Kirchengebäude der EmK-Gemeinde Floris in einem westlich der US-Hauptstadt Washington gelegenen Stadtteil, der zum Bundesstaat Virginia gehört.

»1 Church 4 all« (Eine Kirche für alle) ist das Motto der EmK-Gemeinde Floris in einem westlich der US-Hauptstadt Washington gelegenen Stadtteil, der zum Bundesstaat Virginia gehört. Dort fand auf Initiative von Bischof Yambasu, Sierra Leone, das internationale Treffen statt, um nach einer Lösung für die weltweit andauernden Spannungen in der EmK zu suchen. Im Bild das Kirchengebäude der Gemeinde.

Diskussion über Homosexualität

Internationaler Runder Tisch geplant

Aus allen Teilen der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche ist von Spannungen zu hören. Beispiele dafür sind Nachrichten aus der Schweiz und den USA.

Die Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Mittel- und Südeuropa der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ist mit der Frage konfrontiert, möglicherweise keine eigenständige Zentralkonferenz mehr zu bleiben. Grund dafür ist die Entscheidung der außerordentlichen Tagung der Generalkonferenz von Ende Februar, in der Beurteilung von praktizierter Homosexualität die traditionelle negative Bewertung beizubehalten und die Umsetzung dieser Überzeugung im kirchlichen Handeln durch Sanktionen sicherzustellen. Diese Entscheidung hatte weltweit zu sehr unterschiedlichen Reaktionen und tiefgreifenden Spannungen innerhalb der EmK geführt.

Den Stier bei den Hörnern packen

Die Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa steht unter der Leitung von Bischof Patrick Streiff, der im schweizerischen Zürich seinen Dienstsitz hat. Neben der Schweiz gehören fünfzehn weitere Länder in Europa und Nordafrika zu dieser Zentralkonferenz. Bei einer Tagung im März, kurz nach der außerordentlichen Tagung der Generalkonferenz, zeigten sich große Unterschiede innerhalb des geografisch und kulturell sich weit erstreckenden Zentralkonferenzgebietes hinsichtlich der Beurteilung praktizierter Homosexualität und hinsichtlich des Verbots solcher Praxis für Pastoren und Pastorinnen der EmK. Aus diesem Grund wurde eine Studiengruppe eingesetzt, die Szenarien erarbeiten soll, wie die Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa vereinigt bleiben kann oder bei anhaltenden Spannungen in diesen Fragen so eng wie möglich verbunden bleiben kann.

Eine jüngst herausgegebene Pressemeldung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa beschreibt die Tragweite der aktuellen Spannungen. Sollten die Positionen innerhalb der Zentralkonferenz so bleiben, würde das zu einer Trennung innerhalb der EmK in Mittel- und Südeuropa führen. »Die so entstehenden Teilgebiete wären aber nicht mehr groß genug, um als eigenständige Zentralkonferenzen einen Bischof wählen zu können«, heißt es in der Pressemeldung. Angesichts der für das Jahr 2021 anstehenden Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin für Bischof Streiff stellte die Spannung innerhalb der Zentralkonferenz eine große Unwägbarkeit für die Wahlvorbereitungen dar.

Die eingesetzte Studiengruppe hat sich in einer ersten Beratung Ende Juni und einem für Ende August geplanten Treffen darauf geeinigt, darüber zu sprechen, wie stark der Wille zur Gemeinsamkeit ist und wie viel Zeit und Kraft für die Suche nach einem gemeinsamen Weg zu investieren ist. Alternativ werden Szenarien beraten, wie eine Zusammenarbeit bei getrennten Wegen aussehen könnte. Laut Bischof Streiff werde »der Stier jetzt bei den Hörnern gepackt«.

EmK weltweit: professionelle Mediation geplant

Angesichts der durch die Generalkonferenz-Entscheidung ausgelösten Spannungen innerhalb der weltweiten EmK sind derzeit viele Personen und Gruppen aktiv, um nach Auswegen und Lösungen zu suchen. Mit Blick auf die Tagung der nächsten ordentlichen Generalkonferenz im Mai 2020 werden derzeit verschiedene Pläne entwickelt. Die meisten Szenarien beinhalten eine stark ausgeprägte amerikanische Perspektive und gehen davon aus, dass eine Trennung der Evangelisch-methodistischen Kirche nahezu unvermeidlich sei.

Mitte August traf sich auf Einladung von Bischöfen der außerhalb der USA organisierten Zentralkonferenzen eine internationale Gruppe im US-Bundesstaat Virginia südlich der amerikanischen Hauptstadt Washington. Daran nahmen Tom Berlin und Junius Dotson als Vertreter der »Mitte« teil, Jan Lawrence und Randall Miller als Vertreter der »Progressiven« sowie Patricia Miller und Keith Boyette als Vertreter der »Konservativen«. Aus der EmK in den USA waren Bischof Thomas Bickerton, Bischöfin Cynthia F. Harvey und aus den Zentralkonferenzen von außerhalb der USA waren die Bischöfe John Yambasu und Christian Alsted anwesend. Als Vertretung der Laien nahm aus Deutschland Joris Brombach, Laienmitglied in der Süddeutschen Jährlichen Konferenz und Mitglied des Kirchenvorstands und des Runden Tischs, teil. Weitere Personen von außerhalb der USA waren eingeladen, konnten aber aus Zeitgründen nicht teilnehmen.

Brombach berichtet, dass in den USA die Lage der EmK sehr angespannt ist und dort sehr intensiv Fragen der Teilung und Neustrukturierung der Kirche diskutiert werden. Beim Treffen habe das Gespräch trotz großer inhaltlicher Differenzen »recht gut geklappt«. Es wurde vereinbart einen professionellen Mediator hinzuzuziehen. Mit ihm zusammen soll in einer Art »internationalem Runden Tisch« die Möglichkeit ausgelotet werden, wie mit dieser für die Bewahrung der Einheit der EmK sehr schwierigen Situation umgegangen werden kann. Dafür sind drei Treffen im September und November dieses Jahres sowie im kommenden Januar geplant. Die dichte Terminfolge ist nötig, weil die Zeit bis zur nächsten Generalkonferenz-Tagung im Mai kommenden Jahres knapp bemessen ist.

Bildnachweis: Floris UMC


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Meldung zur Arbeit der Studiengruppe der EmK in der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa

Zur Information
Zur Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa der Evangelisch-methodistischen Kirche gehören EmK-Gemeinden in fünfzehn Ländern: Albanien, Algerien, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Kroatien, Mazedonien, Österreich, Polen, Rumänien, Schweiz, Serbien, Slowakei, Tschechien, Tunesien, Ungarn. Bischof ist Dr. Patrick Streiff mit Dienstsitz in Zürich.