Dorothee Petri in ihrem ehrenamtlichen Einsatzgebiet: ein Platz mit natürlicher Bepflanzung, ein friedlicher Ort – der Tierfriedhof in der Nähe von Augsburg.

Dorothee Petri in ihrem ehrenamtlichen Einsatzgebiet: ein Platz mit natürlicher Bepflanzung, ein friedlicher Ort – der Tierfriedhof in der Nähe von Augsburg.

Für Menschen da – auf dem Tierfriedhof

Am Sonntag in der Kirche, unter der Woche auf dem Friedhof – dem Tierfriedhof. Dorothee Petri setzt sich für Tiere ein und ist für Menschen da.

Snoopy«, »Daisy«, »Trixi«, »Joschi«, »Gina« oder »Lady« steht auf den weißen Schildern. Darunter eine Schale mit rosa blühenden Begonien, zwei spielende Kätzchen aus Keramik, eine Steckvase mit Rosen oder die Figur eines schlafenden Hündchens. Es ist ruhig auf dem Tierfriedhof, wo Hund, Katze, Hase und Papagei friedlich nebeneinander liegen. Ein Paar mit einem Hund steht vor einem Grab. Weiter hinten läuft ein Kind von einem Schild zum anderen und zeigt seinen Eltern die liebevoll aufgestellten Tierfiguren. Am Eingang schneidet eine gepflegte Frau mit der Gartenschere Astern zurecht. Es ist Dorothee Petri. Sie begrüßt die Ankommenden, die den Weg zur Tierruhestätte gefunden haben.

Jahrzehntelanges Engagement

Vor zwanzig Jahren hat ihr innzwischen verstorbener Mann, auf Wunsch der Tierschutzorganisation ATTiS, den Friedhof unweit der Bundesstraße 17 in der Nähe von Augsburg gegründet. Sie erzählt, wie schwierig es war, das Grundstück und die Genehmigung zu bekommen. Mit viel Herzblut und Engagement ist das Projekt geglückt. Seit inzwischen über dreißig Jahren kümmert sich ATTiS um das Wohlergehen der Tiere – und das weit über die Grenzen Augsburgs hinaus. »Nach all der Liebe und Zuneigung, die sie uns gaben, haben unsere Haustiere auch einen würdigen Abschied verdient«, meint Dorothee Petri. Deshalb wollte ATTiS eine Tierruhestätte gründen und damit den langjährigen pelzigen und gefiederten Begleitern den Weg zur Tierkörperbeseitigung ersparen.
Trotz allem ist es keine Kultstätte. Es ist ein Platz mit natürlicher Bepflanzung, ein friedlicher Ort, an dem man die Liebe spüren könne, die die Menschen ihren Tieren – und umgekehrt – gegeben hätten, sagt die langjährige Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft der Tierversuchsgegner und Tierfreunde in Schwaben, wie das Kürzel vollständig ausgeschrieben lautet.
Sie hat sich dieser Aufgabe verschrieben und verzichtet dafür sogar auf Urlaubsreisen. Denn montags, mittwochs und freitags verbringt sie die Nachmittage auf dem Tierfriedhof. Im Sommer auch oft sonntags – und sogar an Weihnachten.

Trost spenden und über den Himmel sprechen

Weshalb nimmt die Methodistin, die schon seit 66 Jahren zur EmK gehört, dies auf sich? Natürlich ist sie eine Tierfreundin, die sich auch auf der Straße und vom Büro aus aktiv für den Tierschutz einsetzt. Aber sie ist auch eine Menschenfreundin und führt oft lange Gespräche mit Leuten, die manchmal ihren »einzigen Freund« verloren haben. »Das letzte Kind hat ein Fell« ist unter Tiermedizinern ein verbreiteter Spruch.
In vielen Fällen ist Dorothee Petri Seelsorgerin. Denn bei der Beschreibung eines verstorbenen Haustiers erzählen die Trauernden oft aus ihrem eigenen Leben: von ihren Sorgen und Hoffnungen, ihren Ängsten und dem Alleinsein. Die Achtzigjährige, die sich mit sechzehn Jahren in die EmK hat aufnehmen lassen, drängt ihren Glauben niemandem auf. Aber sie ist da, wenn Fragen nach dem auftauchen, was nach dem Tod kommt.

Gemeinde und gesellschaftliches Engagement ergänzen sich

Am Sonntagvormittag engagiert sie sich im Gottesdienst. Sie verkleidet sich fürs Krippenspiel, übernimmt den Begrüßungsdienst oder wirkt in der Liturgie mit. Beim Feiern des Gottesdiensts tankt sie für die neue Woche auf und geht dann raus – dorthin, wo die Menschen sind.
Die Trägerin des Bayerischen Tierschutzpreises kann man in der Fußgängerzone an einem Stand gegen Tierversuche oder für artgerechte Unterbringung von Nutztieren treffen. Oder auf einer Demo vor dem Augsburger Dom, in dem Jäger eine Hubertusmesse feiern wollen, oder vor dem bayerischen Landtag in München, in dem Gesetze beschlossen werden sollen, die Tier und Mensch schaden würden.
Die Mitarbeit in der eigenen Gemeinde und gesellschaftliches Engagement ergänzen sich für Dorothee Petri sehr gut. Und so wird sie an einem der nächsten Nachmittage wieder auf dem Tierfriedhof sein, immer offen für Menschen und deren Erlebnisse – traurige und schöne.

Bildnachweis: Iris Hahn
Dieser Artikel ist dem EmK-Magazin »unterwegs« 4/2019 vom 17. Februar 2019 entnommen.


Die Autorin
Iris Hahn lebt in Augsburg und ist Ko-Redakteurin des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »Unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de.