Das Gebäude der Medizinischen Universität im bulgarischen Pleven

Das Gebäude der Medizinischen Universität im bulgarischen Pleven

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Eine offene Tür

Wie die bulgarische EmK-Gemeinde in Pleven den Zugang zu Studenten der Medizinischen Universität fand.

In Pleven wurde 1916 eine methodistische Kirche eingeweiht – angesichts der damaligen Umstände ein großer Glaubensschritt. Seither war die Kirche geistliche Heimat vieler Menschen, die im gesellschaftlichen und politischen Gegenwind immer wieder Glaube, Hoffnung und Liebe lebten. Als Pastor Tsvetan Iliev mit dem Dienst in der Plevener EmK-Gemeinde beauftragt wurde und mit seiner Frau Ivaneta in die Stadt zog, dachten die beiden oft darüber nach: Wie kann die Gemeinde den Menschen dieser Stadt dienen? Immer mehr wandelte sich diese Frage in: Wie können wir Studierende der Medizinischen Universität in Pleven erreichen? Allerdings gab es da ein Problem: Das bulgarische Recht verbietet Angestellten einer Religionsgemeinschaft, einfach in eine Bildungseinrichtung zu gehen und dort offen über den Glauben zu sprechen.

Soziale Medien verbinden

Nach zwei Jahren erhielten sie eine Antwort auf ihr Suchen und Fragen. Eine unbekannte Frau kontaktierte Tsvetan Iliev über die eben erst eingerichtete Facebook-Seite der Gemeinde und schrieb von ihrem Willen, ein Studium an der Medizinischen Universität von Pleven zu beginnen. Auf den ersten Blick sah dies nach einer unlauteren Methode zur Beschaffung persönlicher Daten aus. Allmählich wuchs jedoch die Überzeugung, dass es nicht so war. Tatsächlich: Am nächsten Sonntag besuchte diese Frau zusammen mit ihrem Vater den Gottesdienst der Gemeinde. Seither ist die Studentin Phoebe Jacobs eine der Schlüsselpersonen der Arbeit mit Studenten der Medizinischen Universität. Ein halbes Jahr später stellte sich mit Jemima Soladoye eine zweite Studentin an ihre Seite.

EmK-Gemeinde will Heimat bieten

Ein weiteres Jahr später nahmen bereits sieben Personen von der Medizinischen Universität regelmäßig am Gemeindeleben teil. Noch ein Jahr später war ihre Zahl auf siebzehn angewachsen. Die rund 85 Kirchenglieder und Freunde der EmK-Gemeinde bemühten sich, ihnen eine Heimat zu bieten. Um die Sprachhürde überspringen zu können, kauften sie eine Übersetzungsanlage. Diese macht es möglich, dass zehn Personen einer Simultanübersetzung ins Englische folgen können.

Seither ist viel geschehen. Die Gemeinde hat den Studierenden Räume zur Verfügung gestellt, wodurch schon eine erfreulich große Zahl den Schritt in die Kirche wagte. In Vorbereitung auf den jährlich stattfindenden »Internationalen Tag« wurde die Kirche regelmäßig für Proben genutzt. Mit diesem internationalen Fest wird an der Medizinischen Universität die Vielfalt gefeiert. Tausend Menschen aus aller Welt studieren und arbeiten dort: aus Italien, Großbritannien, Indien, Schweden, Kanada, Japan, Nigeria, Zimbabwe und sogar von den Kapverden. Auch Länder der Arabischen Halbinsel und des Nahen Ostens sind gut vertreten.

Wenn Gott Türen öffnet, hat das einen Grund

Die »Christliche Vereinigung«, eine Versammlung von Frauen und Männern der Medizinischen Universität von Pleven, trifft sich regelmäßig im Gottesdienstraum der Gemeinde. Diese Organisation will ein Ort sein, an dem sich alle willkommen und frei fühlen – unabhängig vom jeweiligen konfessionellen Hintergrund. Die bunte Vielfalt der Menschen wird bewusst wahrgenommen. Trotzdem wird eine Einheit mit Jesus Christus im Zentrum angestrebt. Tsvetan Iliev ist dankbar für das, was bisher gewachsen ist. Und er ist zuversichtlich, »auch wenn wir nicht wissen, was die Zukunft bringen wird«. Denn er ist überzeugt: »Wenn Gott eine Tür öffnet, dann tut er dies aus einem bestimmten Grund.«

Bildnachweis: Wikimedia Commons / Todor Bozhinov (CC BY-SA 4.0)
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 14/2019, Urs Schweizer, basierend auf einem Bericht von Pastor Tsvetan Iliev, Pleven/Bulgarien


Der Autor
Urs Schweizer arbeitet in Zürich als Assistent von Bischof Patrick Streiff, der für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa zuständig ist. Kontakt: urs.schweizer(at)umc-cse.org.