Menschen, die sexuellen Missbrauch erlitten haben, brauchen Hilfe und Schutz. Hinhören und Hinschauen sind wichtig, um besonders Kindern aus ihrer Not herauszuhelfen. (Symbolbild)

Menschen, die sexuellen Missbrauch erlitten haben, brauchen Hilfe und Schutz. Hinhören und Hinschauen sind wichtig, um besonders Kindern aus ihrer Not herauszuhelfen. (Symbolbild)

Sexuelle Übergriffe

Missbrauch in kirchlicher Jugendarbeit

Nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im Gemeindebezirk Güglingen hat die Evangelisch-methodistische Kirche Anzeige erstattet.

Seit Jahren taucht das Thema Missbrauch Schutzbefohlener in der Obhut der Kirche immer wieder in den Medien auf. Wenn Kinder und Jugendliche ausgerechnet in der Kirche sexuelle Übergriffe erleiden, ist das besonders verstörend. Jetzt gibt es eine solche Nachricht aus dem in der Nähe von Heilbronn gelegenen Gemeindebezirk Güglingen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK).

Missbrauch über viele Jahre

Am vergangenen Donnerstag informierte Markus Jung, der für den Gemeindebezirk zuständige Superintendent, die Gemeindevorstände der Gemeinden Güglingen und Botenheim über Missbrauchsfälle in der Kinder- und Jugendarbeit des Bezirks. Mitte Juni war bekanntgeworden, dass mehrere zum Tatzeitpunkt minderjährige Jungen sexuellen Übergriffen eines Mitarbeiters ausgesetzt waren. Nach bisherigen Informationen muss von einem Tatzeitraum von mehr als zehn Jahren ausgegangen werden. Der 45-jährige Täter wurde mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben in der Kirchengemeinde entbunden. Nach Gesprächen mit den Opfern und deren Familien sowie dem Täter erstattete der zuständige Superintendent Strafanzeige trotz bereits erfolgter Selbstanzeige des Täters. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln.

Rückhaltlose Zusammenarbeit mit den ermittelnden Stellen

»Als Kirche ist es uns wichtig, dass wir auch in einem Strafverfahren entschieden gegen die Schädigung menschlichen Lebens eintreten«, erklärt Jung, der von seinem Dienstsitz in Nürnberg den Gemeindebezirk Güglingen in dieser schwierigen Situation begleitet. Er bedauert, dass sich diese Übergriffe trotz des in der EmK seit dem Jahr 2009 praktizierten Schutzkonzepts ereigneten. Der Missbrauch von Vertrauen und die Verletzung der Intimsphäre von Kindern und Jugendlichen in einer Kirchengemeinde dürfe nicht geduldet werden. »Wir distanzieren uns von dem Verhalten und tun alles, um zur Aufklärung und zum verbesserten Schutz beizutragen«, beteuert Jung. Die Kirche stehe zu ihrer Verantwortung und werde rückhaltlos mit den ermittelnden Stellen zusammenarbeiten. Er stehe dazu in engem Kontakt mit dem Gemeindebezirk, der Polizei und der Staatsanwaltschaft.

Hinschauen ist gefragt

»Kinder und Jugendliche brauchen in unseren Gemeinden Sicherheit und Geborgenheit«, mahnt Jung. »Dafür sind wir verantwortlich, und dafür müssen wir alle uns zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen.« Gerade in der Kinder- und Jugendarbeit erhalte die Kirche von Eltern, Kindern und Jugendlichen einen hohen Vertrauensvorschuss. Dieses Vertrauen dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Deshalb sei genaues Hinschauen gefragt. Dem dienten auch wiederholte Aufklärung und Schulungen. Für die Gemeinden stünden das Kinder- und Jugendwerk der EmK und auch die eingesetzten Schutzbeauftragten beratend zur Seite. Gemeinden sollten sich den aktuellen Vorfall zu Herzen nehmen und das eigene Schutzkonzept erneut überprüfen und bei allen Verantwortlichen in der Gemeindearbeit nachdrücklich in Erinnerung rufen.

Bildnachweis: Michal Jarmoluk auf Pixabay, Garfik: VEF


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information
Hilfe bei Erfahrungen von Missbrauch
Die Evangelisch-methodistische Kirche hat Kontaktstellen für Missbrauchsopfer eingerichtet. Die drei benannten Personen stehen Missbrauchsopfern für Erstkontakte, Beratung und Hilfe zur Verfügung. Auf Wunsch oder bei Bedarf vermitteln sie auch weitere Kontakte und Beratungsstellen.

  • Herr Armin Krohe-Amann
    Telefon: 0170 7102336
  • Frau Dr. Julia Rödl
    Telefon: 0170 7106663
  • Herr Dr. Gunter Vulturius
    Telefon: 0170 8805025

Das Schutzkonzept der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland zur Vorbeugung gegen Missbrauch
Die Evangelisch-methodistische Kirche hat seit dem Jahr 2009 ein umfassendes Schutzkonzept zur Vorbeugung gegen Missbrauch Schutzbefohlener im Rahmen kirchlicher Jugendarbeit. Mit diesem Konzept und den zugehörigen Maßnahmen soll die Aufmerksamkeit für mögliche Kindeswohlgefährdung innerhalb kirchlicher Arbeit gestärkt und der Schutz von Kindern und Jugendlichen bestmöglich gewährleistet werden. Zu den Maßnahmen gehört eine ausführliche Informationsbroschüre zum Thema Gewalt, Vernachlässigung, Sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen („Notfallplan“) sowie eine hundertseitige Broschüre mit Leitlinien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Evangelisch-methodistischen Kirche. Von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendarbeit wird in regelmäßigen Abständen die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses verlangt. Darüber hinaus wurde ein Verhaltenskodex für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickelt, dessen Inhalte mit einer Selbstverpflichtung per Unterschrift zu bestätigen sind. Außerdem hat die Evangelisch-methodistische Kirche Kontaktstellen für Missbrauchsopfer innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche eingerichtet, die über den Internetauftritt der Kirche an prominenter Stelle aufzufinden sind.

Kontaktstellen für Missbrauchsopfer innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche

Pressemitteilung vom 24. Juli 2020