Süddeutsche Jährliche Konferenz

Markus Jung – neuer Superintendent

Am dritten und letzten Sitzungstag der Süddeutschen Jährlichen Konferenz war nach der morgendlichen Bibelarbeit ein umfangreiches Sitzungsprogramm zu bewältigen. Neben einer intensiven Debatten über Gehaltsfragen, Verabschiedung des Haushaltsplans und differenzierten Ausführungen zur Statistik wurde auch ein offener Brief an die Bundesregierung zum Konflikt in der Ukraine verabschiedet.

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gehören zusammen

In der Bibelarbeit am Vormittag legte Manfred Marquardt, emeritierter Professor für systematische Theologie der Theologischen Hochschule Reutlingen, die Geschichte von Jakob bei der Rückkehr zu seinem Bruder Esau aus. In Bezugnahme zum Konferenzthema »Diakonie« verband Marquardt die Rückkehr Jakobs und seine nächtliche Auseinandersetzung vor der Überquerung des Flusses Jabbok mit den Stichwörtern »Gerechtigkeit und Barmherzigkeit«. »Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind scheinbar schwer zusammenzubringende Pole« sagte Marquardt. Aber gerade an Jakob, der über Jahre und Jahrzehnte hinweg sein Leben sehr zum eigenen Vorteil gestaltete und andere übervorteilte, könne man sehen, wie viel Aufwand Gott treibt, um einen Menschen Barmherzigkeit zu lehren. Jakob musste erkennen, dass er nur mit einer neuen Lebenshaltung und einer neuen Lebensidentität die nächste Lebensstrecke in Angriff nehmen kann. »Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gehören zusammen« betonte Marquardt. Daran müssten besonders diejenigen erinnert werden, »die machtvoll auftreten und die Möglichkeiten haben, das Leben anderer zu beeinflussen.«

Markus Jung zum Superintendenten für den Distrikt Nürnberg berufen

Bischöfin Rosemarie Wenner berief Pastor Markus Jung, Fellbach, zum Superintendenten des Nürnberger Distrikts ab der Jährlichen Konferenz 2015. Im Vorbereitungsjahr wird Jung (49) an Sitzungen des Kabinetts teilnehmen und darüber hinaus weitere Einblicke in die Arbeit seines Vorgängers Wolfgang Rieker bekommen. »Ich wünsche mir eine missionarische Kirche« hatte Jung bei seiner Vorstellung vor der Nominationswahl gesagt. Nach der Berufung durch Bischöfin Wenner bat er darum, ihn »betend, motivierend, konstruktiv und kritisch« zu begleiten. Jung ist Pastor im EmK-Bezirk Fellbach/Cannstatt und war zuvor Referent für missionarische Jugendarbeit im Kinder- und Jugendwerk der EmK.

Unterstützung einer friedensbildenden Konfliktlösung in der Ukraine

In zweiter Lesung verabschiedeten die Konferenzmitglieder einen offenen Brief an die Bundesregierung zum Konflikt in der Ukraine, mit dem sie eine friedensbildende Konfliktlösung in der Ukraine unterstützen. Dieses Schreiben ist von der Sorge getragen, dass hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs in Politik und Medien wieder Stimmen laut werden, die ein »entschlossenes Handeln« gegenüber Russland forderten. Dass von Mitgliedern der Bundesregierung bisher auf eine Verhandlungslösung setzende Schritte unternommen wurden, findet in dem Schreiben Anerkennung. Die Bundesregierung solle diese Schritte der Deeskalation weiterführen und sich nicht von der Logik militärischen Denkens vereinnahmen lassen. Gleichzeitig wird die Bundesregierung aufgefordert, »mit ihren diplomatischen Möglichkeiten dazu beizutragen, dass alle Kampfhandlungen eingestellt werden, die besetzten öffentlichen Gebäude wieder geräumt werden, alle Konfliktparteien in die Verhandlungen einbezogen werden und alle Akteure sich aktiv und kooperativ einem Gesprächsprozess über die künftige Ordnung und Struktur der Ukraine unter der Führung der OSZE beteiligen.«

Weitreichende Gehaltsanpassung beschlossen

Eine vor zwei Jahren bei der Konferenztagung in Baiersbronn (Schwarzwald) eingesetzte Arbeitsgruppe legte den Mitgliedern der Konferenz ein ausführliches Arbeitspapier vor, in dem verschiedene Modelle für eine deutliche Gehaltssteigerung vorgelegt wurden. Zwar trennte sich die Konferenz von der Zielsetzung, eine Gehaltshöhe zu erreichen, die einem Beamtengehalt der Stufe A12/Baden Württemberg entspricht. Trotzdem war eine nachhaltige Einkommensverbesserung für die Hauptamtlichen eindeutige Zielrichtung der Plenumsdiskussion. Mit großer Mehrheit beschloss die Konferenz, eine jährliche Gehaltssteigerung von 2,5% für den Zeitraum von 2015 bis 2018. Für das Jahr 2015 werden die Grundgehälter darüber hinaus einmalig um 5 % erhöht, um eine »deutliche Gehaltserhöhung« zu erreichen. Für die Gemeinden bedeutet dies eine kontinuierliche Erhöhung der Gemeindeumlagen in den entsprechenden Jahren von durchschnittlich 2%. Zusätzlich wurde ein Prüfauftrag beschlossen, ob der von der Kirche für in Ausbildung befindliche Kinder gewährte Kinderzuschlag bis zum vollendeten 27. Lebensjahr gezahlt werden kann.

Bericht der Superintendenten und der Konferenzlaienführerin

Um das Thema »Leitung« ging es im Bericht der Superintendenten, mit dem sie ausdrücklich dazu aufforderten Leitung wahrzunehmen. Leitung solle dazu verhelfen, Entscheidungen treffen zu können. Viele Gremien seien stark im Erwägen, Diskutieren und Beraten. Aus Sicht der Superintendenten komme die tatsächliche Entscheidung aber oft zu spät. Es sei nötig, sich nicht nur über Prozesse und Detailfragen Gedanken zu machen, sonder gezielt zur Entscheidung zu kommen und diese dann auch auszuführen. Wer sich immer seiner Sache sicher sein wolle, werde kaum zu Entscheidungen kommen. Zudem verhindere zu starke Rücksichtnahme dringend notwendige Leitungsentscheidungen. In der Aussprache wird bestätigt, dass dieses Thema für die Weiterentwicklung der Gemeindearbeit wichtig ist und in der Fortbildung von Pastoren und Ehrenamtlichen zukünftig vermehrt Angebote gemacht werden sollen, die das Thema Leitung reflektieren und der Aneignung von Leitungstechniken dienen.
In ihrem letzten Bericht als Konferenzlaienführerin lenkte Ulrike Brodbeck in ermutigender Weise den Blick auf das Bewusstsein der gemeinsamen Berufung, die sich »in einem liebevollen Miteinander und in Wertschätzung ausdrückt«. Wo das geschieht könne die Chance zum Aufbruch ergriffen werden anstatt an dem festzuhalten, »was schon immer so war«. Am Schluss ihrer Ausführungen wünscht sie »Offenheit und Beweglichkeit, die neue Arbeitsfelder und Herausforderungen entdeckt und annimmt«, weil das für Aufbruch und Bewegung in der Kirche nötig sei.

Klaus Ulrich Ruof