Bischof Harald Rückert beim Abschlussgottesdienst der Süddeutschen Jährlichen Konferenz am Sonntag in Heilbronn.

»Wir können einander die Hand reichen, wenn wir Gott die Hand reichen, die er uns entgegenstreckt.« – Bischof Harald Rückert beim Abschlussgottesdienst der Süddeutschen Jährlichen Konferenz am Sonntag in Heilbronn.

Süddeutsche Jährliche Konferenz

Bischof Rückert: »Einander nicht loslassen«

In Zeiten des Aufbruchs und der Auseinandersetzung zueinander stehen und einander festhalten. Die Süddeutsche Jährliche Konferenz will das leben.

Am gestrigen Sonntag endete die Tagung der Süddeutschen Jährlichen Konferenz, das Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Süddeutschland. Von Mittwoch bis Samstag waren die Geschäftssitzungen in Öhringen. Der Abschluss mit über 2.000 Besuchern war am gestrigen Sonntag in Heilbronn mit Gottesdiensten und Veranstaltungsangeboten für alle Generationen.

Die Hand von Jesus trägt

»Aufbrüche sind riskant, Aufbrüche bewirken Veränderung, Aufbrüche provozieren«, beschrieb Harald Rückert in seiner Predigt die Spannung zwischen Wunsch und Wirklichkeit in der kirchlichen Gemeindearbeit. Der für Deutschland zuständige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche beschrieb die Herausforderung des Aufbrechens am Beispiel der Geschichte des Petrus, der von Jesus eingeladen wurde über das Wasser zu ihm zu kommen. »Aufbrechen in der Gemeinde ist wie über das Wasser gehen«, beschrieb Rückert die Herausforderung. Dazu gehörten sowohl Entscheidungen in der Gemeinde vor Ort als auch Beschlüsse der Tagung der Jährlichen Konferenz. Das Ringen in theologischen Fragen gehöre ebenfalls dazu, wie die aktuelle Auseinandersetzung zeige, in der sich die Evangelisch-methodistische Kirche weltweit befinde. Dabei geht es um die Frage, ob Segnungen von homosexuellen Paaren oder die Ordination von Homosexuellen möglich sein soll. Solche Herausforderungen seien wie der Moment, in dem der zunächst auf dem Wasser gehende Petrus dann zu sinken drohte. Er habe in diesem Moment erfahren, dass da noch eine andere Hand war, die ihn trug – die von Jesus. Der Handschlag, den Jesus anbiete, »befähigt uns, dass wir einander nicht loslassen müssen« übertrug der Bischof diese biblische Ermutigung in Aufbruchssituationen in der Kirche und in Gemeinden. Dieser Handschlag Jesu, stelle eine »lebendige, energetische Verbindung zu seiner unbeirrbaren Liebe her«. »Deshalb«, so lädt Rückert überzeugt ein, »können wir gemeinsam über alles, was uns scheinbar so tief trennt, Zeugnis der Liebe Gottes sein«. »Wir können einander die Hand reichen, wenn wir Gott die Hand reichen, die er uns entgegenstreckt.«

Finanzentwicklung auf den Prüfstand stellen

Am Samstag, dem letzten Tag mit Geschäftssitzungen der Konferenz, hatten die Konferenzmitglieder noch viele Berichte und Sachverhalten zu diskutieren. Redebedarf gab es beim Finanzbericht über die erwartete Einnahmeentwicklung durch Spenden, die mit den für die Gemeinden beschlossenen Umlagesteigerungen nicht mithielt. Die Spendenbereitschaft sei zwar gestiegen. Aber die sinkenden Gliederzahlen führten in der Summe dann doch zu einer Lücke zwischen den eingegangenen Spenden und der von den Gemeinden abzuführenden Umlage, mit der im Wesentlichen die Personalkosten der Kirche gedeckt werden. Angesichts der aktuellen Entwicklung beauftragten die Mitglieder der Konferenz das zuständige Finanzgremium, die ursprünglich geplante jährliche Gehaltserhöhung der pastoralen Hauptamtlichen bis zum kommenden Jahr auf den Prüfstand zu stellen, auszuwerten und das Ergebnis zu präsentieren.

Verwaltungs- und Schulungszentrum in Stuttgart im Zeitplan

Die im vergangenen Jahr beschlossene Schließung des Bildungs- und Begegnungszentrums im Stuttgarter Stadtteil Giebel ist zwischenzeitlich erfolgt. Die umfangreichen Umbauten sind im Zeitplan. Neben einem verkleinerten Gästebetrieb für Schulungen und kirchliche Sitzungen werden das Kinder- und Jugendwerk, das Bildungswerk, die Konferenzgeschäftsstelle, die Superintendentur Stuttgart und die EmK-Privatfunkagentur »Radio m« in diesem Gebäude neue Räume beziehen können. Bis im Herbst dieses Jahres wird der Umbau abgeschlossen sein.

Schwierigkeiten bei Asylverfahren sollen analysiert werden

Ein die Konferenzmitglieder sichtlich bewegendes Thema waren Erfahrungsberichte aus Gemeinden, denen sich asylsuchende Menschen angeschlossen haben. Zunehmend, so die Berichte aus diesen Gemeinden, würden Asylverfahren vor Gericht scheitern, auch für Christen, denen bei einer Abschiebung in ihr Heimatland Lebensgefahr drohe. Die zuständigen Gerichte würden trotz Bescheinigung der Pastoren den ernst gemeinten Glauben in Frage stellen, den asylsuchende Menschen in ihrem Verfahren bezeugten. Im Auftrag der Jährlichen Konferenz wurde eine Gruppe beauftragt, diese Situation zu analysieren und in absehbarer Zeit mit einem mahnenden Wort der Kirche an die Öffentlichkeit zu treten.

Dem Aufbruch Aufmerksamkeit schenken

Betroffenheit löste auch der Bericht des Konferenzstatistikers aus, der mitteilte, dass die Gliederzahl der Evangelisch-methodistischen Kirche in Süddeutschland unter die Marke von 15.000 Kirchengliedern gesunken sei. In Verbindung mit der leicht gestiegenen Zahl an Kirchenangehörigen bleibe die Gesamtsumme jedoch nahezu gleich. Die aus verschiedenen Gemeinden und Regionen berichteten Aufbrüche würden sich allerdings noch nicht in der Statistik niederschlagen. Verschiedene Kommentare im Plenum der Konferenztagung machten deutlich, dass diese statistischen Zahlen nicht nur zur Kenntnis genommen werden dürften. In den kommenden Jahren müsse der Frage des Aufbrechens und die Suche nach Wegen, wie die Kirche Menschen für den Glauben und für die Gemeinschaft der Kirche gewinnen könne, vermehrt Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Informationen zur SJK

Zur Information
Die Süddeutsche Konferenz umfasst 242 Gemeinden mit rund 27.600 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen.