Die Frage nach Gott sei eine Kernfrage der Theologie, meint Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Die Frage nach Gott sei eine Kernfrage der Theologie, meint Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Kernfrage der Theologie

Glauben Christen und Muslime an denselben Gott?

»Ja, aber …«, war die Antwort von Bischof Martin Hein während des Reutlinger Studium Generale. Ein Vortrag an der THR bietet Gesprächsstoff.

Im Rahmen des Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen war Martin Hein am 4. Juli zu einem Vortrag in der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zu Gast. Es ging um das Thema »Glauben wir an denselben Gott? – Zur Gottesvorstellung in Christentum und Islam«. Auf die Frage, ob Muslime und Christen und auch Juden an denselben Gott glauben, antwortete der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mit: »Ja, aber«. Die Frage nach Gott sei eine Kernfrage der Theologie, so der Bischof. Da die Beantwortung der Frage zur gesellschaftlichen Befriedung beitragen kann, sei sie aber auch eine höchst politische Frage. »Ja«, meinte Bischof Hein, »wir glauben an denselben Gott. Wir beten zu demselben Gott. Aber wir tun es auf verschiedene und – was Christen und Muslime angeht – auf sich gegenseitig ausschließende Weise.«

Der Glaube als verbindendes Element

Hein hob zunächst die bedeutende Rolle der Theologie hervor, die für eine gesellschaftliche Debatte über Religion unverzichtbar sei. In monotheistischen Religionen könnte der Frage nach Gott über abstrakte philosophische Betrachtungen nachgegangen werden. Hein jedoch ging ganz im Sinne des christlichen Glaubens von religiöser Erfahrung aus, die sich vor allem im Gebet zeige und sich in Bekenntnissen ausbilde. Der mit dem Schwerpunkt Kirchengeschichte habilitierte evangelische Theologe wies auf das Verständnis der Theologen in der Reformationszeit im 16. Jahrhundert hin. Diese hätten zwar einen Wettstreit zwischen Koran und Bibel gesehen, der Monotheismus – der Glaube an den einen Gott – habe dabei aber als verbindendes Element zwischen den Religionen gegolten. Somit sei die Frage, ob Christen und Muslime an denselben Gott glauben, aus christlicher Sicht eine relativ junge Frage.

Zurückhaltung beim Beten

Die mit dem »Aber« angedeutete Grenze der Gemeinsamkeit sieht Bischof Hein beim gemeinsamen Beten. Da pflege er Zurückhaltung. Interreligiöses Beten markiere eine Grenze, die nur in Ausnahmefällen überschritten werden solle, wenn es etwa um die Bewältigung gemeinsam erlittener Katastrophen gehe. Eine Brücke könne die »Anrufung Gottes als des Barmherzigen« sein, jedoch dürfe die eigene Identität dabei nicht aufgegeben werden.

Mitverantwortung zum gesellschaftlichen Frieden

Auch am Ende des Vortrags forderte Hein die Religionen nachdrücklich dazu auf, Theologie zu treiben. Der christliche Gottesbegriff könne gerade durch die anspruchsvolle Vorstellung der dynamischen Dreieinigkeit den Raum für das interreligiöse Gespräch bereiten. Theologie sei der Unterscheidung und der Offenheit in der Auslegung der heiligen Texte verpflichtet und zur öffentlichen Rechenschaft aufgefordert. Deshalb trage sie auch eine Mitverantwortung zur gesellschaftlichen Befriedung.

Kompliment mit Aufforderungscharakter

Hein, der seit dem Jahr 2000 Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist und 2005 zum Honorarprofessor der Universität Kassel ernannt wurde, ließ im Umfeld der Veranstaltung erkennen, wie sehr er den Methodismus kennt und versteht. So betrachtet er die Evangelisch-methodistische Kirche in erster Linie nicht als eine Freikirche, sondern als eine Weltkirche. Aus dieser Weltsicht könne die EmK lokale Aufgaben in globalem Zusammenhang sehen und sei ökumenisch auf Weltebene höchst wirksam. – Ein kerniger und anregender theologischer Vortrag und eine höchst erfreuliche Begegnung!

Bildnachweis: Susanne Meister, THR


Der Autor
Professor Christof Voigt lehrt Philosophie und Biblische Sprachen an der Theologischen Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Zur Information
Das Studium Generale ist eine Veranstaltungsreihe der Reutlinger Hochschulen, zu denen die Theologische Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche, die Hochschule Reutlingen und die Evangelische Hochschule Ludwigsburg mit ihrem Reutlinger Campus gehören. Die Hörerschaft des öffentlichen Angebots setzt sich aus dem akademischen und dem kirchlichen Umfeld und der Reutlinger Öffentlichkeit zusammen. Der letzte Vortrag im Rahmen des Sommersemesters 2018 fand am 4. Juli statt. Informationen über ähnliche Veranstaltungen: www.th-reutlingen.de