Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche

Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche

Biblischer Impuls

Hausverbot erteilen

Was den Aufbruch behindert, sollte einen Platzverweis bekommen. Bischof Harald Rückert nennt Hindernisse beim Namen.

»Es gibt ermutigendere Bibeltexte, mit denen ich Menschen zum ›Aufbrechen‹ einladen könnte.« So war mein erster Gedanke für die Auslegung eines Bibeltextes im Rahmen der Tagung der Süddeutschen Jährlichen Konferenz. Ich sollte eine Andacht darüber halten, wie Jesus die Händler aus dem Tempel verweist. Lukas berichtet davon in seinem Evangelium in Kapitel 19 (Verse 45 bis 48).

Undiskutierbar

So kennen wir Jesus nicht. Anders gesagt: Dieses Verhalten von Jesus passt so gar nicht ins Bild, das wir uns gern von ihm machen. Jesus ist doch der, der alle einlädt. Er heißt Menschen doch willkommen und lädt sie ein, ihm nachzufolgen. Jesus selbst fordert doch zu friedfertigem Verhalten auf, und anlässlich seines Todes zerreißt der trennende Vorhang im Tempel, so dass der unmittelbare Zugang zu Gott frei ist. Die Auseinandersetzung mit den Händlern im Tempel will da nicht so recht ins Bild passen. Hier tritt Jesus unmissverständlich und hart auf. Er markiert eine Grenze, über die nicht mehr diskutiert werden kann. Am Gotteshaus erteilt er Hausverbot; aber Achtung: nicht für Menschen, die kommen wollen; sondern für menschliche Haltungen, die andere daran hindern, zu Gott zu kommen.

Hinderliches muss weichen

Mit »aufbrechen« hatte sich die Süddeutsche Konferenz für ihre Tagung selbst ein Thema verordnet, um zu entdecken, wie Aufbruch gefördert werden kann. Anders herum gesagt: Die Mitglieder der Konferenz wollten auch entdecken, wo Aufbruch behindert wird. Da war sie – die Verbindung zum Handeln Jesu! Das Hinderliche muss des Platzes verwiesen werden. Deshalb erteilt Jesus »Hausverbot«.

Wenn wir uns auf die Suche nach hinderlichen Verhaltensweisen begeben, dann finden wir bei aufrichtigem Nachdenken manches, dem Hausverbot zu erteilen ist: Haltungen, die den Frieden gefährden, die Menschen klein machen und den Zugang zu Gott blockieren.

Wer macht mit?

Wenn ich könnte, würde ich als Bischof gerne ein Hausverbot in allen EmK-Gemeinden in Deutschland erlassen für Schwarzseherei und ständiges Unken, für Kleinglauben und Pessimismus, für Unversöhnlichkeit und Rechthaberei. Ich würde der Sturheit und dem Starrsinn die Tür weisen, der Eigensucht und Selbstprofilierung auf Kosten anderer und allen – nicht erst seit Donald Trump – wieder hoffähig gewordenen Formen des »Ich zuerst«. Auch dem Hintenherum-Reden und dem Strippen-Ziehen-im-Verborgenen würde ich gerne einen eindeutigen Platzverweis erteilen. Nur: Ich kann dieses »Hausverbot« nicht erteilen. Aber vielleicht ist es doch möglich, wenn viele mitmachen. – Vielleicht? – Bestimmt! Dann geschieht Aufbruch.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 15/2018 vom 22. Juli 2018 entnommen.


Der Autor
Harald Rückert ist Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt: bischofsbuero(at)emk.de.