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Entstehung in England

John u Charles Wesley in Westminster Abbey, London

Die Geschichte des Methodismus beginnt im 18. Jahrhundert in England. John Wesley (1703-1791) suchte zusammen mit seinem Bruder Charles und mit George Whitefield und anderen nach einem verbindlichen Glauben, der im Leben sichtbar wird. Aus diesem unscheinbaren Anfang entstand eine Erweckungsbewegung, aus der die methodistische Kirchenfamilie hervorging.

 

John und Charles Wesley gründen während ihres Studiums an der Universität Oxford zusammen mit anderen Studenten eine kleine Gruppe. Anfangs treffen sie sich unregelmäßig, um gemeinsam in der Bibel zu lesen und über den Glauben zu diskutieren. Dabei wird ihnen klar, dass ihr christlicher Glaube sichtbare Wirkung zeigen soll. Sie nennen das - wie schon andere vor ihnen - ein Leben in der »Heiligung«.
Aus dieser Überzeugung heraus beginnen sie, Armen zu helfen, Kranke und Gefangene zu besuchen und deren Kinder zu unterrichten. Dieses soziale Engagement  wird zu einem wesentlichen Kennzeichen der methodistischen Bewegung.

Konsequente Lebensführung und soziales Engagement

Schon bald war John Wesley der Leiter dieser kleinen Studentengruppe. Von den Mitstudenten werden sie als »Heiliger Club« und »Bibelmotten« verspottet. In noch verletzenderer Weise werden sie »Methodisten« genannt. Mit diesem Schimpfwort (engl. »method« = Methode, Regel, bestimmte Weise) waren in England schon zuvor Christen bezeichnet worden, denen man unterstellte, sich bei Gott mit einer konsequenten Lebensführung oder einem Engagement für andere »etwas verdienen« zu wollen. Die Methodisten nahmen diese angriffige Bezeichnung auf und trugen den Namen daraufhin sogar mit Stolz.
John und sein Bruder Charles Wesley (1707-1788)  hielten den Kontakt zu ihren Studienkollegen über das Ende ihres Studiums hinaus aufrecht. Auch als Pfarrer der Kirche von England (Church of England/Anglikanische Kirche) hielten sie an ihrem Ziel eines Glaubens mit sichtbaren Konsequenzen fest. Dabei knüpften sie an die in England lebendigen Traditionen an, die den richtig gelebten Glauben in einer streng moralischen Lebensführung sahen. John Wesley war auch beeindruckt von den Schriften der mittelalterlichen Mystiker, denen christlicher Glaube vor allem liebende Hingabe an Gott war.

Fasziniert von Herrnhuter Pietisten

Ganz entscheidend für die Entwicklung seines Glaubens war für John Wesley die Begegnung mit deutschen Pietisten aus Herrnhut. Er war fasziniert von deren Glaubensgewissheit. Sie waren so gewiss, dass Gott sie liebt und annimmt. Ihre Vorstellung, als Christ in der Liebe vollkommen werden zu können, war geradezu herausfordernd. Die Herrnhuter nannten das »Heilsgewissheit«  und »christliche Vollkommenheit«.
John war von den Erkenntnissen der Pietisten sehr beeindruckt. Gleichzeitig wurden dadurch bei ihm viele Fragen aufgeworfen. So empfand er sich Gott gegenüber oft als ungenügend. Würde sein unvollkommener, zweifelnder Glaube, sein schwaches Vertrauen je ausreichen? Gäbe es irgendwann einen Moment, eine Art »Bekehrungserlebnis«, ab dem auch er sicher sein könnte, von Gott geliebt zu sein?
Am 24. Mai 1738 machte John bei einer Veranstaltung, in der Martin Luthers Vorrede zum Römerbrief verlesen wurde, eine besondere Erfahrung: »Plötzlich«, so berichtet er, wurde es ihm »seltsam warm ums Herz«. Ab diesem Moment war er sich sicher, dass Gott ihm alle Sünden vergeben hatte und ihn bedingungslos liebt.
Dieses Erlebnis war der einschneidende Wendepunkt in seinem Leben, von dem die weiteren Impulse der methodistischen Bewegung ihren Ausgang nahmen. Schon am nächsten Tag schreibt John in sein Tagebuch: »Wenn du glaubst, warum gibt es dann keine deutliche Veränderung?« Diese Frage war Ausdruck der drängenden Suche, wie der Glaube sichtbar werden kann und soll.

Predigt unter freiem Himmel

John und Charles Wesley, George Whitefield und andere Mitwirkende steuerten die erweckungsartig aufbrechende methodistische Bewegung in geradezu moderner Weise. Statt fertige Konzepte anzubieten, leiteten sie die Menschen flexibel an und entwickelten jeweils auf die Situation bezogene Arbeitsweisen. Sie blieben ihr Leben lang auf der Suche nach der bewegenden und überzeugenden Wahrheit des Glaubens, und sie waren jederzeit bereit, ihren Glauben vorbildlich und verantwortlich zu praktizieren.
George Whitefield (1714-1770) war es, der anfing im Freien zu predigen. Mit der Zeit konnte er auch die Anderen von dieser neuen Art der Predigt überzeugen, denn nur so erreichten sie die unzähligen Armen in den Arbeitersiedlungen der aufkommenden Industrialisierung.
Auch die Predigt durch Laienprediger, Männer und auch Frauen, half bei der Ausbreitung der methodistischen Erweckung. Einfache Leute, die Gottes Ruf spürten, durften ohne Theologiestudium oder Ordination predigen, was in den etablierten Kirchen undenkbar war. John Wesley schulte sie intensiv durch Schriften und viele Gespräche.
Die zahlenmäßig schnell wachsenden methodistischen Gemeinschaften wurden in Kleingruppen, sogenannte »Klassen«, eingeteilt. Diese Kleingruppen trafen sich regelmäßig um sich gegenseitig zu helfen, zu ermahnen und in schwierigen Situationen zu begleiten. Damit verbunden waren ein intensives soziales Engagement und Bildungsprogramme für die Arbeiter.
Laienpredigt und Kleingruppen gefährdeten jedoch auch die noch junge Bewegung durch auseinandertriftende Tendenzen. Dem wirkte John Wesley entgegen, indem er alle Pfarrer und Laienprediger der Bewegung zu »Konferenzen« zusammenrief. Hier wurde die methodistische Lehre diskutiert und alle wesentlichen Entscheidungen für die methodistische Bewegung wurden hier verbindlich geregelt.
Bis heute ist das System des »conferencing« (engl.: sich besprechen) eines der typischen Merkmale des Methodismus (vgl. hierzu auch Apostelgeschichte 15,6). Weltweit gestaltet sich die Vielfalt der methodistischen Gemeinden als lebendige Einheit in gegenseitiger Verantwortung. Tragendes Element hierfür sind die »Konferenzen«, die auf allen Ebenenen (lokal, regional, global) stattfinden und in denen alle Fragen und Entscheidungen besprochen und beschlossen werden.