David N. Field wuchs in Südafrika auf und lehrte Systematische Theologie in Südafrika und Simbabwe.

David N. Field wuchs in Südafrika auf und lehrte Systematische Theologie in Südafrika und Simbabwe. Heute lebt er in Basel. Sein Buch »Zu lieben sind wir da« bietet Ansatzpunkte zum Umgang mit Konflikten, die ohne die übliche Sieg-Niederlage-Strategie auskommen.

Wie Einheit zu erringen ist

»Wir brauchen eine neue Vision des Lebens«

»Es ist eine Schlüsselfrage, wie wir mit theologischen und ethischen Konflikten umgehen«, sagt David Field. Das gelte für alle strittigen Themen.

Seit gut zwei Jahren ist die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) weltweit in einem intensiven Gesprächs- und Gebetsprozess, um eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität zu finden. Die aktuelle Ausgabe des EmK-Magazins »Unterwegs« beschäftigt sich ausführlich mit diesem weltweit angelegten Prozess. Der leitende Unterwegs-Redakteur führte mit dem Buchautor David N. Field ein Interview unter dem Blickwinkel, wie man Menschen lieben kann, mit denen man in grundsätzlichen Fragen nicht übereinstimmt. Field war Mitglieder der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« und erlebte, wie der Glaube eine Brücke ist, die trägt.


»unterwegs«: Die Idee zu Ihrem Buch »Zu lieben sind wir da« entstand während der Mitarbeit in der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«. Wie haben Sie die Arbeit in der Kommission erlebt?

David N. Field: Als ich erstmals die Namen der Mitglieder der Kommission gelesen hatte, dachte ich, dass eine Gruppe mit so unterschiedlichen Idealen niemals zusammenarbeiten könnte. Dennoch sind starke Beziehungen gewachsen. Das half uns, ehrlich zu diskutieren, die eigenen Erfahrungen auszutauschen und uns gegenseitig zu respektieren. Unser Glaube brachte uns zusammen, obwohl wir unterschiedliche Meinungen über Homosexualität hatten.

Warum ist in der Debatte um Homosexualität das von Ihnen geschriebene Buch wichtig?

Die Aufgabe der Kommission war, eine Struktur der Kirche zu entwerfen, in der Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenleben und glauben können. Wir brauchen eine neue Vision des Lebens und der Mission der Kirche. Die Geschichte der EmK in verschiedenen Teilen der Welt öffnet uns viele Ressourcen für eine neue Vision. Eine solche Vision für die Kirche würde uns eine Richtung geben, um die Herausforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu bewältigen – das Thema der Homosexualität eingeschlossen.

Wenn ich richtig sehe, sprechen Sie das Thema Homosexualität aber im Buch selbst kaum an. Warum?

Ich wollte kein Buch über Homosexualität schreiben. Es gibt bereits viele Bücher dazu. Sollten wir einen Weg finden, den Konflikt um die Homosexualität zu lösen, wäre die entscheidende Frage immer noch da: Was heißt es, Kirche nach dem Willen Gottes zu sein und die Mission auszuführen, die er uns aufgetragen hat. Für eine solche Vision ist die Einheit der Kirche wichtig, sie bezeugt Gottes Mission in der Welt. Deshalb ist es eine Schlüsselfrage, wie wir mit theologischen und ethischen Konflikten umgehen. Das schließt das Thema Homosexualität mit ein, aber es gibt noch andere strittige Themen.

Warum steht das Thema Liebe so stark im Vordergrund?

Für John Wesley war »Liebe« der zentrale Begriff, wie es für Martin Luther der Begriff »Glaube« war. In meinem Buch zeige ich, dass Liebe nicht nur von Wesley so betont wurde, sondern dass sie eine zentrale Aussage der Bibel ist. Uns stellt sich die Frage, was diese Liebe von uns fordert. In der Debatte um Homosexualität führt das zur Frage, wie wir schwule und lesbische Christen lieben können. Wie können wir Menschen lieben, die Überzeugungen haben, die wir nicht teilen?

Wir reden in der Kirche – auch in der Evangelisch-methodistischen Kirche – viel über Liebe. Wie kommen wir als Christen in eine Praxis der Liebe?

Es gibt drei wichtige Punkte. Erstens müssen wir die Liebe, die Gott im Leben und Tod von Christus gezeigt hat, wiederentdecken. Zweitens müssen wir Wege finden, diese Liebe in unserem Alltag zu leben. Zuletzt geht es darum, zu einer Gemeinschaft zu gehören, die sich bemüht, Gott und die Nächsten zu lieben, sich aber bewusst ist, dass das nicht einfach ist – sondern ein tägliches Bemühen in Antwort auf Gottes Gnade.

Sie nehmen die Geschichte der methodistischen Bewegung in den Blick. Was für Erfahrungen gibt es, die uns heute helfen können?

Ich denke an eine Geschichte aus dem Leben von Nelson Mandela, der Methodist war. Harry Wiggett, ein anglikanischer Gefängnisseelsorger, war verantwortlich für die politischen Gefangenen, unter denen sich auch Mandela befand. Wiggett feierte mit den Gefangenen Abendmahl. Ein Aufseher beobachtete den Gottesdienst. Wiggett begann mit der Abendmahlsfeier, als Mandela ihn unterbrach, zum Gefängniswärter hinüberging und ihn fragte, ob er Christ sei. Als der Gefängniswärter dies bestätigte, lud Mandela ihn ein, sodass sie miteinander Abendmahl feiern konnten.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit (Field); EVA Leipzig (Titelgrafik)
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »Unterwegs« 21/2018 vom 14. Oktober 2018 entnommen.


Der Autor
Michael Putzke ist leitender Redakteur des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »Unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.

Weiterführende Links
Zum in diesem Beitrag angesprochenen Thema veröffentlicht emk.de mehrere Beiträge aus der aktuellen Nummer des EmK-Magazins »unterwegs«. Außerdem veröffentlicht emk.de in der kommenden Woche einen Video-Beitrag von Bischof Harald Rückert mit dem Thema »Beten und Fasten für die Zukunft der Kirche« mit weiteren Links zu Arbeitsmaterialien und Veröffentlichungen zum Thema. Die aktuelle Nummer 21/2018 des EmK-Magazins »Unterwegs« ist kostenlos über die Zeitschriften-App »m-kiosk« erhältlich. Bitte nutzen Sie dafür folgende Zugänge:

Zur Information
Das Buch von David N. Field »Zu lieben sind wir da. Der methodistische Weg, Kirche zu sein« ist ab Anfang November im Buchhandel erhältlich. (Paperback, 248 Seiten, ISBN 978-3-374-05857-0, ca. 15,00 Euro)
Zur Einführung des Buches und als Hilfestellung zur Verwendung in der Gemeindearbeit organisiert das Bildungswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche zwei Fachtage: Samstag, 17.11.2018 in Hannover; Samstag, 12.1.2019 in Stuttgart. Dabei führt David N. Field in sein Buch ein, der Leiter des Bildungswerks, Pastor Wilfried Röcker, stellt praktische Hilfen für die Gemeindearbeit vor. David Field und die EmK-Bischöfin i. R. Rosemarie Wenner berichten von ihren Erfahrungen in der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«.

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