Forums Sozialdiaonische Ethik: (v.l.) Prof. Dr. Roland Gebauer, Pastor Christian Voller-Morgenstern, Dr. Lothar Elsner, Dr. Wolfgang Summerer, Pastor Christian Meischner, Dr. Simone Pötzsch, Pastorin Franziska Demmler und Prof. Dr. Holger Eschmann

Miteinander im Gespräch beim Fachtag des Forums Sozialdiaonische Ethik: (v.l.) Prof. Dr. Roland Gebauer, Pastor Christian Voller-Morgenstern, Dr. Lothar Elsner, Dr. Wolfgang Summerer, Pastor Christian Meischner, Dr. Simone Pötzsch, Pastorin Franziska Demmler und Prof. Dr. Holger Eschmann

Generalkonferenz

Kompromiss gesucht

Rund 40 Interessierte trafen sich in Halle, um herauszufinden, wie die EmK in der Frage zu homosexuellen Lebensweisen einen gemeinsamen Weg finden kann.

Zu einem besonderen Fachtag hatte am vergangenen Samstag, dem 2. Februar, das Forum Sozialdiakonische Ethik der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) nach Halle (Saale) eingeladen. An diesem Tag ging es den Anwesenden ganz praktisch darum, wie nach der in wenigen Wochen tagenden außerordentlichen Generalkonferenz eine Regelung aussehen kann, um trotz unterschiedlicher Meinungen in Fragen zur homosexuellen Lebensweisen, die Menschen der EmK in Deutschland gemeinsam im Glauben unterwegs sein können. Die bisher geführte Diskussion zum Thema aus unterschiedlichen theologischen oder auch biblischen Sichtweisen bildete bei dieser Tagung nur den Hintergrund, stand aber nicht im Mittelpunkt.

Bei der Ende Februar in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri tagenden Generalkonferenz soll entschieden werden, wie sich die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche künftig in Fragen der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Ordination homosexueller Pastorinnen und Pastoren verhalten soll. Wie diese Entscheidung auch ausfallen wird, es wird für die Menschen in der EmK in Deutschland notwendig sein, einen Konsens darüber zu finden, wie künftig bei diesem strittigen Thema miteinander umgegangen werden soll.

Wilfried Röcker, Leiter des EmK-Bildungswerks, erläuterte die bei der Generalkonferenz vorliegenden drei Entwürfe (Traditionalist Plan, One Church Plan, Connectional Conferences Plan). Diese waren von der vom Bischofsrat eingesetzten Kommission »Ein Weg in die Zukunft« erarbeitet worden und liegen den Delegierten der Generalkonferenz zur Beratung und Beschlussfassung vor.

Zu einer persönlichen Stellungnahme als Vertreter der beiden einander gegenüberstehenden Meinungen waren der an der Theologischen Hochschule in Reutlingen (THR) lehrende Professor für Neues Testament, Roland Gebauer, und der Potsdamer EmK-Pastor Christian Voller-Morgenstern eingeladen worden. Trotz unterschiedlicher Sichtweisen wurde bei beiden deutlich, dass es, egal wie die Entscheidung der Generalkonferenz aussehen wird, keinen Zwang für Pastoren und Pastorinnen geben darf, gegen eigene Überzeugungen und Gewissensentscheidungen zu handeln. Ebenso sollte in der Auseinandersetzung untereinander vermieden werden, sich gegenseitig Intoleranz oder Diskriminierung vorzuwerfen.

Vom Veranstalter des Forums waren neben den beiden Richtungsvertretern noch vier weitere Personen eingeladen worden, die bei einer Podiumsdiskussion als Sachverständige mitwirkten. Der EmK-Pastor Christian Meischner, die Kinderärztin Simone Pötzsch, die EmK-Pastorin und Beauftragte für verschiedene Lebens- und Liebensweisen, Franziska Demmler, sowie Holger Eschmann, der als Professor an der THR praktische Theologie lehrt. Aus ihren ganz unterschiedlichen Arbeits- und Wissensbereichen teilten sie ihre Erfahrungen und persönlichen Sichtweisen mit und gingen auf Fragen aus dem Plenum ein.

Obwohl es für die meisten im Plenum wünschenswert schien, dass die Kirche trotz strittiger Fragen einen gemeinsamen Weg findet, zeigte sich im Gespräch, dass eine zu frühe Festlegung darauf, bestehende Fronten eher verhärtet. Eine zum Ende hin offene Diskussion sei nötig.

Am frühen Nachmittag wurden konkrete Ideen und Anforderungen zusammengetragen, die es ermöglichen sollen, den weiteren Weg auf eine gute Weise miteinander zu beschreiten. Wichtig war vielen, dass es vermehrt Gespräche in den Gemeinden über unterschiedliches Schriftverständnis geben müsse. Dabei sollte jedoch eine Überforderung der Menschen vermieden werden. Ebenso seien weder Zwang noch Sanktionen hilfreich, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Dass solche Gespräche erforderlich sind, stand bei dieser Veranstaltung außer Frage. Mehrmals wurde in diesem Zusammenhang betont, dass homosexuelle Menschen ganz selbstverständlich ebenfalls gehört werden müssten.

Das Resümee dieses Fachtags: Es gibt kein Patentrezept und auch keine Sicherheit für einen gelingenden gemeinsamen Weg. Ganz deutlich war jedoch die Bereitschaft zu spüren, miteinander im Gespräch zu sein und einander zuzuhören. Mit Gottes Beistand sollte das, so die Meinung vieler Anwesender, auch gelingen.

Bildnachweis: Ralf Würtz


Der Autor
Ralf Würtz ist Laienprediger der Evangelisch-methodistischen Kirche aus Berlin und Mitinitiator der »Initiative für mehr Respekt und gegen Diskriminierung in der EmK«. Diese und zwei weitere Initiativen (»Pro VLO« und »Der Weg zu einem verträglichen Miteinander«) leiteten 2014 eine breite Diskussion in der EmK in Deutschland zum Thema Homosexualität ein. Kontakt zum Autor über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Forum Sozialdiakonische Ethik (Veranstalter des Fachtags): emk-sozialforum.de