Manfred Marquardt (Foto: Volker Kiemle)

Manfred Marquardt (Foto: Volker Kiemle)

Manfred Marquardt

Ein Lehrer aus Leidenschaft

Als Dozent hat er Generationen von Pastoren geprägt, als Autor zahlreiche Bücher verfasst. Am 18. Mai feiert Manfred Marquardt seinen 75. Geburtstag.

Eigentlich wollte er Gemeindepastor bleiben, doch mit dem Ruf an das Theologische Seminar entdeckte Dr. Manfred Marquardt seine Leidenschaft fürs Unterrichten. Als Dozent und Rektor hat er nicht nur Generationen von Pastorinnen und Pastoren geprägt, sondern auch die Anerkennung als Theologische Hochschule auf den Weg gebracht. »Wir freuen uns darüber, dass er bis heute unsere Kirche durch sein theologisches Wirken prägt«, würdigt Bischöfin Rosemarie Wenner Marquardts Engagement, mit dem er »eine im Methodismus fundierte Theologie mit ökumenischer Offenheit verbindet«.

Eine Kirche, in der Menschen ihren Glauben leben

Marquardt wurde nicht in die Evangelisch-methodistische Kirche hineingeboren. Als Kind machte er in seinem Heimatort Britz nahe Berlin gute Erfahrungen in der Sonntagsschule der Evangelischen Gemeinschaft. Vorbild in der »umfassenden Bildung und der Weite des Denkens«, so erzählte Marquardt später, sei ihm der damalige Pastor Curt Wetzig gewesen. Diese Erfahrungen mit der Evangelischen Gemeinschaft blieben prägend, auch während der Zeit, als er mit seiner Mutter und den beiden jüngeren Geschwistern 1953 in den Westen fliehen musste – der Vater war nicht aus dem Krieg zurückgekehrt. Über mehrere Stationen fasste die Familie schließlich in Neuwied am Rhein Fuß. Dort engagierte sich Marquardt in der Landeskirche, spielte Orgel, organisierte Jugendcamps mit und hatte einen guten Draht zum Pfarrer. Der schenkte ihm eines Tages die »Theologie des Alten Testaments« von Gerhard von Rad und hoffte so, dass Manfred Pfarrer der Rheinischen Landeskirche wird. Doch Marquardt entschied sich für die Evangelische Gemeinschaft. »Ich wollte gerne in einer Kirche Pastor sein, wo die Menschen ihren Glauben leben und Antworten suchen auf die Frage ›Was glaube ich? Und was hat das für Konsequenzen?‹«
Marquardt studierte Theologie am damaligen Theologischen Seminar in Reutlingen und an den Universitäten Tübingen und Bochum. Ab 1967 war er Pastor auf Probe in Wuppertal-Elberfeld und gehörte zum ersten Jahrgang, der von Bischof Ernst Sommer in der neu vereinigten Evangelisch-methodistischen Kirche 1968 ordiniert wurde. Bis 1977war er noch in Kiel Pastor, wo er auch 1975 seine Dissertation »Praxis und Prinzipien der Sozialethik John Wesleys« abschloss. Die Arbeit ist inzwischen in der dritten bearbeiteten Auflage erschienen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Seminarlehrer und Rektor in bewegten Zeiten

1977 erfolgte der Ruf an das Theologische Seminar der EmK in Reutlingen. Dort wirkte er bis 2005 als Professor für Systematische Theologie, von 1989 bis 2001 war er Direktor des Seminars. Daneben hatte er Lehraufträge an der Drew Universität in Madison (Bundesstaat New Jersey, USA) und der Southern Methodist University in Dallas (Bundesstaat Texas, USA).
In seine Zeit als Direktor fielen drei große Einschnitte: Die Vereinigung mit dem Seminar der ehemaligen DDR in Bad Klosterlausnitz, das umfangreiche Bauprojekt in den 90er-Jahren und schließlich die Bemühungen um eine akademische Anerkennung der Ausbildung des Theologischen Seminars. Hierzu war Marquardt zunächst im Gespräch mit einer Theologischen Hochschule in Wales. Aber dann kam der Bologna-Prozess und machte es möglich, den Seminarbetrieb auf einen Bachelor- und Masterstudiengang nach europäischen Hochschulrichtlinien umzustellen. Unter der Leitung von Holger Eschmann, der im Jahr 2001 das Direktorenamt übernahm, konnte die Akkreditierung als »Theologische Hochschule« erfolgreich abgeschlossen werden.

»Unterrichten ist meine große Liebe«

Entstanden ist im Laufe der Jahre auch eine umfangreiche Publikationsliste. Dabei liege ihm das Schreiben gar nicht so, bekannte Marquardt in einem Interview. Aber er habe sich immer dazu verpflichtet gefühlt, da es zur methodistischen Theologie in Deutschland so wenig Literatur gibt. Viel lieber, sagte er, gebe er sein Wissen mündlich weiter: »Nicht schreiben, sondern unterrichten ist meine große Liebe.«

Volker Kiemle, Klaus Ulrich Ruof

Foto: Volker Kiemle