Bischof Sifredo Teixeira von der Methodistischen Kirche Portugals. Hier beim Staunen-Festival 2018 in der Nähe von Cuxhaven.

Bischof Sifredo Teixeira von der Methodistischen Kirche Portugals. Hier beim Staunen-Festival 2018 in der Nähe von Cuxhaven.

Angst und Zweifel allgegenwärtig

Von zu Hause aus Kirche sein

Der Europäische Rat methodistischer Kirchen verbindet Methodisten in ganz Europa. Aus Portugal berichtet der dortige Bischof über die Zeit der Pandemie.

»Man fühlte sich wie in einem Krieg, ohne zu wissen, woher der Feind kam«, schreibt Sifredo Teixeira. Der Bischof der Methodistischen Kirche Portugals berichtet, wie die kleine methodistische Kirche im äußersten Westen Europas die Corona-Pandemie erlebte und in dieser Zeit ihren Auftrag erfüllte.

Kirche leistet wertvollen Beitrag

Die Pandemie habe allen eine Erfahrung beschert, »an die wir nie gedacht hätten«. Angst habe sich ausgebreitet und »Zweifel an der Gegenwart und an der Zukunft waren allgegenwärtig«. Für die Gläubigen sei eine weitere Herausforderung zur Bewältigung des Alltags hinzugekommen. »Wir mussten von zu Hause aus Kirche sein«, bringt Teixeira es auf den Punkt. Die neuen Technologien seien in dieser Zeit eine wesentliche Hilfe für die Kommunikation und für das Zusammensein als Gemeinschaft der Gläubigen geworden.

Die Kirche habe »in dieser komplexen Zeit« einen sehr wertvollen Beitrag geleistet. Die Menschen hätten zu Hause an Online-Angeboten teilnehmen und untereinander Nachrichten austauschen können. Gegenseitige Ermutigung, gemeinsames Lesen in der Bibel und gemeinsames Gebet hätten den Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit gefördert. Menschen ohne Internetzugang wurden über Telefon begleitet, und einsame Menschen seien aufgesucht worden, um mit ihnen von der Straße aus zu sprechen. Besonders für alte Menschen, die selbst nicht mehr einkaufen konnten, sei die Kirche mit mobilen Hilfsdiensten dagewesen.

Überraschend viele Kindersegnungen

Es habe kirchliche Solidaritätsaktionen gegeben, um Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen und ihnen in anderen Notlagen zu helfen. Einzelne Gemeinden hätten sogar Mahlzeiten gekocht, um damit Krankenhauspersonal zu versorgen.

Während der zweiten landesweiten strikten Ausgangssperre in Portugal boten die Methodisten jeden Donnerstagabend eine Online-Gebetswache an. Daran hätten Menschen aus den verschiedenen Teilen des Landes sowie von den portugiesischen Inseln im Atlantik und sogar aus anderen Ländern teilgenommen.

Überraschende Erfahrungen machten Gemeinden, als die Ausgangssperre wieder gelockert wurde und wieder Gottesdienste möglich waren. Familien hätten dann ihre inzwischen geborenen Babys in die Kirche gebracht, um Gott zu danken und seinen Segen für die Babys zu erbitten.

Eine große Chance, die Liebe Jesu weiterzugeben

Allmählich normalisiere sich das Leben in Portugal wieder. Viele Menschen beteuerten, dass ihnen die christliche Hoffnung in dieser Zeit geholfen habe, die Schwierigkeiten der Pandemiezeit zu bewältigen. Viele beteuerten, dass sie »in Gott Zuflucht und Kraft gefunden haben«. Jetzt sei es an der Zeit, so der portugiesische Bischof, »denen zu helfen, die noch Angst haben, aus ihren Häusern zu kommen«. Ihnen müsse geholfen werden, sich sicher zu fühlen und Lösungen für ihren neuen Lebensalltag zu finden. Das sei auch eine Gelegenheit, über den christlichen Glauben zu sprechen, der in dieser Zeit für viele Menschen bedeutsam geworden sei. Es sei eine große Chance, »die Liebe Jesu mit Worten und Taten weiterzugeben«.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Der Autor

Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links

Igreja Evangelica Metodista Portuguesa (portugiesisch)

Zur Information

Die Methodistische Kirche Portugals, portugiesisch »Igreja Evangelica Metodista Portuguesa« (IEMP), wurde 1996 von der Methodistischen Kirche in Großbritannien unabhängig. Ihr erster Bischof war Ireneu da Silva Cunha, der 2001 aus Altersgründen von Jose Sifredo L. O. Teixeira abgelöst wurde. Die methodistische Arbeit in Portugal begann 1854 durch zwei Laien aus England. Im Jahr 2000 zählte die Kirche etwa 1.500 Mitglieder. Auf der Website der Kirche sind 13 Gemeinden aufgezählt. Ein wesentlicher Teil des kirchlichen Dienstes ist die Sozialarbeit.