Von der Mission mit zur Mission für die Menschen

Von der Mission mit zur Mission für die Menschen

Mission International

Von der Mission für zur Mission mit den Menschen

Die christlichen Kirchen wachsen – vor allem in den ehemaligen Missionsgebieten in Afrika und Asien. Gleichzeitig kommen viele Christen aus diesen Ländern nach Europa und in die USA.

Deshalb muss sich auch unsere Vorstellung von »Mission« verändern, sagt Thomas Kemper. Er leitet die internationale EmK-Weltmission.

Die christliche Mission – die Mission Gottes – ist über die Generationen und Jahrhunderte unverändert geblieben: Sie will Gottes Gnade, die in Jesus Christus allen Völkern offenbar geworden ist, mit allen Menschen teilen und sie ihnen zugänglich machen. Durch Mission tragen wir dazu bei, dass die Liebe zu Gott und zum Nächsten wächst. Für Methodisten schließt das die besondere Betonung der persönlichen und gesellschaftlichen Heiligung ein.

Der christliche Sendungsauftrag

Das Verständnis und die Praxis der Mission werden immer durch äußere Bedingungen beeinflusst. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist unser missionarisches Engagement vor allem von vier Faktoren bestimmt, die sich wechselseitig beeinflussen. Dazu gehören demografische Veränderungen und globale Migration, Veränderungen der weltweiten Kirchenlandschaft, wirtschaftliche und soziale Fragen, vermehrte Kooperationen zwischen Kirchen, Gemeinden und Werken.

Demografie

Vor 100 Jahren lebten die meisten Christen – damals ein Drittel der Weltbevölkerung – in Europa und Nordamerika. Auch heute sind ein Drittel der Weltbevölkerung Christen, die meisten leben aber auf der südlichen Erdhalbkugel, wobei ihre Zahl in Afrika am schnellsten wächst. Während der legendären Konferenz für Weltmission in Edinburgh im Jahre 1910 ging man davon aus, dass Missionare vom »Zentrum« – also Europa und Nordamerika – in die entlegenen Gebiete – Afrika und Asien – gesandt werden. Dieses Modell funktioniert heute nicht mehr.

Hinzu kommt, dass es heute große Wanderungsbewegungen gibt. Das wirkt sich direkt auf Evangelisation und die Entwicklung der Kirchen aus. Methodisten aus Afrika wandern nach Deutschland oder in andere europäische Länder aus; das erneuert unseren Glauben und fordert uns gleichzeitig kulturell heraus. Die Kirchen in den USA lernen gerade, wie sie die wachsende lateinamerikanische Bevölkerung erreichen können. Es gibt von Flüchtlingen gegründete EmK-Gemeinden nicht nur in Afrika, sondern auch in Kanada und Neuseeland. Zurückgekehrte Flüchtlinge haben die Verantwortung für die jetzt begonnene missionarische Arbeit der EmK in Vietnam und Laos übernommen.

Die Kirchen, die außerhalb Europas und Nordamerikas entstanden sind, sind erwachsen geworden und nehmen ihren eigenen Platz in der Mission Gottes ein. Missionare gehen inzwischen von überall nach überall. Rund die Hälfte der Missionare, die dem General Board of Global Ministries (GBGM) verbunden sind, kommen nicht aus den USA. So gibt es zum Beispiel Missionare aus Zimbabwe in Kambodscha, aus China in den USA und aus Brasilien in der Schweiz.

Der Heilige Geist ruft nicht nur Menschen aus wohlhabenden Ländern. Wir lernen gerade, wie wertvoll es ist, Missionare aus den ehemaligen Randgebieten des Christentums unter uns zu haben. Auch das aktuelle Dokument zu Mission und Evangelisation des Weltrats der Kirche macht das deutlich: »Heute fordern Menschen von den Rändern der Welt ihren deutlichen Einfluss als Vertreter der Mission und zeigen damit, dass Mission sich immer verändert. Diese Umkehrung des Missionsverständnisses hat eine starke biblische Begründung: Gott hat die Armen und Machtlosen ausgewählt, damit sie seine Mission der Gerechtigkeit und des Friedens weitertragen, damit das Leben blühen kann.«

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen

»Mission von den Rändern« deckt sich mit dem gegenwärtigen Kurs der EmK, der den Dienst »mit den Armen« und nicht »für die Armen« oder »an den Armen « betont. Diese Einstellung würdigt die Werte und Gaben der Menschen, die allzu oft an den Rand gedrängt werden und vermittelt einen Eindruck davon, dass alle Menschen in Gottes Mission eingebunden sind.

Mission heute ist auch geprägt von dem Bewusstsein, dass die Kirche in einer ungerechten und geteilten Welt wirkt – in einer Welt der gewaltigen Ungleichheit zwischen dem Norden und dem Süden. Wir denken oft darüber nach, wie die Reicheren den Ärmeren helfen können und machen uns dabei selten bewusst, wie sehr schon allein diese Unterscheidung die Strukturen unserer Missionsarbeit formt.

Methodisten haben eine lange Tradition darin, die Arbeit mit wirtschaftlich benachteiligten Menschen zu achten. John Wesley war kein Verfechter der Armenfürsorge; vielmehr setzte er sich gegen Ausbeutung am Arbeitsplatz ein und dafür, dass sozial Benachteiligte eine ordentliche Schulbildung und Berufsausbildung erhalten. Damit sollten sie befähigt werden, ihre Lebenssituation zu verbessern. Wesley war ein großer Freund von Hilfsfonds, die mit Krediten besonders Frauen halfen, ein eigenes Geschäft zu gründen. Die Kirche engagiert sich auch heute noch in solchen Initiativen. Natürlich helfen wir auch Menschen in Not. Aber wir wollen nicht in erster Linie Almosen verteilen. Es geht uns um die christliche Liebe und den Respekt.

Missionspartnerschaften

Die Idee des Dienstes »mit den Menschen« betont die große Bedeutung von Partnerschaften und Kooperationen in der Mission. Partner sind auf allen Ebenen der Kirche nötig. Diese Beziehungen erinnern uns daran, dass die Kirche überall auf der Welt zuhause ist und dass sie an jedem Ort die Ganzheit der Glaubensfamilie zeigt. Gemeinden, Jährliche Konferenzen und Zentralkonferenzen brauchen solche Partner. »Global ministries « unterstützt solche Partnerschaften, und es braucht dabei auch selbst Partner.

Die weltweite Ausrichtung des GBGM ermöglicht Kooperationen über Grenzen hinweg. So baut »Global Ministries« derzeit Kontaktbüros in Jerusalem und Hongkong auf. In Jerusalem arbeiten wir dabei mit der Britischen Methodistischen Kirche und dem Weltrat Methodistischer Kirchen zusammen. Damit wollen wir uns für Frieden und Gerechtigkeit in diesem Gebiet einsetzen; zudem können wir so direkte Informationen über den Konflikt zwischen Israel und Palästina weitergeben und bessere Anwälte für Gerechtigkeit und Versöhnung sein. Auch können wir Kontakte zwischen Methodisten und einheimischen Christen knüpfen. In Hongkong arbeiten wir mit der Unabhängigen Methodistischen Kirche von Hongkong zusammen. Dort wollen wir zum einen unsere Solidarität mit Christen in China zeigen und auch näher an unseren Mitarbeitenden in Ostasien sein.

Während ich diese Zeilen schreibe, fliege ich zurück von einem Besuch bei der wachsenden Kirche in China. Es waren erstaunliche und sehr bewegende Begegnungen mit einer Kirche, die aus den furchtbaren Jahren der Verfolgung während der Kulturrevolution gestärkt und lebendiger als zuvor hervorgegangen ist. In China gehören rund 60 Millionen Menschen zu registrierten und nicht-registrierten Kirchen. Während des Besuchs nahm ich an einem Gottesdienst in einer Gemeinde in Peking teil, die 1982 mit 300 Gliedern wiedergegründet wurde und zu der heute 6.000 Menschen gehören. Dieser Gottesdienst erinnerte mich eindrücklich an das Versprechen, das Jesus seinen Jüngern gegeben hat: »… bis an der Welt Ende« (Matthäus 28).

Thomas Kemper

Foto: UMNS / Mike DuBose