Die Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof als Sitzungsort der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz wirbt mit dem Slogan »Kirche in anderer Gestalt«.

Die Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof wirbt mit dem Slogan »Kirche in anderer Gestalt«. Dass diese Aussage für die Evangelisch-methodistische Kirche auch noch andere Dimensionen hat, zeigten die Inhalte des ersten Sitzungstags der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz.

Vom Entweder-Oder und vom Sowohl-als-auch

Zwei Schwerpunktthemen und der Gedenk-, Dank- und Willkommen-Abend bilden den ersten Sitzungstag der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz.

Am ersten Sitzungstag der »auf Schwarzenshof« tagenden Ostdeutschen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) stehen zwei Themen im Mittelpunkt: Die Erfahrungen in den Gemeinden während der inzwischen einjährigen Pandemiezeit sowie die Entscheidungen des deutschen EmK-Kirchenvorstands mit der Gründung des Gemeinschaftsbunds und der Öffnung der Kirche in sexualethischen Fragen. Den Tag beschließt ein Konferenzabend mit »Gedenken, Danken und herzlichem Willkommen«.

Menschen, die neu erreicht wurden, und andere kommen nicht mehr

»Faszinierend, wie unterschiedlich der anfängliche Schock wahrgenommen wurde«, war eine der Stimmen zu den Erfahrungen während der Pandemie. Mit einer thematischen Einführung zu verschiedenen Phasen der Trauer von Werner Philipp, Superintendent des Zwickauer Distrikts, und in Gesprächsgruppen stellten sich die Mitglieder der Konferenz den Auswirkungen der Pandemie im persönlichen und kirchlichen Alltag.

Die Äußerungen bewegten sich zwischen »plötzlicher Ruhe« und »Stress mit dem Umorganisieren des Familienlebens« bis hin zur Frage, ob nach den pandemiebedingten veränderten Gottesdiensterfahrungen »neue Formen und Zeiten« nötig seien, um das Gemeindeleben nach der Pandemie neu auszurichten. Es seien mit den Möglichkeiten digitaler Übertragung von Gemeindeprogrammen auch neue Menschen erreicht worden, »die sonst nicht in den Gottesdienst kommen«. Allerdings seien in der Zeit der Pandemie auch Menschen abgesprungen, sodass die Frage bewegt werden müsse, wie denen nachgegangen werden könne, »die nicht mehr kommen«.

Raum für Öffnung und Toleranz für konservative Überzeugung

In großer Offenheit berieten die Konferenzmitglieder die Ergebnisse des Runden Tischs, mit denen die Entscheidungen des Kirchenvorstands zur Gründung des Gemeinschaftsbunds sowie die Öffnung der Kirche hinsichtlich des Umgangs mit Homosexualität in der Kirche vorbereitet worden waren. Der Superintendent des Distrikts Dresden, Christhard Rüdiger, hatte dazu eine Präsentation vorbereitet, in der die Folgen von Entweder-Oder-Entscheidungen und von Sowohl-als-auch-Kompromissen beleuchtet wurden. Damit war der Grundtenor für die Gesprächsbeiträge gelegt. Viele Konferenzmitglieder beteiligten sich mit persönlichen Erfahrungen, Hoffnungen und Befürchtungen an der Aussprache.

Der in etlichen Voten wahrnehmbare Wunsch zielte darauf ab, dass der von den Mitgliedern des Runden Tischs praktizierte faire Umgang mit unterschiedlichen Überzeugungen sich auch in die Gemeinden hinein fortsetzen solle. So könnten Gemeinden die Öffnung der Kirche in sexualethischen Fragen befürworten, indem in der Ordnung der Kirche die restriktiven Passagen zur Homosexualität außer Kraft gesetzt werden. Gleichzeitig solle die Toleranz so weit gehen, dass Personen und Gemeinden mit einer konservativen Überzeugung in diesen Fragen ihren geachteten Platz und ihre geistliche Heimat in der Kirche haben. Alles andere wäre eine Diskriminierung solcher Gemeinden und Personen und ihnen gegenüber ein deutliches Signal, dass man sie nicht wirklich als eine Bereicherung der Gemeinschaft ansehe und sie auch nicht in der Kirche behalten wolle.

Spiegelbild lebendiger Dienstgemeinschaft

Der Konferenzabend zum »Gedenken, Danken und herzlichen Willkommen« war für die Verantwortlichen unter den Bedingungen einer virtuellen Veranstaltung als Internetübertragung eine besondere Herausforderung. Trotz der ungewohnten Form gelang es Superintendent Christhard Rüdiger und Distriktslaienführer Steffen Landrock zusammen mit Bischof Harald Rückert, an Menschen in angemessener Form zu erinnern, Dank für langjährige Dienste auszusprechen und der Freude Ausdruck zu verleihen, dass Menschen ihren Dienst in der Kirche beginnen.

Gedacht wurde verstorbener Personen aus der Dienstgemeinschaft: den Pastoren Lothar Schieck, Eduard Riedner, Gerhard Riedel und Pastorin Esther Roch; Anita Falk, Ehefrau von Pastor Gotthard Falk, und Daniel Meyer, Ehemann von Pastorin Christine Meyer-Seifert; den Diakonissen Christine Grünert und Ruth Rabold. Dienstjubiläen feierten Herbert Uhlmann und Friedhelm Kober (60 Dienstjahre), Andrea Petzold und Friedbert Fröhlich (40) sowie Eric Söllner und Claudia Küchler (25). Den Dienst beginnen Sandra Mauersberger und Sophie Reichelt als Gemeindepädagoginnen, Marcel Franke als Praktikant und Dorothea Föllner, die ihre Empfehlung zum Verbleib als Lokalpastorin erhielt.

Bischof Harald Rückert dankte für die vielfältigen Zeugnisse, Berichte, Einsichten und Erfahrungen, die ein Hinweis auf Gottes Güte seien. Ein gelungener Abend als Spiegelbild lebendiger Dienstgemeinschaft in der Ostdeutschen Konferenz.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Die Autoren

Stephan Ringeis ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Ostdeutsche Konferenz. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links

Tagung der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz

Zur Information

Die Ostdeutsche Konferenz umfasst rund 110 Gemeinden in 56 Bezirken mit über 12.000 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das Gebiet erstreckt sich von Erfurt bis Zittau und von Dessau bis Schöneck und Adorf im oberen Vogtland. Rund 150 Delegierte und Gäste nehmen an der Tagung teil.
www.emk-ojk.de