Zoltán Kurdi (57) ist Pastor der EmK in Pécs im Südosten Ungarns.

Zoltán Kurdi (57) ist Pastor der EmK in Pécs im Südosten Ungarns. Mit seiner Frau Erika, mit der er seit 37 Jahren verheiratet ist, hat er drei erwachsene Kinder.

Geschichten aus der EmK in Ungarn

Im Unerwarteten Gottes Wirken erkennen

Zoltán Kurdi, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Ungarn, wurde schon oft vom Unerwarteten beschenkt.

»Man muss das Unerwartete zulassen, um das Wunder des Lebens vollständig zu verstehen«, sagt Paulo Coelho. Zoltán Kurdi, ungarischer Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), wurde wohl schon zu oft vom Unerwarteten beschenkt, als dass er dem brasilianischen Schriftsteller widersprechen würde.

Gott sollte eingreifen – aber er tut es ganz anders

Wenn ein Satz mit »eigentlich …« beginnt, ist das Unerwartete nicht fern. Auch im Leben von Zoltán Kurdi war das nicht anders. Eigentlich war er Lehrer und hatte fünfzehn Jahre lang junge Menschen durch die Gegenwart begleitet und für ihre Zukunft vorbereitet. Doch dann hatte er den Eindruck, Gott würde ihn in den pastoralen Dienst rufen. Vertrauensvoll und zuversichtlich machte er sich auf den neuen Weg – und erlebte, wie Gott gerade das Unerwartete immer wieder in Segen verwandelte. Seit 21 Jahren ist er nun evangelisch-methodistischer Pastorin Ungarn und zusätzlich koordiniert er die landesweite Arbeit mit Angehörigen der Roma-Minderheit.

Wie alles begann? Es war in den 1990er-Jahren. Ein Einwohner der rund neunzig Kilometer südöstlich von Budapest gelegenen Kleinstadt Abony hatte eine Rechtsaußen-Partei gegründet. Auf Flugblättern forderte sie ein Ende der Duldung der Roma-Bevölkerung, deren räumliche Konzentration in einem abgetrennten Gebiet und die Umsetzung weiterer Beschränkungen. Dies schürte im ganzen Land einen großen Hass gegenüber der Roma-Bevölkerung. Zoltán Kurdi und seine Ehefrau, die damals in Abony wohnten, waren zutiefst aufgewühlt. Eigentlich baten sie Gott um sein Eingreifen. Stattdessen beauftragte Gott dann die beiden, den Roma zu zeigen, wie sehr Gott sie liebt. Sie taten dies. Und weil sich immer mehr Roma Gott zuwandten, entstand eine bis heute existierende Gemeinde. Die Rechtsaußen-Partei hingegen wurde 2005 vollständig aufgelöst.

Ein Busfahrer schämt sich

Die erste Dienstzuweisung als EmK-Pastor führte Zoltán Kurdi im Jahr 2000 in die Roma-Gemeinde von Alsózsolca im Nordosten Ungarns. Durch das Wirken Gottes entstand dort eine Gebetsbewegung mit erstaunlichen Folgen. Ein junger Mann namens László und dessen Verwandte, die bis dahin einträgliche Unterhaltungsmusik gespielt hatten, beschlossen, ihre musikalischen Talente voll und ganz in die Gemeinde einzubringen. László wurde von Gott in den vollzeitlichen Dienst berufen, und wirkt seither als Pastor dieser Gemeinde. Der Glaube vieler wurde tiefer, aufrichtiger, ehrlicher.

Eine Gruppe stieg beispielsweise auf dem Rückweg von einer Kirchenfreizeit in einen Bus. Der Fahrer, geprägt von seinen Vorurteilen, bot den Roma an, kein Ticket kaufen zu müssen, wenn sie ihm die Hälfte des Fahrpreises gäben und er das Geld in die eigene Tasche stecken könne. Eine klassische Win-Win-Situation also, dachte er. Die Roma jedoch waren empört. Sie würden dieses unmoralische Angebot nicht annehmen – schließlich kämen sie gerade von einem »Gottes-Camp«. Der Fahrer schämte sich, dass die vielgescholtenen Roma ehrlicher waren als so mancher weiße Ungar.

Eheschwierigkeiten mit segensreichen Folgen

Im Jahr darauf zog Familie Kurdi ins vierhundert Kilometer entfernt gelegene Kaposvár im äußersten Südwesten des Landes. Eine Frau der dortigen Gemeinde hatte Jahre zuvor einen obdachlosen jungen Mann aufgenommen. Nachdem dieser sich sehr positiv entwickelt hatte, zog er mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern weg. Gott und ihre frühere Gemeinde waren schon ziemlich in die Ferne gerückt, als die beiden in eine ernste Ehekrise gerieten. Zoltán Kurdi hörte davon, nahm Kontakt mit dem Ehepaar auf, und dank Gottes Hilfe wurde die Ehe gestärkt.

Dann zog die Familie, mit neuen Perspektiven, ins dreißig Kilometer von Kaposvár entfernte Kürtöspuszta um. Dort hatte sich ihnen die Möglichkeit eröffnet, ein Haus zu kaufen. Aber das Leben in diesem kleinen Roma-Dorf »hinter dem Rücken Gottes«, wie es die Bevölkerung selber formuliert, war geprägt von Lügen, Verbrechen, Alkoholismus und großer Armut. Zoltán Kurdi besuchte die Familie weiterhin regelmäßig und verband dies mit Kontakten zu den Kindern und Armen des Dorfes. Erneut trug Gottes Liebe Früchte. Eine lebendige Gemeinde wuchs heran. Jedes Jahr werden Camps durchgeführt, und immer wieder gelingt es, Böses mit Gutem zu überwinden. Kürtöspuszta ist heute ein Missionszentrum, in das jedes Jahr auch junge Menschen von anderen Orten hinfahren, weil sie, wie sie selber sagen, die Roma mindestens so sehr brauchen wie diese sie. – Eigentlich hatte Zoltán Kurdi ja nur einem Ehepaar in Schwierigkeiten helfen wollen.

Mensch und Tier erfahren Hilfe

Im Jahr 2015 erfolgte erneut ein Umzug. Jetzt ging es 65 Kilometer weiter südöstlich nach Pécs. Wieder hieß es, Neues zu wagen und Unerwartetes zuzulassen. Eine aus Studenten bestehende Jugendgruppe entstand. Zwei Jahre später waren einige der Mitglieder bereit, Zoltán Kurdi nach Drávaszabolc zu begleiten, ein rund dreißig Kilometer weiter südlich gelegenes Dorf an der Grenze zu Kroatien. In der dortigen Bibliothek erzählten sie den Menschen von der Liebe Gottes. Wieder berührte Gott viele Herzen. Eine fünfzigjährige Frau wurde von ihrer Drogensucht befreit. Sie, die zuvor mehrfach ihrem Leben ein Ende setzen wollte, verbreitet nun mit eigenen Liedern Hoffnung. Auch das ernsthaft verletzte Pferd eines Gemeindegliedes erfuhr Heilung – und dies, nachdem der Transport zum Schlachthaus bereits geplant war. Gott hatte die Gebete erhört und Davids Lied aus Psalm 36 ganz real werden lassen: »Mensch und Tier erfahren deine Hilfe, Herr« (Vers 7). Manchmal ist tatsächlich gerade das Unerwartete eine Sprache, in der Gott zu den Menschen spricht.

Bildnachweis: EmK Ungarn


Die Autoren

Zoltán Kurdi ist Pastor in Pécs und László Khaled ist Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche in Ungarn. Urs Schweizer arbeitet in Zürich als Assistent von Dr. Patrick Streiff, der als Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa zuständig ist, zu der die Jährliche Konferenz Ungarn gehört. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links

Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa – Information Ungarn
Homepage der EmK Ungarn (Ungarisch)