Die beiden Reutlinger Theologen Achim Härtner (links) und Holger Eschmann erklären das Verhältnis von Frömmigkeit und Theologiestudium aus evangelisch-methodistischer Perspektive.

Die beiden Reutlinger Theologen Achim Härtner (links) und Holger Eschmann erklären das Verhältnis von Frömmigkeit und Theologiestudium aus evangelisch-methodistischer Perspektive.

Neues Buch

Spiritualität und Theologie – passt das zusammen?

Wie verbinden sich theologisches Wissen und geistliche Erfahrung? Aus unterschiedlichen kirchlichen Positionen geht ein neues Buch dieser Frage nach.

Welchen Stellenwert hat die Spiritualität im Rahmen des evangelischen Theologiestudiums? Dieser Frage geht ein soeben erschienenes Buch nach. Darin wird erstmals das Verhältnis von Frömmigkeit und Theologiestudium in evangelischen Kirchen aus landeskirchlicher und freikirchlicher Sicht betrachtet.

Die beiden ersten Beiträge im Buch stammen von den evangelisch-methodistischen Theologen Holger Eschmann und Achim Härtner. Eschmann, Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR), beschreibt mit den Stichwörtern »Weite« und »Verbindlichkeit« die Grundlagen evangelisch-methodistischer Frömmigkeit. Härtner, Inhaber des zweiten Lehrstuhls für Praktische Theologie an der THR, untersucht die Bedeutung gelebter Spiritualität im Rahmen der gegenwärtigen theologischen Ausbildung. Dabei legt er das Leitbild der Reutlinger Hochschule zugrunde, in dem gelebter Glaube, befreites Denken und tätige Liebe einander zugeordnet sind.

Indem die verschiedenen Autoren den Zugang zum Thema und die Prägung der unterschiedlichen evangelischen Kirchen beleuchten, erschließt sich mit den Beiträgen der Veröffentlichung auch ein Stück evangelische Unterschiedlichkeit und Gemeinsamkeit. So untersucht der Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal (Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, BFEG), Volker Spangenberg, das Thema aus Sicht der Baptisten und Brüdergemeinden. Die Perspektive des Bundes der Freien evangelischen Gemeinden (BFeG) wird von Wolfgang E. Heinrichs, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Wuppertal, dargelegt. Weitere Aspekte aus BFeG-Sicht fügen die Theologen Markus Iff, Ingo Scharwächter und Michael Schröder in ihren Beiträgen hinzu. Christoph Barnbrock, Professor für Praktische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel vertritt in seinem Beitrag die Tradition der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und Sabine Hermisson, Assistentin am Institut für Religionspädagogik der Universität Wien, beschreibt die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Idee für diese Veröffentlichung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Sichtweisen und Prägungen landeskirchlicher und freikirchlicher Praxis entstand bei einer gemeinsamen Weiterbildungstagung von Lehrkräften der Theologischen Hochschulen in freikirchlicher Trägerschaft. Dort war das Boom-Thema Spiritualität aufgegriffen worden, das auch darin zum Ausdruck kommt, dass Menschen den Jakobsweg pilgern oder sogenannte Einkehrfreizeiten besuchen. Dieser Trend zur Spiritualität hat über die Kirchen hinaus auch die verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche erfasst. Inwiefern sich die Suche nach Spiritualität auch im Bereich des evangelischen Theologiestudiums abbildet, stellt diese kirchenübergreifende Veröffentlichung dar.

Fotos: Susanne Meister © THR


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Zur Information
Christian Bouillon, Holger Eschmann, Andreas Heiser (Hrsg.), Spiritualität und theologische Ausbildung. Evangelische Perspektiven, Göttingen 2018; 162 Seiten – 19,90 Euro.

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