Politisches Engagement

»Methodisten sind politisch!«

Was hat das methodistische Erbe mit politischem Engagement zu tun? Eine ganze Menge, sagt Lothar Elsner. Der Leiter des EmK-Bildungswerks zeigt die historischen Wurzeln und aktuelle Aktionen.

Es braucht den Druck der Öffentlichkeit, um wirtschaftlichen und Machtinteressen etwas entgegenzusetzen. Dabei wird deutlich: Gott denkt und handelt politisch. Durch alle Bücher der Bibel hindurch erfahren wir, dass Gott nicht nur den einzelnen Menschen sieht, sondern immer auch das Volk, immer auch die Politik, die Einrichtungen des Staates und des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Urerfahrung des Volkes Israel mit seinem Gott ist die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Auf dieser politischen Befreiung und der darauf begründeten politisch-religiösen Verfassung bauen Altes und Neues Testament auf.

Im Neuen Testament tritt die Politik nur scheinbar zurück, weil sich Jesu Wirken vor allem unter den »kleinen Leuten« am See Genezareth abspielte. Die politische Dimension wird aber von den Geburtsgeschichten an deutlich. Maria singt vom Sturz der Mächtigen und dem Sattwerden der Hungrigen. Nach Tod und Auferstehung wird Jesus als Herr angerufen.

Schon die ersten Christen suchten nach dem richtigen Verhältnis zur politischen Macht. Weil sie »Gott mehr gehorchten als den Menschen«, ließen sich die Jünger nicht den Mund verbieten. Jegliche staatliche Obrigkeit findet ihre Grenze bei Gott. Das heißt aber nicht, dass alle Gesetze und Ordnungen der Gesellschaft aus religiösen Gründen abgeleitet werden sollten und könnten. Die Obrigkeit ist Gottes Dienerin, sagt Paulus. Das heißt, wenn die staatliche Gewalt gegen Gottes Willen handelt und ihre Aufgabe nicht erfüllt, dann ist es unsere Aufgabe, uns einzumischen und die staatlichen Organe an ihre Aufgabe zu erinnern, für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen.

John Wesley engagierte sich politisch

Obwohl John Wesley konservativ und königstreu war, mischte er sich in die Politik ein und nannte die Übel beim Namen. Weil er gerade die armen Menschen liebte, besuchte er sie nicht nur und unterstützte sie, sondern engagierte sich politisch. Angesichts der Lebensmittelknappheit prangerte Wesley den Luxus der Pferdezucht und der Schnapsbrennerei an, die große Mengen an Getreide verbrauchten und damit die Getreide- und Brotpreise in die Höhe und Menschen in die Armut trieben. In der zweiten Hälfte seines Lebens wurde Wesley zu einem glühenden Kämpfer gegen die Sklaverei, die die wirtschaftliche und politische Elite damals für unverzichtbar hielt.

Auch heute ist politisches Engagement nötig! Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem individuelle Menschenrechte, auch Religionsfreiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Verfassung verankert sind. Trotzdem müssen diese immer wieder neu verteidigt und vorangebracht werden.

Um das Jahr 2000 herum haben sich viele Methodisten weltweit für ein »Erlassjahr« eingesetzt. Der Schuldenerlass ermöglicht es verarmten und verschuldeten Ländern, die Gesundheitsversorgung und die Schulbildung zu verbessern. Die weltweite Ächtung von Landminen und die Beschränkung von Waffenexporten sind ein weiteres Thema. Es braucht den Druck der Öffentlichkeit, um den wirtschaftlichen und den Machtinteressen etwas entgegenzusetzen und das Leben gerade von Kindern zu schützen.

Einen wichtigen Beitrag in das politische Engagement bringen Christen auch deshalb ein, weil sie – von der Hoffnung auf Gottes Reich getragen – nicht auf den kurzfristigen Erfolg angewiesen sind. So können wir uns ausdauernd und doch gelassen engagieren.

Volker Kiemle