Das Konopenter-Team in Sierra Leone (v. li.): Hans-Jochen Layer (Gewerbeschullehrer), Kena Bangalie (Fahrer), Markus Dittes (selbstständiger Zimmermann), Lucas Vierkötter (Auszubildender im Schreinerhandwerk), Max Lux (Azubi Schreiner), Silas Layer (selbstständiger Werbetechniker), Dennis Bangalie (Projektkoordinator), Marcel Knapp und Silas Maier (Auszubildende im Schreinerhandwerk)

Das Konopenter-Team in Sierra Leone (v. li.): Hans-Jochen Layer (Gewerbeschullehrer), Kena Bangalie (Fahrer), Markus Dittes (selbstständiger Zimmermann), Lucas Vierkötter (Auszubildender im Schreinerhandwerk), Max Lux (Azubi Schreiner), Silas Layer (selbstständiger Werbetechniker), Dennis Bangalie (Projektkoordinator), Marcel Knapp und Silas Maier (Auszubildende im Schreinerhandwerk)

Mission praktisch

Maschinen zum Überleben

Bürokratie, Improvisation und ungewöhnliche Maßnahmen sind ständige Begleiter »in der Mission«. Mit Geduld und Einsatz wird das Ziel erreicht.

Mitte Juni ist das siebenköpfige Workteam um Hans-Jochen Layer gesund und wohlbehalten aus Sierra Leone zurückgekehrt. Dort haben drei Fachkräfte zusammen mit vier Auszubildenden im Schreinerhandwerk der Gewerblichen Schule Waiblingen in drei spannenden und arbeitsreichen Wochen am Aufbau des Schreinereiausbildungszentrums »Konopenter« mitgewirkt.

Unterstützung aus Italien und Deutschland

Sierra Leone in Westafrika musste 2002 nach zehnjährigem Bürgerkrieg wieder »bei Null« anfangen und war jüngst von einer schlimmen zweijährigen Ebola-Krise heimgesucht worden. Trotz des Reichtums an Bodenschätzen führen viele Menschen Tag für Tag einen Überlebenskampf. Ende 2016 wurde deshalb in einer Kooperation der Weltmission der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland mit der Gewerblichen Schule Waiblingen und der EmK in Sierra Leone das Schreinerei-Projekt »Konopenter« ins Leben gerufen. Seither wurden Pläne gemacht, Maschinen, Werkzeuge und Geld besorgt, Anträge geschrieben, viele Gespräche geführt und viel vorbereitet. Mit Unterstützung der Union der Waldensischen und Methodistischen Kirchen in Italien aus Zuwendungen der »Otto per mille« (»Acht Promille«) genannten Sozialabgabe war in Sierra Leone bereits mit dem Bau einer Umfassungsmauer und des Maschinenhauses begonnen worden. Währenddessen wurde in Deutschland ein Container mit gesammelten Maschinen und Werkzeugen sowie Material für die Elektro-Installation gefüllt und Ende März auf den Weg gebracht.

Bürokratie und Improvisation

Mitte Mai brach das bunt gemischte Workteam nach Sierra Leone auf und hatte folgende Aufgaben vor sich: die Elektro-Installation des Maschinenhauses, Aufstellung und Inbetriebnahme der Holzbearbeitungsmaschinen sowie ein erstes Training der künftigen Ausbilder an den Maschinen. Leider war das Maschinenhaus noch im Rohbau und der Container vom Zoll noch nicht freigegeben. So war zuerst Mitarbeit bei der Fertigstellung des Maschinenhauses angesagt. Wir konnten so miterleben, wie mit einfachsten Werkzeugen, viel Fleiß und harter Arbeit in kürzester Zeit ein Gebäude in guter Qualität entstand. Am Ende der ersten Woche kam nach langen bürokratischen Kämpfen auch der Container an. Sein Inhalt war tatsächlich vollständig und unbeschädigt. Das Entladen der »Box« vom Lkw aus, ohne hierzulande gewohntes Hebezeug brauchte zum Teil abenteuerliche Vorgänge mit viel Improvisation und Gebet. Alles gelang aber dann doch ohne große Verletzungen von Menschen und nennenswerte Verluste am Material.

In guten Händen

In der zweiten Woche konnte endlich die eigentliche Aufgabe in Angriff genommen werden. Eng verzahnt mit den Bauarbeiten am Gebäude wurde die Elektro-Installation durchgeführt, und die schweren Maschinen aufgestellt, zusammengebaut und startklar gemacht. Spannend gestaltete sich der elektrische Anschluss ans öffentliche Stromnetz. Nachdem auch das geschafft war, konnte die Installation ausführlich getestet werden und wurde schlussendlich mit einem guten Gefühl den Verantwortlichen zur Nutzung übergeben. Bei einem ersten Training an den Maschinen war zu spüren, wie groß das Interesse und die Motivation zum Lernen ist! Das äußerst sinnvolle Projekt braucht weiterhin viel Unterstützung. Für kommenden August ist bereits ein nächster, einwöchiger Einsatz eines Zweier-Teams für ein Intensiv-Training der zukünftigen Ausbilder geplant. Mit Dennis Bangalie, dem Projektkoordinator vor Ort, und Terry Daoda, dem zukünftigen Werkstatt-Chef, wissen wir die weitere Entwicklung von »Konopenter« in guten Händen. Nach unserem Eindruck erreichen die gespendeten Gelder ihr Ziel und werden umsichtig und mit äußerster Sparsamkeit eingesetzt.

Hoffnung auf bessere Zukunft

Freude und Dankbarkeit über die Unterstützung aus Deutschland, die gespendeten Maschinen und Werkzeuge, die elektrische Energie in den Werkstätten, die Perspektive auf eine gute Ausbildung, die damit verbundene Hoffnung auf eine verbesserte Zukunft vieler Menschen waren riesengroß. Im September soll der erste Ausbildungskurs starten. Das Interesse an diesem Projekt und einem Ausbildungsplatz ist enorm. Die Menschen in Sierra Leone wissen, wie wertvoll neben einer allgemeinen Schulbildung, das Erlernen eines praktischen Berufs ist. Dabei geht es schlicht ums Überleben.

Unvergessliche Eindrücke

Wir selbst wurden in dieser Zeit reich beschenkt. Neben den unvergesslichen Eindrücken in einer völlig anderen Welt und den vielen bereichernden Begegnungen mit den einheimischen Menschen haben wir einen neuen Blick auf unsere eigene Lebenssituation und Wohlstandsgesellschaft bekommen.

Bildnachweis: Hans-Jochen Layer


Der Autor
Hans-Jochen Layer ist Lehrer an der Gewerbeschule Waiblingen und gehört der EmK-Gemeinde in Winnenden an. Kontakt: hjlayer(at)arcor.de