Ein Buch mit den Unterlagen und den täglich ausgehändigten Verhandlungsergebnissen des Vortags sowie das elektronische Abstimmungsgerät.

Die maßgeblichen Unterlagen bei der Tagung einer Generalkonferenz der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche: Ein Buch mit den Unterlagen und den täglich ausgehändigten Verhandlungsergebnissen des Vortags sowie das elektronische Abstimmungsgerät. Mit letzterem werden auch bei der Generalkonferenz im Mai dieses Jahres die entscheidenden Abstimmungen getätigt. Wenn der Titel der »Vereinbarung – Versöhnung und Gnade durch Trennung« Wirklichkeit wird, könnte das zu erwartende schmerzliche Ergebnis trotzdem ein versöhnliches sein.

Ein Weg zeichnet sich ab

Der Top-Meldungs-Ticker bleibt leer

Die Nachricht »Die Methodisten spalten sich« kam sogar bis in die deutschen Leitmedien. Dass die Nachricht eigentlich eine bessere ist, blieb verborgen.

Vor einer Woche berichteten die »New York Times« und die »Washington Post« groß aufgemacht über die bevorstehende Spaltung der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Über in den Vereinigten Staaten ansässige Korrespondenten deutscher Medien titelten auch die Online-Ausgaben von »Bild« und »Die Zeit« mit ähnlichen Schlagzeilen. Weitere, auch kirchliche Medien folgten der gelegten Spur. Die Bezüge zum deutschen Teil dieser weltweiten Kirche waren kaum im Blick. Dass die eigentliche Nachricht einen ganz anderen Akzent verdiente, war gar nicht im Blick. Darüber zu berichten bräuchte mehr Unterscheidung und tieferen Einblick, was Recherche bedeutet und dann hinderlich ist für Schnelligkeit und Schlagzeilen. Eine Einschätzung der Lage und weitere Informationen zur Situation der Evangelisch-methodistischen Kirche (englischer Name: The United Methodist Church) aus deutscher Sicht.

Mit Respekt voreinander – und friedlich!

Ein Weg zeichne sich ab, schreibt Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der EmK, in einer gestern veröffentlichten Erklärung. Darin gibt er »Erläuterungen und Einschätzungen« zur aktuellen Situation und zu möglichen weiteren Entwicklungen.

Ausgangspunkt dafür ist die vor einer Woche veröffentlichte Erklärung einer international besetzten Mediationsgruppe der weltweiten Kirche. Unter dem Titel »Vereinbarung – Versöhnung und Gnade durch Trennung« legte die aus 16 Personen bestehende Gruppe einen Vorschlag zur versöhnlichen und achtungsvollen Beilegung des jahrzehntelangen Streits über Homosexualität und den Umgang mit praktizierenden Homosexuellen in der Kirche vor. Rückert spricht von »Traurigkeit und Schmerz« angesichts der Tatsache, dass ein Teil der Kirche nur in der Trennung einen Weg in die Zukunft erkennen könne. Diese Realität müsse er anerkennen. Doch auf diesem Hintergrund sei er »dankbar für den mit Hilfe eines Mediators erarbeiteten Vorschlag«, der bei Annahme durch die im Mai tagende Generalkonferenz dazu führen werde, dass die Evangelisch-methodistische Kirche eine weltweite Kirche bleibe. Dann würden in dieser Kirche weiterhin »unterschiedliche Sichtweisen zu verschiedenen Fragen Platz haben«, so Rückert weiter. Möglich würde das durch Streichung »einiger weniger Passagen der bestehenden Kirchenordnung«. Wo dies gewünscht sei, könne das zur Öffnung in den Fragen um Ordination und Segnung homosexueller Menschen führen. Andernorts könne die traditionelle Sichtweise und Praxis bewahrt bleiben, wenn dies in Konferenzen, Gemeinden und deren jeweiligem Umfeld der Überzeugung entspreche.

Konservative Interessengruppen, »die dieser Art von geistlich-theologischer Weite innerhalb der einen, weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche nicht beipflichten wollen oder können«, würden voraussichtlich eine »traditionell ausgerichtete methodistische Kirche« gründen. Möglicherweise bilde sich zusätzlich eine »sehr kleine, ausgesprochen liberal ausgerichtete methodistische Kirche«, erklärt Rückert die aktuelle, stark in Bewegung befindliche Situation. Der von der Mediationsgruppe vorgelegte Lösungsweg wolle in seinem Ansatz eine Trennung beschreiben, die »mit Respekt voreinander und soweit wie möglich friedlich« verlaufen soll. Also: »Friedliche Trennung!« Das aber wäre keine Schlagzeile wert.

Wie entscheiden sich die Konferenzen in Afrika und auf den Philippinen?

Also doch: Wenn auch friedlich, aber doch Trennung oder Spaltung! Der vor knapp drei Jahren gewählte Bischof ist seit seinem Amtsantritt mit dieser kirchenpolitischen Auseinandersetzung konfrontiert. Er wendet den Blick auf eine andere interessante Entwicklung. Die durch die schnelle Einschätzung der US-Medien befeuerte internationale Presse rechnete damit, dass sich die afrikanischen und philippinischen Teile der EmK mit den konservativen US-Konferenzen zusammentun und die Kirche verlassen würden. Für die dann verbleibende Evangelisch-methodistische Kirche würde das einen extremen Aderlass bedeuten.

Rückert interpretiert die Zeichen anders. Von »zahlreichen afrikanischen und philippinischen Bischöfen« habe er Hinweise, »dass sie bei der fortbestehenden Evangelisch-methodistischen Kirche bleiben wollen«. Wenn sie innerhalb der Kirche weiterhin »ihre konservative Sichtweise« beibehalten könnten, »ohne diese von anderen Teilen der Kirche einzufordern«, würde das die Evangelisch-methodistische Kirche in großen Teilen erhalten. Eine Anmerkung fügt Rückert jedoch einschränkend hinzu: »Ob die jeweiligen Generalkonferenzdelegierten diese Sichtweise (ihrer Bischöfe; d. Red.) teilen, bleibt offen.« Die Schlagzeile hätte also lauten können: »Der größte Teil der EmK bleibt zusammen!« Das ist aber für den Top-Meldungs-Ticker nicht geeignet.

Endlich! Die EmK mausert sich zur Weltkirche

Mit der vorgelegten Vereinbarung verbindet sich ein weiteres Novum in der US-lastigen Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche. Der Generalkonferenz wird eine Empfehlung vorliegen, die eine »deutliche Weiterentwicklung der Kirche« mit sich bringen werde, »in der alle Teile – Afrika, Europa, die Philippinen und die USA – gleichermaßen etwas größere Freiheiten und eine größere Verantwortung erhalten sollen«.

Wenn das von den Delegierten beschlossen werde, könnten Ordnungen und Themen dem jeweiligen Kontext angepasst werden. In den verschiedenen Regionen der Welt könnten die Gemeinden vor Ort ihrem Auftrag besser gerecht werden, »Menschen in die Nachfolge Jesu Christi einzuladen, um so die Welt zu verändern«, erklärt Rückert diese Veränderung. Der US-Teil der weltweiten EmK würde dann eine »Regionalkonferenz« bilden, die in ihrer Stellung den außerhalb der Vereinigten Staaten gelegenen Zentralkonferenzen gleichgestellt wäre. Die Schlagzeile könnte lauten: »Endlich! Die EmK mausert sich zu echter Weltkirche«. Aber wen interessiert das schon?

Dialog und Konsensfindung weiterführen

Das Pflänzchen Hoffnung ist zart, und es kann noch viel passieren bis zur Generalkonferenz in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota im Mai dieses Jahres. Bis dahin sei »noch ein gutes Stück Arbeit zu leisten«, schreibt Rückert in seiner Einschätzung der Situation. Schlussendlich hänge es davon ab, ob die Generalkonferenzdelegierten sich für diesen Vorschlag gewinnen ließen. Rückert lädt dazu ein, die aktuelle Entwicklung und die bevorstehenden Entscheidungen im Gebet zu begleiten.

In seiner Einschätzung und in seinem Einsatz ist er sich mit den europäischen Bischofskollegen einig. »Ich werde diese Prozesse von Dialog und Konsensfindung weiterführen in der Hoffnung und im Gebet, die Einheit im Band des Friedens zu bewahren trotz der Option von Trennung, wie sie die Mediations-Vereinbarung eröffnet.« Das hat zwar der für Mittel- und Südeuropa zuständige Bischofskollege Patrick Streiff geschrieben. Aber Rückert stellt sich ganz hinter diese Aussage.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Erläuterungen und Einschätzungen von Bischof Harald Rückert (PDF)
Vereinbarung – Versöhnung und Gnade durch Trennung (PDF)
Häufig gestellte Fragen zur Vereinbarung (PDF)