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17. Tagung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz
Donnerstag, 16. April 2009
Berichte und Bilder vom Tage

Die Vielfalt der Gnade Gottes suchen

Pastor Dietmar Wagner, Foto: Ralf Würtz

Gnade schafft Erleichterung - Bericht von Norbert Rose über das Theologische Referat von Dietmar Wagner

„…wenn du wachsen willst!“

Mit einem kritischen Blick auf erste Berührungen mit dem Thema „Wachstum“ begann und schloss der Referent seine Überlegungen. Die Formulierung „…wenn du wachsen willst!“ ist den meisten bekannt, die in einer methodistischen Sonntagsschule aufgewachsen sind und das Lied „Lies die Bibel, bet’ jeden Tag“ gesungen haben.

Zu einfach und theologisch fragwürdig?

Die Gleichnisse Jesu von der selbstwachsenden Saat wollen zumindest eines zeigen: Gott macht aus „fast nichts“ etwas sehr Großes, ohne dass der Landmann außer der Aussaat etwas dazu tut. Die erlebte Realität als NJK fühlt sich allerdings anders an. Der Blick in die Statistiken belehrt uns jährlich, dass Gott entweder anders wachsen lässt, als wir erwarten oder dass er anderswo wachsen lässt als bei uns.
Sollte es sein, dass die methodistische Kernüberzeugung „Gottes Gnade ist mit jedem Menschen“ ausgerechnet bei uns eine Ausnahme macht? Warum erleben wir diese Gnade nicht oder nur so wenig? Suchen wir zu wenig oder an der falschen Stelle? Hat Gott seine Gnade zurückgezogen?

Gnadenmittel konsequent einüben

Wir wurden erinnert an den wesleyanischen „Katalog“ der Gnade Gottes bzw. der Gnadenmittel, z.B. der sozial-diakonischen Aktivitäten; Besuche bei Kranken, Schwachen und Bedürftigen; Kontemplation; Bibel und Gebet; Gottesdienst und Gemeinschaft; Sakramente, vor allem das Abendmahl. Diese Gnadenmittel seien keine Garantie, aber „Orte höherer Wahrscheinlichkeit“, die Gnade Gottes zu erfahren und sie dort nicht nur anzutesten, sondern konsequent einzuüben. Dazu brauche es Bewegung und die Bereitschaft, auch die Gnadenmittel zu suchen, die bisher möglicherweise ungenutzt sind.

Gnade lässt Gemeinden bunt werden

Es könne passieren, dass die Gemeinden dadurch wesentlich bunter würden, was mehr Lebendigkeit, aber auch mehr Distanz innerhalb der JK schaffen könnte. Hier wäre der „Bund der Ordinierten“ (und der nicht Ordinierten) ein wichtiges Instrument, um ein Auseinanderfallen und einen „gnadenlosen“ Umgang zu vermeiden. Kriterium der Gnade ist, dass sie Erleichterung schafft, Druck mindert und zu einem gnädigen Umgang miteinander führt (führen muss).

Norbert Rose
 

»Was Gott wachsen lässt« - Theologisches Referat von Pastor Dietmar Wagner - (PDF|81 KB)

 

„Wir sind eine reiche Kirche“

Die Aussprache über den Bericht der Superintendenten

„Wir sind eine reiche Kirche, die über ihre Verhältnisse lebt“ erklärte Superintendent Rainer Bath, „und da müssen wir raus!“ Der Bericht der Superintendenten spricht deutlich die fehlenden finanziellen Ressourcen an und mahnt an, zu sparen am hauptamtlichen Personal, an Sachkosten und an Investitionen in neuen Kirchengebäuden. Weiterhin habe der Prozess der Natürlichen Gemeindeentwicklung (NGE) gezeigt, dass in vielen Gemeinden die Qualität der kirchlichen Arbeit gesteigert werden muss.

Neue Wege fangen im Kopf an

Der Bericht der Superintendenten nennt auch Ansatzpunkte für neue Wege und hebt hervor, dass diese im Kopf anfangen. „Wir dürfen uns daran erinnern lassen, dass bei Gott möglich ist, was wir heute noch für unmöglich halten. Stellen wir sie uns doch einfach vor, unsere lebendige, wachsende und zukunftsfähige Kirche.“
In den Blick geraten dann auch die Gemeinden, „die zu alt, zu klein, zu schwach geworden sind, um aufzubrechen.“ Superintendent Uwe Onnen aber betonte, dass auch diese zur Konferenz gehören und dass die Kirche für sie Sorge tragen wolle. „Wie dies geschehen kann, da sind wir auf der Suche“, so Onnen.

Balance halten

Sachliche Debatte über die Finanzierung der kirchlichen Arbeit. Der Vorsitzende der Behörde für Finanzen und Kircheneigentum, Christian Voller-Morgenstern, wies die Konferenz auf die notwendige Balance hin, die im Hinblick auf die finanzielle Situation der NJK angebracht sei. Zum einen bringen die Gemeinden im Jahr drei Millionen Euro auf, um die kirchliche Arbeit zu finanzieren. Weiterhin habe die EmK im Norden keine Schulden. Beides sei kein Grund, in Panik zu verfallen.
Zum anderen aber weist der Haushalt ein Defizit von 600 000 Euro auf, die bisher nur durch Entnahme aus dem Vermögen zu decken waren. Hier habe die Konferenz zu handeln, um auch in Zukunft finanziell stabil zu bleiben, so Voller-Morgenstern.
In der sachlich geführten Debatte wurden die Vorschläge des Arbeitsausschusses für „Alternative Finanzierungswege“ diskutiert und erweitert. Dabei wird erwogen, z.B. Fachausschüsse durch Beauftragte zu ersetzen, bis 2012 keine neuen Pastor und Pastorinnen anzustellen (außer den schon eingeplanten Einstellungen) und die Gehälter der Hauptamtlichen um bis zu 10 Prozent zu reduzieren. Pastor Christhard Elle schlug einen Systemwechsel in der Finanzierung der kirchlichen Arbeit vor. Die Gemeindebezirke sollten für die Gehälter der Hauptamtlichen aufkommen, die für sie arbeiten. Dazu käme eine Abgabe, mit der die übergemeindliche Arbeit finanziert wird.
Beschlüsse wurden noch nicht gefasst, werden aber an den kommenden Tagen der Konferenz erwartet.