Pastor Uwe Onnen bei einem Gottesdienst in der Afrika-Universität in Mutare.

Pastor Uwe Onnen bei einem Gottesdienst in der Afrika-Universität in Mutare.

Ein Land im Blick des Weltgebetstags

Im Tal der Träume

In Simbabwe, dem Land der diesjährigen Weltgebetstagsliturgie, liegt die Stadt Mutare mit der methodistischen Afrika-Universität – ein Ort der Hoffnung.

Nach einem langen schonungslosen Kampf wurde Simbabwe, das frühere Rhodesien, unabhängig. Der erste Präsident, Robert Mugabe, hat die großen Hoffnungen nicht erfüllt. Aus der einstigen Kornkammer Afrikas ist eines der ärmsten Länder geworden. Simbabwe gehört zu den Ländern mit den höchsten Schulden – weltweit. »emk.de« hat über die Forderung nach einem Schuldenerlass für Simbabwe berichtet und dazu für eine Unterschriftenaktion geworben. Aus diesem Land kommt die Liturgie für den Weltgebetstag, der am kommenden Freitag, dem 6. März, gefeiert wird. In einem Tal im Osten dieses Landes liegt die Stadt Mutare mit der evangelisch-methodistischen Afrika-Universität. Uwe Onnen, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Hamburg, ist Mitglied im Aufsichtsrat dieser Universität. Die Redaktion des EmK-Magazins »Unterwegs« hat ihn gefragt, was ihm Hoffnung gibt.

»unterwegs«: Der Weltgebetstag hat Simbabwe dieses Jahr in den Fokus gerückt. Wir hören viel von Mangel und Korruption. Aber es gibt auch Hoffnung, zum Beispiel durch die Afrika-Universität. Was ist das Besondere an dieser Universität?

Uwe Onnen: Das Besondere an der Afrika-Universität ist ihr Selbstverständnis als »pan-afrikanische« Universität. Aus mehr als fünfundzwanzig verschiedenen afrikanischen Ländern studieren junge Menschen dort und sie leben auch dort miteinander. Das führt zu einem besseren Verständnis zwischen den Nationen und den Religionen. Und etwa achtzig Prozent der Absolventen und Absolventinnen gehen in die Heimatländer zurück, um dort Führungsaufgaben zu übernehmen. Ein Motto der Afrika-Universität ist daher »Investing in Africas Future« – in Afrikas Zukunft zu investieren.

Wie unterstützt unsere Kirche in Deutschland die Afrika-Universität?

Wir als Zentralkonferenz Deutschland der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland haben einen Sitz im Aufsichtsrat, den wir seit Gründung der Afrika-Universität vor nunmehr 28 Jahren immer besetzen konnten. Daneben unterstützen wir die Arbeit der Afrika-Universität über die Weltmission auch finanziell. Es gibt einen jährlichen Beitrag, den wir dorthin geben.

Gerne nimmt die Afrika-Universität auch Einzelspenden entgegen. Eine Spende an die Weltmission mit dem Vermerk »Afrika-Universität« wird ganz sicher dort die Arbeit unterstützen. Und wer einen Betrag von Tausend Dollar oder mehr spendet, wird in den »Club der Sponsoren« aufgenommen.

Wie hat sich die Situation in Simbabwe nach der Absetzung von Robert Mugabe im Jahr 2017 entwickelt?

Nicht wesentlich besser, soweit ich das beurteilen kann. Immer noch ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch und das alltägliche Leben ist mühsam und anstrengend. Was fehlt, sind Investoren, die dort ein langfristiges Engagement eingehen. Da die politischen Verhältnisse bis heute angespannt sind, gibt es wenige Unternehmen, die das Risiko einer Investition eingehen.

Das ist besonders bedrückend, da Simbabwe ein sehr fruchtbares und auch an Bodenschätzen reiches Land ist. In früheren Zeiten wurde Simbabwe auch als Kornkammer des südlichen Afrikas bezeichnet. Nun aber fehlen ausgebildete Farmer, Infrastruktur und verlässlicher Handel. Wer in Simbabwe investiert, ist China. In einem nicht geringen Maße werden zum Beispiel Straßen gebaut. Allerdings bringen die Investoren die Arbeiter und Arbeiterinnen mit, so dass es sich nicht positiv auf die einheimische Bevölkerung auswirkt. Und die zwischen Simbabwe und China ausgehandelten Darlehen schaffen eine neue Abhängigkeit.

Wie ist die Situation der Kirchen in Simbabwe, insbesondere der methodistischen?

Soweit ich es beurteilen kann, gibt es eine lebendige kirchliche Landschaft. Während meiner Aufenthalte dort konnte ich methodistische Gemeinden kennenlernen. Fröhlichkeit und Lebendigkeit der Gottesdienste sind sehr berührend und inspirierend; vor allem mit dem Wissen um die soziale und allgemeine politische Situation.

Was macht Ihnen Hoffnung für die Afrika-Universität und für das Land Simbabwe?

Hoffnung für die Afrika-Universität macht mir die Vision des Begründers der »Old Mutare Methodist Mission«, die Ende des 19. Jahrhunderts durch Bischof Hartzell aus den USA ausgesprochen wurde: »A Valley of Dreams« – ein Tal der Träume! Die Afrika-Universität liegt in einem Tal, und nach Bischof Hartzell sollten in diesem Tal junge Menschen eine Ausbildung erhalten, um aus Träumen Realität werden zu lassen. Bis heute lernen – und seit 1982 studieren – junge Menschen engagiert und sehr professionell angeleitet in diesem »Tal der Träume « und werden angehende Führungskräfte. Das »Tal der Träume« hat sich dadurch einen Namen erarbeitet und ist im Ranking auf dem afrikanischen Kontinent unter den ersten zehn Universitäten. Zurzeit werden etwa 2.800 Studierende dort ausgebildet.

Bildnachweis: Africa University
Dieser Artikel ist dem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche – Nummer 5/2020 vom 1. März 2020 – entnommen.


Die Interviewpartner
Die Fragestellerin, Iris M. Hahn, ist stellvertretende Redaktionsleiterin des EmK-Magazins »Unterwegs« und lebt als selbstständige Grafikerin in Augsburg. Ihr Gesprächspartner, Uwe Onnen, ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Hamburg. Kontakt: redaktion(at)emk.de

Weiterführende Links
www.emkweltmission.de/berichte-aus-simbabwe/

Zur Information
Die Afrika-Universität
Die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche hat auf der Generalkonferenz 1988 die Gründung der Afrika-Universität in Simbabwe beschlossen. 1992 wurde der Unterricht aufgenommen. Die Universität liegt in Mutare, im Osten Simbabwes an der Grenze zu Mosambik, und versteht sich als gesamtafrikanische Universität. Daher sind Studierende aus 26 afrikanischen Ländern dort anzutreffen, die sich für leitende Aufgaben in ihren jeweiligen Ländern ausbilden lassen. Dies geschieht in sieben Fakultäten, in denen Theologie, Landwirtschaft, Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaften, Gesundheitslehre, Management sowie »Frieden und Leitung/Führung einer Organisation« unterrichtet wird. Insgesamt sind über 2.800 Studenten in der Afrika-Universität eingeschrieben, 58 Prozent davon sind Frauen.
www.africau.edu