Lebendiger Vortragsredner mit herausforderndem Thema: Prof. Dr. Michael Wörz beim Vortrag über Künstliche Intelligenz.

Lebendiger Vortragsredner mit herausforderndem Thema: Prof. Dr. Michael Wörz beim Vortrag über Künstliche Intelligenz.

Künstliche Intelligenz

Übernehmen Roboter die Seelsorge?

Im Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen wurde diese Frage gestellt. Sie blieb offen – und doch werde es dazu kommen.

Michael Wörz, Professor, Diplom-Ingenieur und Philosoph sowie Referent für Wissenschaftsethik an den Hochschulen Baden-Württembergs hielt den Eröffnungsvortrag beim Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen. Ein ganzes Jahr lang wird dabei an mehreren Abenden das Thema »Künstliche Intelligenz« von der technischen Seite wie autonomes Fahren und medizinische Diagnostik, aber auch von den anthropologischen Folgen und den ethischen Gefährdungen her thematisiert werden. Bei der Eröffnung blieb die Frage nach den Robotern und der Seelsorge offen. Aber die gefühlte Antwort war: Auf gar keinen Fall – und dennoch wird es bald so kommen!

Das Denken muss sich auf neue Gegebenheiten einstellen

Wörz hob in seinem einleitenden Vortrag darauf ab, dass mit den Kategorien von Aufklärung und Moderne die extrem schnelle Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und die Folgen nicht mehr zu fassen seien. Das Denken müsse sich also auf völlig neue Gegebenheiten einstellen. Künstliche Intelligenz ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen so programmiert sind, dass sie selber lernen und sich selbst fortlaufend verbessern. Die Entwicklung schreitet schnell und dynamisch voran: Inzwischen führen Computer nicht nur Steuerprüfungen durch und helfen bei der medizinischen Diagnostik, sondern verfassen Zeitungsartikel, schreiben Gedichte, komponieren und malen. Kein Bereich der Arbeitswelt werde von den Folgen dieser Entwicklung ausgenommen sein. Vielleicht die Bereiche, die mit Empathie, Emotionalität oder Intimität zu tun haben, wie beispielsweise die Seelsorge? Man könne sich nicht einmal in dieser Frage mehr sicher sein. Wie der Fortschritt zu steuern sei – wenn er überhaupt steuerbar ist –, diese Frage blieb am Ende offen. Es dürfte schon jetzt Lebensbereiche geben, in denen nicht der Mensch die Maschine steuere, sondern der Mensch von der Maschine gesteuert werde.

Theologie ist herausgefordert

Dem Referenten war daran gelegen, immer wieder die Theologie in die Diskussion einzubeziehen: Werde die Künstliche Intelligenz das »theologisch Höchste« überflüssig machen oder ersetzen? Wie seien die Bereiche von Zwischenmenschlichkeit, Empathie und Liebe zu bewahren? Was seien Sinn-Entwürfe für den Menschen? Hier lägen eine Fülle von Aufgaben, die die Theologie im Kern beträfen. Wörz mahnte die Theologie, sich jetzt um Antworten auf diese Fragen zu bemühen, sonst werde es für sie bald zu spät sein, genauso wie für das Projekt der Moderne, die Demokratie.

Bildnachweis: THR


Der Autor
Professor Christof Voigt lehrt Philosophie und Biblische Sprachen an der Theologischen Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

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