Zum Schulungsprogramm für multikulturelle Gemeindearbeit traf sich im August eine internationale Gruppe im Bildungs- und Begegnungszentrum der Evangelisch-methodistischen Kirche in Stuttgart.

Zum Schulungsprogramm für multikulturelle Gemeindearbeit traf sich im August eine internationale Gruppe. Das Gruppenbild entstand vor dem Tagungszentrum, dem Bildungs- und Begegnungszentrum der Evangelisch-methodistischen Kirche in Stuttgart.

Multikulturelle Gemeindearbeit

Unterwegs auf einer Reise ins Ungewisse

Migration verändert die kirchliche Arbeit. Dazu fand im August in Stuttgart eine internationale Fortbildung für multikulturelle Gemeindearbeit statt.

Während der letzten Jahre führten Migrationsbewegungen über Ländergrenzen hinweg zu einem tiefgreifenden, mancherorts deutlich sichtbaren demografischen Wandel. In ganz Europa sind zahlreiche Städte und Kommunen betroffen vom Zustrom asylsuchender Kriegsopfer, arbeitssuchender Wirtschaftsmigranten und anderer, die sich zu einer Reise ins Ungewisse aufmachten.

Fortbildung, Unterstützung und Austausch

Geplant oder zufällig stehen Kirchengemeinden häufig an vorderster Front, wenn Städte und Kommunen mit Migration konfrontiert sind. Manche Kirchengemeinden öffnen ihre Türen und begrüßen Neuankömmlinge mit Begeisterung. Andere haben Mühe damit, Menschen zu integrieren, die auf der Reise ins Ungewisse in ihrer Nähe gelandet sind.

Mit dieser Herausforderung beschäftigten sich Ende August elf Pastoren und Pastorinnen aus ganz Europa in Stuttgart bei einer Fortbildungswoche. Vor zwei Jahren fand dieses Schulungsprogramms für multikulturelle Gemeindearbeit (Institute for Multicultural Ministry) zum ersten Mal statt. Durch eine Initiative des internationalen Missionswerks (General Board of Global Ministries, GBGM) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) wurde diese Fortbildung mit kirchlichen Partnern in Europa aus der Taufe gehoben, um Personen in der Leitung internationaler, multikultureller Gemeinden anzuleiten, auszubilden und zu unterstützen. Das einwöchige Programm bot Vorträge über Theologie und Migration, Arbeitsgruppen zu Praxisthemen, Übungen zur Feier multikultureller Gottesdienste sowie Gruppendiskussionen und Zeit zur Gemeinschaft und zum Austausch.

Wie die von ihnen geleiteten Gemeinden repräsentierten die Teilnehmer der Schulung eine große Vielfalt. Unter ihnen befanden sich ein junger Mann aus Ghana, der eine englischsprachige Arbeit im finnischen Helsinki leitet, ein US-Amerikaner, der eine dänischsprachige Gemeinde in Norddänemark leitet sowie eine Südafrikanerin, die als Pastorin einer internationalen Gemeinde im schweizerischen Basel wirkt.

Internationales Team

Geleitet wurde die Fortbildung von einem Mitarbeiterteam aus Vortragsrednern und Gruppenleitern, die von theologischen Ausbildungsstätten der EmK und ökumenischer Partner aus ganz Europa und den Vereinigten Staaten kamen. Hauptredner war Robert Hunt, Direktor des Lehrstuhls für Weltweite theologische Bildung an der Perkins School of Theology in Dallas im US-Bundesstaat Texas. In einem zweiteiligen Vortrag ging es um die »Missio Dei«. Mit diesem Begriff der Missionstheologie wird deutlich gemacht, dass Mission im Auftrag Gottes geschieht, also » Mission Gottes« ist, und nicht eine Veranstaltung der Kirche. Hunt forderte die Teilnehmer dazu auf, Gottes Mission unter dem Blickwinkel der jeweiligen Situation zu betrachten, in denen Gemeinden direkt von Migration betroffen sind.

Um Fragen der Seelsorge und Konfliktlösung in multikulturellen Gemeinden ging es den beiden Referenten von der Theologischen Hochschule Reutlingen. Stephan von Twardowski, Professor für Systematische Theologie, und Gabriele Mayer, die Lehrbeauftragte für Interkulturelle Kommunikation, stellten neue ethische Ansätze für die kirchliche Arbeit vor.

Ein Vortrag von Knut Refsdal beschäftigte sich mit den Grundlagen biblischer Auslegung und wie die Bibel persönlich gelesen wird. Der Pastor und Bezirkssuperintendent der EmK in Norwegen beschrieb, wie komplex die Auslegung der Heiligen Schrift in einem multikulturellen Kontext ist.

Gute Balance zwischen Theorie und Praxis

Rückmeldungen von Teilnehmern der Fortbildung bringen zum Ausdruck, wie hilfreich die Schulung empfunden wurde. So erklärte Carin Hemmati, Pastorin einer internationalen ökumenischen Gemeinde in Schweden, dass »ich Hilfsmittel an die Hand bekam, die ich in verschiedenen Bereichen meiner kirchlichen Arbeit anwenden kann, vom gemeinsamen Bibellesen mit Personen aus verschiedenen Kulturen bis hin zur Bewältigung von Problemen und zur Konfliktlösung«, die in interkulturellen Begegnungen und aufgrund unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen entstünden.

Sehr gut wurde die Balance zwischen wissenschaftlichen Vorlesungen, intensiven Diskussionen, praktischen Impulsen und gelebter Gemeinschaft empfunden. »Mir hat die Mischung aus Vorlesungen und der Möglichkeit zur Mitwirkung gefallen«, erklärte ein Teilnehmer. Besonders habe ihm das gemeinsame Bibelstudium gefallen. »Ich habe es wirklich geschätzt, mich mit dem Thema durch das Lesen der Heiligen Schrift zu beschäftigen und zu entdecken, wie wir einzelne Passagen jeweils verstehen.«

Auch die Referenten betonten, dass sie aus den Begegnungen wichtige Impulse mitnehmen: »Mit Pastoren, die internationale Gemeinden leiten, eine Woche zu verbringen, war eine großartige Erfahrung«, beschrieb Robert Hunt die gemeinsame Zeit. Die Informationen und das Feedback aus der Gruppe seien ihm sehr hilfreich dafür, »den Kontext und die Herausforderungen, mit denen unsere Kirche heute konfrontiert ist, besser zu verstehen«.

Bildnachweis: Üllas Tankler


Der Autor

John Calhoun ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche. Er kommt aus den Vereinigten Staaten und ist als Missionar im Auftrag des internationalen Missionswerks der EmK Pastor der englischsprachigen EmK-Gemeinde in Wien. Außerdem ist er Mitglied des Beirats des Schulungsprogramms für multikulturelle Gemeindearbeit. (Der Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Klaus Ulrich Ruof.) Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de