Modell der Grenzanlagen zwischen Nord- und Südkorea im Besucherzentrum in der Nähe der Grenze nordöstlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Modell der Grenzanlagen zwischen Nord- und Südkorea im Besucherzentrum in der Nähe der Grenze nordöstlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Frieden für Korea

Siebzig Jahre – siebzig Gebete

Zum siebzigsten Mal jährt sich der Beginn des Koreakriegs. Mit einer Gebetskampagne ruft der Ökumenische Rat der Kirchen dazu auf, für den Frieden zu beten.

Am heutigen Donnerstag, dem 25. Juni, jährt sich zum siebzigsten Mal der Beginn des Koreakriegs. Damals begann ein furchtbares Leiden der Zivilbevölkerung, bis 1953 ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Aber bis heute herrscht kein Friede. Die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea dauern an. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ruft mit einer Gebetskampagne unter dem Motto »Licht des Friedens« dazu auf, für den Frieden zu beten, damit ein Friedensabkommen zwischen den beiden Landesteilen Koreas geschlossen wird.

Für amerikanischen Wahlkampf instrumentalisiert

Bis zum 15. August zeige die Welt ihre Bereitschaft, ein Zeitalter des dauerhaften Friedens einzuleiten, sagt Pastor Hong-Jung Lee, der Generalsekretär des Nationalen Kirchenrates in der Republik Korea, meist Südkorea genannt. Aber »2019 haben sich alle Reaktionen der US-Regierung auf unsere Souveränität ausgewirkt und alle unsere Versuche, Frieden zu schließen, blockiert«, so Lee. »Weiterhin ist es frustrierend zu erleben, dass beide großen Parteien in den USA das Thema Korea instrumentalisieren, nur um bei den Zwischenwahlen und der Präsidentschaftswahl die Oberhand zu gewinnen mit der Folge, dass Fortschritte, die beide koreanische Staaten hätten erzielen können, im Keim erstickt werden.«

Lee fordert nachdrücklich, dass die US-Politik in dieser äußerst kritischen Phase die Souveränität beider koreanischer Staaten respektieren sollte. »Ich wünsche mir aufrichtig, dass diese globale Gebetskampagne das eisige Schweigen innerhalb des derzeitigen koreanischen Friedensprozesses beenden kann und dass das Friedensbewusstsein der Weltbürger besonders im Hinblick auf den seit siebzig Jahren immer noch bestehenden Koreakrieg wieder zum Leben erweckt wird«, sagt Lee. »Lasst uns den Koreakrieg beenden und 2020 ein Friedensabkommen auf der koreanischen Halbinsel schließen! Frieden ist der einzig mögliche Weg für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und der Welt.« Die globale Gebetskampagne für Frieden auf der koreanischen Halbinsel fordert Hunderttausende Menschen weltweit zu der Aussage auf: »Wir beten für Frieden jetzt, beendet den Krieg!«

Lange Zeit in Schmerz und Hass

Während der Kampagne werden siebzig Gebete und Geschichten veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kirchenrat von Korea werden jede Woche im Internet Gebete veröffentlicht, wie das am Ende dieses Artikels stehende Gebet von Rosemarie Wenner, die als »Genfer Sekretärin« die Verbindungen des Weltrats methodistischer Kirchen zum ÖRK in Genf gestaltet.

»Dieses Jahr 2020 erinnern wir daran, dass vor siebzig Jahren der Koreakrieg begann. Siebzig Jahre! Das koreanische Volk im Norden und im Süden hat lange Zeit in Schmerz und Hass gelebt«, sagt der zum Beginn der Kampagne noch im Amt befindliche damalige ÖRK-Generalsekretär Pastor Olav Fykse Tveit. »In dieser Zeit des Gebets werden Kirchen überall auf der Welt die bewegenden Geschichten der Menschen hören, die das durch die Teilung ihres Landes verursachte Leid durchleben mussten. Sie werden ebenfalls etwas über die Menschen in Erfahrung bringen, die diese Teilung für sich überwunden haben und ein Leben im Zeichen der Versöhnung und des Friedens führen.«

Gebet für Korea
Gott des Lebens, wir bringen vor dich die Menschen in Korea, von Unggi im Nordosten bis nach Seogwipo auf der Insel Jeju im Süden. Du kennst sie alle beim Namen. Du weißt, wie sie seit Jahrhunderten leiden, sich nach Freiheit und Selbstbestimmung sehnen. Du kennst ihren Weg seit 1950, als der Krieg begann – ein Krieg, der bis heute nicht beendet wurde.
Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen auf der koreanischen Halbinsel und wir beten für Frieden und Gerechtigkeit, für ein Ende der Bedrohung durch Atomwaffen und alle Arten militärischen Handelns, für das Recht der Menschen in Korea auf Selbstbestimmung und für eine Zukunft voller Hoffnung.
Jesus, Erlöser der Welt, wir bringen vor dich die Menschen in Korea, von Unggi im Nordosten bis nach Seogwipo auf der Insel Jeju im Süden. Du kennst sie alle beim Namen. Du kennst die Schmerzen, die sie durch all die Ungerechtigkeit und die Spaltung erleiden. Familien werden auseinandergerissen und wissen nicht, worüber sich die jeweils Anderen freuen oder worunter sie leiden. Die Vorurteile tragen die bitteren Früchte der Angst vor dem Anderen.
Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen auf der koreanischen Halbinsel und beten für ein Ende der Spaltung, für Möglichkeiten, einander neu kennenzulernen und in den Anderen den Bruder, die Schwester zu erkennen, für Versöhnung und für Heilung.
Heiliger Geist, Ursprung aller Neubeginne, wir bringen vor dich die Menschen in Korea, von Unggi im Nordosten bis nach Seogwipo auf der Insel Jeju im Süden. Du kennst sie alle beim Namen und weißt um ihre Sehnsucht nach einem Leben in voller Genüge und wiederhergestellten Beziehungen. Und du weißt um das Leid auf der Erde, das ausgelöst wird durch Militärpräsenz und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen.
Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen auf der koreanischen Halbinsel und beten für Heilung – nicht nur für die Heilung der Seelen, sondern auch für Heilung für die Natur und für neue Arten, in Harmonie miteinander und mit der Erde zu leben.
Dreieiniger Gott, Gott der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens, erhöre unser Gebet.
Bischöfin Rosemarie Wenner, Sekretärin des Weltrats methodistischer Kirchen in Genf

Dieser Artikel und das Gebet sind dem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche – Nummer 12/2020 vom 7. Juni 2020 – entnommen. Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit 


Die Autoren
Iris M. Hahn lebt in Augsburg und ist Ko-Redakteurin des zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazins »Unterwegs«. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Gebete für Korea - Ökumenischer Rat der Kirchen