie lange haben wir noch, wenn sich nichts ändert?‹«

Heilung und Zukunft

Das NJK-Motto »Dranbleiben!« könne da nicht als Parole zum Durchhalten gemeint sein. In der Begegnung mit Jesus habe sich Petrus und den anderen Fischern am See »ein neuer Sinnhorizont über alle vermeintliche Realität hinaus« eröffnet. Die Jünger erlebten mit Jesus einen neuen Horizont, indem sie bereit waren, ihr bisheriges Leben aufzugeben. Deshalb sei der Fischzug des Petrus kein Aufruf zum Weitermachen, sondern die energische, aber liebevolle Einladung Jesu in die Tiefe hinauszufahren. Darum gehe es auch für die NJK: »In die Tiefe hinauszufahren, dort miteinander zu fischen, einander bisher Verborgenes zuzumuten.« Das führe zwar auch zum Erschrecken, müsse aber nicht zur Trennung von Gott oder voneinander führen. Gerade darin könne »Heilung und Zukunft« liegen, wenn das »Fürchtet euch nicht!« von Jesus vernommen werde. Gerade dafür sei die neue Arbeitskultur der in der NJK seit zwei Jahren praktizierten »Zukunftskonferenz« ein Beispiel. In dieser offenen Gesprächssituation könne »etwas mehr von unserer persönlichen und gemeinschaftlichen Tiefe« gezeigt werden. Dazu gehöre auch, »respektvoll und interessiert auf das Gegenüber zu reagieren«. So habe er »Schwestern und Brüder anders schätzen gelernt«, bekannte Wischhöfer. Verstehen und verstanden werden würden so den Grund dafür legen, dass die NJK konfliktfähiger werde. Wischhöfer ist überzeugt, dass das die Chance, »gemeinsam bessere und verlässlichere Entscheidungen zu treffen«, deutlich erhöhe.

Dienstzuweisung neu denken

In den Geschäftssitzungen stand die Suche nach einem neuen Dienstzuweisungsmodell im Mittelpunkt. Auf Basis von Vorarbeiten einer Arbeitsgruppe wurden drei Modelle diskutiert. Das eine sieht vor, dass Ortsgemeinden mit 120 und mehr Kirchengliedern mit einer oder mehreren pastoralen Stellen ausgestattet werden sollen. Kleinere Gemeinden sollen in Regionalbünden zusammengefasst werden. Darüber hinaus sollen Hauptamtliche auch für Projekte freigestellt werden, um neue Arbeitszweige zu eröffnen. Ein anderes Modell trägt dem Ansatz Rechnung, Dienstzuweisungen für Hauptamtliche und Gemeinden transparenter, verlässlicher und möglichst langfristiger zu gestalten. Neben diesen beiden Modellen soll auch eine dritte Möglichkeit erwogen werden, bei der sich Hauptamtliche frei bei Gemeinden bewerben können und umgekehrt auch Gemeinden auf Pastoren oder Pastorinnen zugehen dürfen, um diese für einen Dienst in ihrer Gemeinde zu gewinnen. Nach ausführlicher Diskussion dieser Vorschläge beauftragten die Konferenzmitglieder die Arbeitsgruppe, die drei Modelle weiterzuentwickeln und der NJK-Tagung im kommenden Jahr zur Abstimmung vorzulegen.

Gedenken und Danken

Beim Abend der Gemeinschaft wurde ehrend und dankbar an Verstorbene aus der Dienstgemeinschaft gedacht und Dienstjubiläen gefeiert. Der Superintendent für den Distrikt Berlin, Gabriel Straka, erinnerte an den verstorbenen Pastor Fritz Wittko, die verstorbene Pastorenfrau Sabine Elle sowie die Pastorenwitwen Renate Ott, Selma Michalski, Maria Wichers und Marion Laubsch-Groß und den im vergangenen Jahr verstorbenen Bischof Rüdiger Minor. Joachim Georg und Simone Bruhn ehrten die Dienstjubilare. Johannes Kapries wurde für 70 Dienstjahre geehrt, Reinhold Elle, Willi Holland und Dietmar Sieweck für 60 Dienstjahre, Hans-Albert Steeger und Karsten W. Mohr für 50 Dienstjahre, Van Jolli, Regine Stoltze und Klaus Abraham für 40 Dienstjahre sowie Günter Loos und Holger Sieweck für 25 Dienstjahre.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Die Autoren
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Kirchenmagazins »Unterwegs«. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit@emk.de. 

Zur Information
Das Gebiet der Norddeutschen Konferenz umfasst 100 Gemeinden mit rund 9.900 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, sowie in Teilen von Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.