Professor Dr. Hans Jörg Urban (1940 – 2021)

Professor Dr. Hans Jörg Urban (1940 – 2021), erster römisch-katholischer Mitarbeiter der Ökumenischen Centrale der ACK und später Direktor des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik, ist im Alter von 80 Jahren verstorben.

Freund der Minderheitenkirchen

Ökumene ist »mehr als zwei«

Im Alter von 80 Jahren verstarb der Ökumeniker Hans Jörg Urban. Dass die Freikirchen in der Ökumene mehr ins Blickfeld kamen, ist auch ihm zu verdanken.

Hans Jörg Urban, der erste römisch-katholische Mitarbeiter der Ökumenischen Centrale der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Frankfurt am Main, ist am 13. August 2021 in Paderborn im Alter von 80 Jahren verstorben.

Die Minderheitenkirchen ins Blickfeld rücken

Urban studierte in München katholische Theologie und wurde an der Theologischen Hochschule Sant’Anselmo in Rom mit einer Arbeit über die Lehrautorität der Kirche in der zeitgenössischen evangelischen Theologie promoviert. Auf Bitten des Paderborner Erzbischofs Lorenz Kardinal Jaeger war Urban von 1972 bis 1975 der erste Beauftragte der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz in der Frankfurter Zentrale der ACK. In dieser Zeit und darüber hinaus setzte er sich sehr für die partnerschaftliche und vertrauensvolle ökumenische Einbindung der Freikirchen in die Arbeit der ACK ein. Ausgangspunkt für dieses Engagement waren seine persönlichen Begegnungen mit Vertretern der Freikirchen in der örtlichen Frankfurter ACK.

Später, als Direktor des Paderborner Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik, war es ihm immer ein Anliegen, dass Ökumene »mehr ist als zwei«, Ökumene also neben der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Römisch-katholischen Kirche auch die Minderheitenkirchen umfasst. Das zeigte er auf so unterschiedlichen Ebenen wie der wissenschaftlichen Theologie oder in der konkreten Gemeindepraxis. Als Initiator und Mitherausgeber der inzwischen vier Bände »Dokumente wachsender Übereinstimmung« verortete er die deutschen Minderheitenkirchen durch die ins Deutsche übersetzten Texte der Dialoge auf Weltebene auch auf der wissenschaftlichen Ebene. Für die in den Gemeinden tätigen römisch-katholischen Theologen organisierte er erfolgreich »Intensivkurse Ökumene«.

»Rubrik Freikirchen« in der KNA-Berichterstattung – selbstverständlich

Im März dieses Jahres fand in Paderborn das inzwischen zehnte Symposium zwischen katholischen und freikirchlichen Wissenschaftlern statt. Diese alle zwei Jahre stattfindenden Treffen beschäftigen sich mit typischen theologischen Fragen, die für »beide Seiten« relevant sind. Urban war einer der beiden Initiatoren für diese seit nunmehr fast zwanzig Jahren stattfindenden Gespräche.

Auf publizistischer Ebene sorgte er dafür, dass die in Verbindung mit dem Paderborner Institut wöchentlich von der Katholischen Nachrichten-Agentur herausgegebene »Ökumenische Information« (KNA-ÖKI) neben den Abteilungen Orthodoxie und Landeskirchen eine Rubrik Freikirchen in die Berichterstattung aufnahm und mittlerweile selbstverständlich über die Freikirchen berichtet.

Die ökumenisch offenen Minderheitskirchen haben dem jetzt im Alter von 80 Jahren verstorbenen römisch-katholischen Ökumeniker viel zu verdanken.

Bildnachweis: Ronald Pfaff (Archivfoto Erzbistum Paderborn)


Die Autoren

Karl Heinz Voigt ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche und lebt im Ruhestand in Bremen. Der in der Ökumene stark engagierte Theologe und Historiker ist Autor vieler Veröffentlichungen über die Geschichte des Methodismus. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links

Nachruf der ACK 
Nachruf des Erzbistums Paderborn  
Nachruf des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik 
Freikirchen-Symposien