Alfred Mignon

Portrait Alfred Mignon

Am Tag drei nach dem großen Ereignis sitzt Alfred Mignon entspannt auf einer Holzbank und genießt die Sonne.

»Das zum Beispiel ist für mich Glück«, sagt der Pastor und lacht. Er hat gerade 125.000 Euro gewonnen und davon mehr als 110.000 Euro gleich wieder an einen guten Freund verschenkt, der in der Klemme steckt. Seither reißen sich die Medien um den 61-Jährigen.

Es ist gar nicht so leicht, an diesem Montagmorgen mit Alfred Mignon ein ungestörtes Gespräch zu führen. »Ich nehm mal inzwischen das Telefon«, sagt seine Frau Eva-Maria. Seit der 61-jährige Pastor in der am Freitag zuvor ausgestrahlten Sendung »Wer wird Millionär« 125.000 Euro gewonnen und mehr als 110.000 Euro gleich wieder verschenkt hat, reißen sich die Zeitungs- und Fernsehredaktionen um ihn. Die Bild-Zeitung setzte die Geschichte sogar auf die Titelseite der Samstagsausgabe, die Einladung zur Talkshow »Markus Lanz« kam noch am selben Abend. Fotografen und Reporter geben sich die Klinke in die Hand. Ein Journalist kam sogar in den Sonntagmorgengottesdienst, um den Pastor zu interviewen.

Doch das bringt Alfred Mignon nicht aus der Ruhe. Er sitzt auf der Holzbank vor dem Haus in Otterfing, genießt die Sonne und lässt die Ereignisse Revue passieren. Ja, mit dem Medieninteresse hat er gerechnet – nicht zuletzt der Fernsehsender selbst habe ja ein Interesse daran, möglichst oft genannt zu werden. Und nicht jeden Tag verschenkt einer seinen Gewinn – auch wenn Mignon betont, dass er nicht der Erste ist, der das macht. »Aber dass die Bild-Zeitung die Geschichte auf die Titelseite gehoben hat, das hat mich erschüttert«. Offensichtlich sei es so etwas Exotisches, dass jemand seinen Besitz teilt. »Dabei ist das für Christen doch selbstverständlich!«

Ist es eben nicht. Für seine Großzügigkeit musste sich Mignon sogar Schmähungen anhören: Er sei wohl nicht ganz richtig im Kopf, schrieb einer per Mail. Darüber kann der Pastor nur den Kopf schütteln, beirren lässt er sich nicht. Er ist schon immer seinen eigenen Weg gegangen. Dabei sei er auch gescheitert, erzählt Mignon. Aber immer wieder sei er in seinem Handeln ermutigt worden – nicht zuletzt in seiner Berufung zum Dienst als Pastor.

Ermutigt haben ihn in den vergangenen Tagen auch hunderte von E-Mail-Schreibern und Telefonanrufern. Auf der Internet-Plattform »Facebook« gibt es begeisterte Kommentare, beim Kurznachrichtendienst »Twitter« stand Mignon kurzzeitig ganz oben. Auf der Straße wird der Pastor angesprochen, sogar mit korrektem Titel: »Bei einem Spaziergang am Tegernsee rief ein Passant: ›Das ist doch der Pastor von der Evangelisch-methodistischen Kirche‹«, erzählt Mignon und lacht. »Und das im tiefsten Oberbayern, wo Evangelische sehr selten sind.«

»In Gottes Schoß«

In den  Ereignissen der vergangenen Tage sieht Mignon klar Gottes Hand am Werk: »Ich habe mich bei dem Sender beworben, weil ich einen klaren Auftrag hatte: Ein guter Freund steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Und wir haben keinen anderen Weg gesehen, um an eine so große Summe zu kommen.« Die Chance, in die Endrunde zu kommen, sei extrem gering – umso klarer sei für ihn gewesen, dass Gott ihn dort haben will Er habe sich während der Sendung in »Gottes Schoß« gefühlt. »Gott – wenn Du willst, dass der Familie geholfen wird, dann hilf mir jetzt!«, habe er vor der Sendung gebetet.

Beworben hat er sich schon oft, und zweimal schon war Mignon in die Vorauswahl gekommen. In die Sendung selbst hat er es noch nicht geschafft. »Aber ich hatte immer vor, den größten Teil des Gewinns zu verschenken.« Deswegen hat Mignon jetzt auch kein Problem damit, den Gewinn wegzugeben. »Ich habe keine Beziehung zu dem Geld aufgebaut – das ist total abstrakt.« Dabei zeigt er eine Postkarte, auf der steht: »Reichtum sollte nur einen Zweck haben: Armut abzuschaffen.« Dieses Zitat von Julius Nyerere, dem ersten Präsidenten von Tansania, habe ihn geleitet. Und natürlich der Satz John Wesleys: »Erwirb, soviel du kannst. Spare, so viel du kannst. Gib, so viel du kannst.«

Das Telefon klingelt. Eine Reporterin will noch unbedingt vorbeikommen. Mignon seufzt. Aber nur ein bisschen. Schließlich genießt er den Rummel auch. Vor allem, weil damit die Kirche positiv ins Gespräch kommt.

Volker Kiemle