Bibel lesen, singen, beten – geht Gemeinde auch digital? Diese Frage nimmt eine Initiativgruppe auf, um eine »Online-Gemeinde« zu entwickeln. Interessierte sind zur Mitwirkung eingeladen.

Bibel lesen, singen, beten – geht Gemeinde auch digital? Diese Frage nimmt eine Initiativgruppe auf, um eine »Online-Gemeinde« zu entwickeln. Interessierte sind zur Mitwirkung eingeladen.

Gemeinde im digitalen Raum

Eine neue Form kirchlicher Heimat

Viele Menschen nutzen ganz selbstverständlich digitale Angebote. Ihnen ein digitales Gemeindeformat anzubieten, ist das Anliegen einer Initiativgruppe.

Eine Initiativgruppe »Online-Gemeinde« lädt für die kommende Woche am Samstag, dem 20. März, Interessierte zu einem ersten Treffen ein. Passend zu den Überlegungen für ein digitales Gemeindeangebot findet auch das Treffen digital statt.

Der Alltag ist schon digital

Mit dem zu entwickelnden Angebot sollen laut Informationen aus der Vorbereitungsgruppe nicht einfach bekannte Formen des Gemeindelebens übergangsweise im Internet angeboten werden. Es gehe um »neue Formen kirchlicher Räume in der digitalen Welt«. Auch ohne die Pandemie verstünden immer mehr Menschen die digitalen Möglichkeiten als einen wichtigen Teil ihres Lebensraums. Deshalb, so die Initiatoren, werde es »höchste Zeit, dass wir als Kirche dort ganz eigene Räume gestalten und für Interessierte öffnen«.

Digitale Angebote sind grenzenlos

Positive Erfahrungen während der Pandemie sollen bei der Gestaltung dieser digitalen Räume aufgenommen und gebündelt werden. Es sei ein Phänomen, dass manche Gemeinden über Gottesdienst-Streaming deutlich größeren Zuspruch als bei Präsenzgottesdiensten erleben würden. Digitale Angebote enden weder an Gemeinde- noch Konferenzgrenzen. Nicht selten finden im Netz Menschen aus weit entfernten Regionen Deutschlands und aus dem internationalen Bereich zusammen. Familien entdecken das gemeinsame geistliche Leben wieder. Kontakte aus früheren Begegnungen leben neu auf. Menschen in einer Diasporasituation finden in digitalen Räumen eine neue geistliche Heimat. Auch angesichts der Mobilität der Menschen sei die Vernetzung im digitalen Bereich keine Parallelwelt, sondern selbstverständlicher Teil des Lebens.

Theologische Fragestellungen

Die Mitglieder der Vorbereitungsgruppe signalisierten, dass sie die Vorbehalte gegenüber einer sich digital organisierenden Gemeinde in ihre Beratungen mit aufnähmen. Den damit verbundenen theologischen Fragestellungen werde man sich stellen. Es gehe dabei um Fragen, was Gemeinschaft im digitalen Raum bedeute, wie mit kirchlichen Sakramenten digital umgegangen werden könne oder ob mit diesem digitalen Angebot die sogenannte »Vor-Ort-Gemeinde« verzichtbar werde. Die Initiativgruppe rechnet damit, dass die Auseinandersetzung mit diesen Fragen auch das theologische Denken im Bereich traditioneller kirchlicher Arbeit befruchtet. 

Einladung zur Beteiligung

Angestoßen wurden die Überlegungen für eine sich im digitalen Raum formierende Gemeinde im Oktober des vergangenen Jahres im Rahmen der Tagung der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Jetzt lädt die Initiative Interessierte zur Mitwirkung ein. Dabei gehe es in erster Linie darum, Räume einzurichten und Formen anzubieten, die gebraucht werden, und weniger darum, fertige digitale Antworten zu liefern.

Bildnachweis: Stephan Ringeis


Der Autor
Stephan Ringeis ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Ostdeutsche Konferenz. Außerdem begleitet er Gemeinden als Pastor im Interimsdienst. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit.ojk(at)emk.de.

Zur Information
Die Initiativgruppe »Online-Gemeinde« trifft sich erstmalig am Samstag, dem 20. März 2021, 9:30 Uhr
Anmeldung bis zum 18. März über oeffentlichkeitsarbeit.ojk(at)emk.de. Der Zugangscode für das digital stattfindende Treffen wird rechtzeitig zugesandt.