Nach erfolgreichem Abschluss der vierten Sitzung des Runden Tischs freuen sich dessen Mitglieder zusammen mit Bischof Harald Rückert (Mitte) an einer der Fuldaer »Bischofsampeln« über »grünes Licht für den weiteren Weg«.

Bericht vom »Runden Tisch«

Verbund für den Erhalt der Verbindung

Der zentrale Runde Tisch der EmK in Deutschland hat nach vier Sitzungen ein einstimmiges Ergebnis für einen gemeinsamen Weg erzielt.

Ende vergangener Woche (Freitag und Samstag, den 10. und 11. Januar) hatte der von Harald Rückert, dem für Deutschland zuständigen Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), geleitete Runde Tisch seine vierte Sitzung. Inhaltlich waren von dieser Sitzung in Fulda entscheidende Weichenstellungen erwartet worden. Jetzt liegt der von zwei Mitgliedern des Runden Tischs verfasste Bericht vor. Die Veröffentlichung erfolgt hier im Rahmen einer Dokumentation des gesamten Textes:

Die vierte Sitzung des Runden Tischs: 19 Christinnen und Christen – 15 Stunden gemeinsames Ringen um den zukünftigen Weg der Kirche

Am 10. und 11. Januar trafen sich in Fulda unter Leitung von Bischof Harald Rückert die Mitglieder des Runden Tischs, die aus allen drei Jährlichen Konferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland zusammenkamen und ganz unterschiedliche theologische Überzeugungen mitbringen. Zur Debatte stand der weitere Weg der EmK in Deutschland angesichts unterschiedlicher Grundüberzeugungen zu Fragen der Homosexualität. Die entscheidende Frage war: Gelingt es, einen gemeinsamen Vorschlag für den weiteren Weg der Kirche zu erarbeiten?

Die Sitzung begann mit einer Andachts- und Gebetszeit, bei der sich Gebetspartner unterschiedlicher theologischer Positionen zusammenfanden. Insgesamt bildeten das Gebet und die Ausrichtung auf Gott einen besonderen Schwerpunkt der Begegnung. Der erste Arbeitsauftrag war die Auswertung der etwa 200 facettenreichen Rückmeldungen zu den Vorschlägen des Runden Tischs, die von Einzelpersonen, Gruppen und Gemeinden der EmK eingegangen waren.

Anschließend ging es an die Weiterarbeit am Text der Verfassung, Lehre und Ordnung (VLO) der EmK. Wegen der deutlichen Uneinigkeit in den Grundüberzeugungen zu Fragen der Homosexualität schlagen die Mitglieder des Runden Tischs vor, alle Passagen, die sich zur Ordination von Menschen mit homosexueller Orientierung und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften äußern, zu streichen. Mit viel Sorgfalt wurde hier jeder Halbsatz betrachtet. Es wurden stattdessen keine anderen Formulierungen eingefügt. Im Blick auf die Ordination hätte die Kommission für ordinierte Dienste weiterhin die Aufgabe, alle Kandidatinnen und Kandidaten bezüglich ihrer grundlegenden Eignung zu prüfen. Die Streichungen in der Ordnung würden Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare weder vorschreiben, noch verbieten. Gemeindevorstände sollen über Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in der eigenen Gemeinde beraten und entscheiden können.

Der dritte Auftrag war die Weiterarbeit an der Beschreibung von Verbünden, die gebildet werden können, um Menschen einen verbindlichen Ort zu geben, wenn sie die genannten Streichungen aus Überzeugung nicht mittragen können. Es bestand schließlich darin Einigkeit, dass der Runde Tisch der Zentralkonferenz zunächst nur die Bildung eines Verbunds vorschlägt: Ein Verbund, der ausdrücklich die bisherige Haltung der VLO zur Homosexualität beibehält und somit für bewahrende, konservative Positionen Heimat bietet. Durch ein eigenes theologisches Statement soll dieser Verbund seinen Mitgliedern Sicherheit in ihrem Glauben und Handeln geben. Bezirken, Gemeinden und auch Einzelpersonen steht der Verbund offen. Er wählt sich ein Leitungsteam und der/die Leiter(in) wird in engem Kontakt mit der Kirchenleitung stehen. Gemeinden sollen abstimmen können, ob sie einem solchen Verbund beitreten möchten.

Nach langem, herausforderndem Ringen stimmten die Mitglieder des Runden Tischs schließlich einstimmig für das Gesamtpaket des erarbeiteten Vorschlags. Dabei sind noch einige Details zu klären: Die konkrete Gestalt des genannten Verbunds wird nun durch eine Arbeitsgruppe derjenigen Geschwister vom Runden Tisch entworfen, die diesen mit Leben füllen werden. Darüber hinaus ist ein Name für diesen Verbund zu finden – Vorschläge dafür können gerne an einen der Autoren des Berichts (siehe unten) gesandt werden.

Der Vorschlag des Runden Tischs soll nun auf den Distriktversammlungen und im Rahmen der Jährlichen Konferenzen der EmK in Deutschland vorgestellt und ins Gespräch gebracht werden, bevor er schließlich der Zentralkonferenz in Zwickau im November 2020 zur Verhandlung vorgelegt wird. Dies geschieht freilich unter Berücksichtigung internationaler Entwicklungen in der EmK. Bischof Harald Rückert nannte auch den jüngst von einer internationalen Gruppe formulierten Vorschlag bezüglich einer respektvollen Trennung der Kirche. Darüber wird die Generalkonferenz im Mai 2020 beraten.

Die 15 Stunden der Sitzung am Runden Tisch waren von einem intensiven Ringen geprägt: Wie und auf welche Weise bleiben wir dem Wort Gottes treu? Wie schützen und begleiten wir Menschen in ihrer Identität, ohne sie zu verletzen? Wie können wir dabei in unseren unterschiedlichen Überzeugungen die Einheit der Kirche und der Gemeinden so weit wie möglich erhalten? Ob die Erarbeitungen des Runden Tischs dazu Horizonte eröffnen und tragfähig sind, wird die Zukunft zeigen. Wir dürfen indes dafür beten.

Für den »Runden Tisch« der EmK in Deutschland:
Steffen Klug (steffen.klug(at)emk.de)
Stephan von Twardowski (stephan.twardowski(at)emk.de) │ im Januar 2020

»Wunderbares Geschenk Gottes an uns«

Damit hat der zentrale Runde Tisch für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland den wesentlichen Teil seiner Aufgabenstellung erreicht, eine Vorlage für die im November tagende EmK-Zentralkonferenz für Deutschland zu erarbeiten. Sehr hilfreich dafür waren die rund zweihundert eingegangenen Rückmeldungen, für die sich die Mitglieder des Runden Tischs »sehr herzlich bei all denen bedanken, die als Einzelpersonen, Gemeinde oder Bezirk eine Rückmeldung an unseren Kreis gegeben haben«. In einem Dankschreiben an die Einsender heißt es: »Die unterschiedlichen Wortmeldungen flossen während des gesamten Treffens in Fulda immer wieder in unsere Diskussion und unser Beten mit ein und fanden Berücksichtigung. Dass am Ende trotz unterschiedlicher Auffassungen ein einstimmiger Beschluss für einen gemeinsamen Weg der EmK in Deutschland vom Runden Tisch gefasst werden konnte, das ist nicht nur eine Chance sondern vor allem auch ein wunderbares Geschenk Gottes an uns.«

Die Dokumentation des Berichts findet sich zum Herunterladen im Anschluss an diese Meldung.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

[Änderung: 21.01.2020, 17:13 Uhr] In einer früheren Version des Textes hieß es, »… hatte der von Bischof Harald Rückert … eingesetzte Runde Tisch seine vierte Sitzung«. Diese Formulierung ist missverständlich und wurde geändert in »… der von Bischof Harald Rückert … geleitete Runde Tisch«. Der Grund für diese Änderung findet sich im Passus »Informationen« am Ende des Artikels. Dort ist beschrieben, wer den Runden Tisch eingesetzt hat und wie die Berufung der Mitglieder des Runden Tischs erfolgte.


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Vierter Bericht des Runden Tischs (PDF)
Report fourth meeting German round table (English, PDF)
Bericht von UMNews zur emk.de-Meldung über den Runden Tisch (Englisch)

Informationen
Der »Runde Tisch« für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland war im März vergangenen Jahres vom Kirchenvorstand für die Suche eines Weges zur Bewahrung der Einheit beschlossen worden. Die Mitglieder des Runden Tischs waren auf Bitten des Kirchenvorstands, dafür »Menschen verschiedener Gruppierungen und Richtungen« einzuladen, von Bischof Rückert berufen worden. Endgültige und für die EmK in Deutschland gültige Beschlüsse können erst bei der Zentralkonferenz im November 2020 gefasst werden.
Inhaltlicher Anlass zur Bildung des Runden Tischs sind die strittigen Fragen angesichts unterschiedlicher Grundüberzeugungen zur Homosexualität, zum Umgang mit homosexuellen Menschen, zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare oder zur Ordination von praktizierenden Homosexuellen. Der konkrete Ausgangspunkt waren die zunehmenden Auseinandersetzungen in diesen Fragen, die durch die vorausgegangenen Entscheidungen der außerordentlichen Generalkonferenz aufgekommen waren. Dort waren Beschlüsse gefasst worden, die die restriktiven Passagen in der Ordnung der EmK bestätigten und weitere Verschärfungen hinsichtlich disziplinarischer Maßnahmen hinzufügten.

Fulda gehört zu den Städten, die eine behördliche Genehmigung für »besondere Ampelmännchen« an den Lichtzeichenanlagen der Fußgängerüberwege haben.

Fulda gehört zu den Städten, die eine behördliche Genehmigung für »besondere Ampelmännchen« an den Lichtzeichenanlagen der Fußgängerüberwege haben. Dort ziert eine Figur mit Kreuz und Bischofsstab die Aufforderung zum Stehen und Gehen. Wer die Stadt näher kennt, erahnt dass damit der heilige Bonifatius gemeint sein muss. Der als »Apostel der Deutschen« verehrte Heilige (* um 673, † 754/755) gründete dort ein Kloster, das der am gleichnamigen Fluss gelegenen Stadt eine bis heute nachwirkende Bedeutung bescherte.

Die Mitglieder der vierten Sitzung des Runden Tischs

Die Mitglieder der vierten Sitzung des Runden Tischs (von links nach rechts und unten nach oben):
Reihe 1: Katharina Schiemenz, Bischof Harald Rückert, Pastorin Mareike Bloedt, Carola Michalski
Reihe 2: Pastorin Franziska Demmler, Pastor Dr. Lothar Elsner, Alexandra Brenner, Pastor Stefan Schörk
Reihe 3/4: Pastor Andreas Kraft, Joris Brombach, Andreas Pilz, Stefan Kehr, Superintendent Christhard Rüdiger, Claudia Kittsteiner
Reihe 5/6: Prof. Dr. Stephan von Twardowski, Pastor Andreas Hertig, Pastor Christhard Elle, Pastor Steffen Klug, Superintendent Siegfried Reissing, Olaf Bogdan
Nicht bei der Sitzung anwesend waren: Petra Becker-Löffler, Prof. Dr. Roland Gebauer, Superintendent Stefan Kraft