Die Mitglieder des Runden Tischs werteten die ersten Ergebnisse der Entscheidungen des Kirchenvorstands aus: Die Zeichen stehen weiter »auf Grün«.

Die Mitglieder des Runden Tischs werteten die ersten Ergebnisse der Entscheidungen des Kirchenvorstands aus: Die Zeichen stehen weiter »auf Grün«. – Das Bild zeigt eine Fußgängerampel in Fulda. In dieser Stadt erarbeitete der Runde Tisch die entscheidenden Vorschläge für die EmK in Deutschland zur Lösung der strittigen Fragen in der Homosexualitätsdebatte.

Auswertung des Runden Tischs

Das »Einander-verstehen-Lernen« geht weiter

Ende September fand eine erste Auswertung der vom »Runden Tisch« angestoßenen Entscheidungen statt. Eine »Komponente« wartet noch auf Bearbeitung.

Im November vergangenen Jahres hatte der für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Deutschland zuständige Kirchenvorstand die vorläufig gültige Öffnung der Ordnung in sexualethischen Fragen und die Bildung eines Gemeinschaftsbunds mit konservativer Prägung beschlossen. Der Beschluss, trotz unterschiedlicher Auffassungen die Einheit der Kirche zu wahren, folgte einer Vorlage, die der dafür eingesetzte »Runde Tisch« über anderthalb Jahre hinweg in mehreren Sitzungen erarbeitet hatte. Ende September erfolgte eine erste Auswertung durch die Mitglieder des Runden Tischs. Jetzt liegt der Bericht vor.

Weitreichende Aufmerksamkeit

Der von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland eingeschlagene Weg habe »über die eigenen Gemeindegrenzen hinweg sowohl in Deutschland und Europa als auch innerhalb der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche« Beachtung gefunden, heißt es im jetzt vorliegenden Bericht. Angesichts der zurückgelegten Wegstrecke, werden die Gemeinden der EmK in Deutschland weiterhin dazu aufgefordert, »sich immer wieder bewusst zu machen, dass unser innerkirchliches Reden, Streiten und Beten die Einheit der Kirche trotz unterschiedlicher Meinungen zum Ziel hat«.

»… dass es den anderen geistlich gutgeht«

Positiv wertet der Runde Tisch die im Februar dieses Jahres erfolgte Gründung des »Gemeinschaftsbunds der EmK«, dem sich einzelne Kirchenglieder sowie Gemeinden oder Bezirke anschließen können, um mit ihrer konservativen Prägung in sexualethischen Fragen weiterhin innerhalb der Kirche eine Heimat zu haben. Die innerkirchliche Kommunikation darüber sei, so heißt es in dem Bericht, »in den ersten Wochen nach dessen Gründung nicht immer ganz gemeinschaftsfördernd« gewesen. Es habe den »Vorwurf der Spaltung« gegeben, mit dem sich »Geschwister aller vorhandenen Überzeugungen« konfrontiert sahen. Deshalb plädierten die Mitglieder des Runden Tischs »weiterhin für einen offenen Dialog«, der »gerecht ist, Vertrauen schafft und mit Ausdauer geführt wird«. Dazu sei »das ehrliche Ringen« nötig, »dass es den anderen Geschwistern geistlich gutgeht«.

Vertrauen in die Entscheidung der Zentralkonferenz

Der von der Süddeutschen Jährlichen Konferenz beschlossene Antrag an die Zentralkonferenz, die Mitgliedschaft im Gemeinschaftsbund nur Einzelpersonen zu ermöglichen, nicht aber Gemeinden und Bezirken, war ebenfalls Gegenstand der Auswertung und Beratungen. Nachdem die Ostdeutsche und auch die Norddeutsche Jährliche Konferenz sich nicht dem Votum aus Süddeutschland anschlossen, ließe sich »derzeit kein Handlungsauftrag« für weitere Beratungen in diesem Punkt des aktuellen Kirchenvorstandsbeschlusses herleiten, so der Bericht. Der Runde Tisch setze »sein Vertrauen ebenfalls auf die Entscheidung der Zentralkonferenz« im Herbst des kommenden Jahres. 

Suche nach Antwort als »Herzensangelegenheit für alle«

Bei aller positiven Beurteilung der zurückgelegten Wegstrecke müsse jedoch »eine weitere Komponente« noch stärker »in den Blick genommen« werden. Dabei gehe es um »die Grundfrage, wie wir in der EmK mit unserer Unterschiedlichkeit umgehen wollen«. Mit einem Brief hatten »die beiden homosexuellen Geschwister am Runden Tisch« auf die in der Kirche und den Gemeinden noch immer nicht genügend beachtete Situation Homosexueller hingewiesen. »Die Suche nach einer Antwort« greift der Bericht auf und erklärt, dass dieses Anliegen »für alle« zu einer »Herzensangelegenheit« werden solle. Das »Einander-verstehen-Lernen« müsse noch weitergehen.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Der Autor

Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links

Bericht des Runden Tischs vom 24. September 2021 
Ausführliche Dokumentation unter »Dokumente zum Klärungsprozess hinsichtlich der Beurteilung von Homosexualität in der EmK«

Zur Information

Der Runde Tisch für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Deutschland war im März 2019 eingesetzt worden. Anlass hierfür war die kurz zuvor zu Ende gegangene außerordentliche Generalkonferenz, die im Februar 2019 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri ausschließlich zu Fragen der Homosexualität getagt hatte. Dabei waren die traditionelle Sichtweise in Fragen von Eheschließung und Ordination Homosexueller bestätigt und weitergehende Disziplinarmaßnahmen bei Zuwiderhandlung beschlossen worden. Diese Entscheidung führte in der EmK weltweit zu starken Auseinandersetzungen.
Der für die EmK in Deutschland zuständige Kirchenvorstand hatte daraufhin erklärt, »dass wir in der Bewertung von Homosexualität weder im Kirchenvorstand noch in der Gesamtkirche einig sind«. Es gebe große Gruppen in der EmK, die entgegengesetzter Meinung in dieser Frage seien. Deshalb sei zu befürchten, »dass das auch auf absehbare Zeit so bleiben wird«. Für das vom Kirchenvorstand erklärte Ziel, als Kirche zusammenzubleiben, »in der Menschen unterschiedlicher Auffassungen miteinander leben können« wurde ein Runder Tisch angeregt, der von Bischof Harald Rückert einberufen, der seine Beratungsergebnisse Mitte des Jahres 2019 vorlegte. Ziel der Vorschläge war ein versöhntes Miteinander im deutschen Teil der EmK.
Im November 2020 machte sich der Kirchenvorstand die Vorschläge zu eigen und beschloss, die wenigen Passagen mit negativen Aussagen zum Thema Homosexualität sowie die dazugehörigen Verbote kirchlicher Handlungen vorläufig außer Kraft zu setzen. Außerdem sollte in der Ordnung der Kirche die Neuformierung eines »Gemeinschaftsbunds« innerhalb der EmK in Deutschland verankert werden, der besonders in Fragen von Sexualität und Ehe eine ausdrücklich konservative Profilierung haben wird. Im Februar 2021 wurde dieser Gemeinschaftsbund gegründet.
Für die weitere Arbeit des Runden Tischs sind bis Herbst 2022 drei weitere Treffen vereinbart.

Fulda gehört zu den Städten, die eine behördliche Genehmigung für »besondere Ampelmännchen« an den Lichtzeichenanlagen der Fußgängerüberwege haben. Dort ziert eine Figur mit Kreuz und Bischofsstab die Aufforderung zum Stehen und Gehen. Die Stadt erinnert damit an den heiligen Bonifatius. Der als »Apostel der Deutschen« verehrte Heilige (* um 673, † 754/755) gründete dort ein Kloster, das der am gleichnamigen Fluss gelegenen Stadt eine bis heute nachwirkende Bedeutung bescherte.