Damit es in Zukunft keine alten Eier mehr gibt, »sagt« einem der Kühlschrank, welches Ei als nächstes »dran« ist.

Damit es in Zukunft keine alten Eier mehr gibt, »sagt« einem der Kühlschrank, welches Ei als nächstes »dran« ist.

Theologische Hochschule

Welches Ei soll ins Omelette?

Mit dem »Internet der Dinge« und der »Theologie des Alterns« befassten sich zwei Veranstaltungen der Theologischen Hochschule Reutlingen.

Anfang November fanden in der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) zwei öffentliche Veranstaltungen statt, die auf reges Publikumsinteresse stießen. In beiden Veranstaltungen ging es um die Zukunft. In der einen um die Zukunft, in der die Menschen immer älter werden und wie sich die Kirche dieser Realität stellt. Die andere Veranstaltung widmete sich ganz der technischen Seite der Zukunft: dem Internet der Dinge.

Reges Interesse für ein drängendes Thema

Das deutschsprachige Europa gehört zu den Teilen der Welt mit der ältesten Bevölkerung. Die Zahl der Älteren, Alten und Hochaltrigen steigt stetig an und stellt das Miteinander der Generationen vor immense Herausforderungen. Hier sind Kirche und Theologie gefordert, neue Perspektiven für eine alternde Gesellschaft zu entwickeln. Das setzt die Bereitschaft voraus, diese Thematik als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. Die Theologische Hochschule Reutlingen (THR) bot mit einem Studientag am 5. November erstmals ein Forum an, sich zu diesem Thema zu informieren und zu diskutieren. Dabei ging es um Perspektiven, die zu diesem Thema aus der Religion im Allgemeinen, der Religions-Gerontologie, und aus dem christlichen Glauben, der Geronto-Theologie, aufgezeigt werden können. Wie die vollbesetzte Aula der THR zeigte, stieß das Thema auf reges Interesse unter Studenten, interessierten Laien und Hauptamtlichen aus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) und aus der Ökumene.

Alternd glauben – glaubend altern

Im Vormittagsprogramm stellte Jörg Barthel, Professor für Altes Testament, in seiner Bibelarbeit die Segnungen und Lasten des Alterns vor und schloss mit dem Ausblick auf das Neue Testament und die Neuwerdung des alten und jungen Menschen in Jesus Christus. Für das Hauptreferat mit dem Titel »Alternd glauben – glaubend altern. Grundlagen und Perspektiven einer Theologie des Alterns« wurde Ralph Kunz gewonnen. Er ist Professor an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Zürich. Der Referent berichtete aus seiner Lehrtätigkeit und aus der persönlichen Erfahrung von verschiedenen Aspekten des Glaubens im Alter. Im Nachmittagsprogramm wurden fünf Workshops zu verschiedenen Aspekten des Alterns angeboten, zu denen Referenten aus der EmK und der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg/Reutlingen gewonnen werden konnten.

Das Internet der Dinge

Per Tastendruck am Smartphone den Toaster so in Gang setzen, dass das Röstbrot exakt zum geplanten Zeitpunkt und mit der gewünschten Knusprigkeit auf den Frühstücksteller kommt, und dazu den Kaffeeautomaten anweisen, zum Toast eine Tasse schmackhaften Kaffees bereitzustellen – alles kein Problem für das Internet der Dinge. Dieses macht herkömmliche Produkte wie den Toaster oder die Kaffeemaschine smart, indem es sie mit Konnektivität – vor allem zum Smartphone – ausstattet. In einem munteren und kurzweiligen Vortrag in der THR am 7. November im Rahmen des Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen stellte die Referentin Ainara Novales solche und weitere Produkte vor. Sie forscht als Doktorandin an der Hochschule Reutlingen und der Rotterdam School of Management. Ihr Ausgangspunkt war die ökonomische Seite des Fortschritts, nicht die technische. Als Ökonomin interessierte sie sich in ihrem Vortrag mehr für die Produzenten als für die Verbraucher.

Wenn der Kühlschrank meldet, welches Ei ins Omelette soll

Wo habe ich mein Auto abgestellt? Mein Smartphone kennt den aktuellen Standort. Es weiß auch, wie sparsam ich derzeit unterwegs bin. Wie steht es um mein Körpergewicht, meinen Puls, meine Atmung? Das Smartphone gibt Antwort. Sogar die Eierschachtel im Kühlschrank meldet dem Smartphone, welches Ei als erstes, weil am nächsten am Verfallsdatum, ins Omelette gehört – das wurde den Anwesenden per Liveübertragung eindrucksvoll vorgeführt – leider ohne Omelette. Nicht überraschend, aber eben doch sehr interessant ist, dass die Hersteller eine Hauptaufgabe darin sehen, für diese smarten Produkte überhaupt erst bedeutsame Nutzanwendungen für den Verbraucher zu suchen. Mal sehen, ob dann eher die Nachfrage den Markt bestimmen wird oder die Angebotsseite.

Einfach ausprobieren

Die anschließende ebenso lebendige Diskussion brachte Fragen nach den ökonomischen Chancen und Risiken für die beherrschenden Weltmarktführer und die kleinen Nischenunternehmungen auf. Sehr konkret waren dann die Fragen nach dem erhöhten Energiebedarf, nach gesundheitlichen Risiken durch vermehrte Strahlung und nach der Datensicherheit. Die Referentin antwortete im Großen und Ganzen mit einem fröhlichen Zukunftsoptimismus: »Wir sind die Generation, die das jetzt ‘mal probiert«.

Bildnachweis: Susanne Meister, THR-Öffentlichkeitsarbeit 


Die Autoren
Susanne Meister ist Studentin der Theologie an der Theologischen Hochschule Reutlingen der Evangelisch-methodistischen Kirche und dort zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Christof Voigt lehrt als Professor an der THR Philosophie und Biblische Sprachen. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Manuskript des Vortrags von Ralph Kunz

Zur Information
Die Theologische Hochschule Reutlingen (THR) ist als Einrichtung der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz die international ausgerichtete Studienstätte des deutschsprachigen Methodismus. Sie ist eine staatlich anerkannte Hochschule und verleiht die international anerkannten Studienabschlüsse Bachelor of Arts (B.A.) und Master of Arts (M.A.) in Theologie.
www.th-reutlingen.de