Die Vortragsredner Prof. Dr. Wolfgang Schoberth (links) und Prof. em. Dr. Josef Honerkamp (rechts) zusammen mit Dr. Klaus Bratengeier beim Symposium des EmK-Arbeitskreises für Naturwissenschaft und Glaube im Köln.

Die Vortragsredner Prof. Dr. Wolfgang Schoberth (links) und Prof. em. Dr. Josef Honerkamp (rechts) zusammen mit Dr. Klaus Bratengeier beim Symposium des EmK-Arbeitskreises für Naturwissenschaft und Glaube im Köln.

Naturwissenschaft und Glaube

Gott als Lückenbüßer?

Wie kann Gottes Wirksamkeit in einer von der Naturwissenschaft dominierten Welt erkannt werden? Dieser Frage stellte sich ein Seminarangebot in Köln.

Mitte November (17. bis 19. November) beschäftigte sich der Arbeitskreis Naturwissenschaft und Glaube bei einer Veranstaltung in Köln mit dem Thema »Wie wird Gott wirksam in einer von Naturwissenschaften dominierten Welt?« Dabei wurden verschiedene Vorstellungen vom Wirken Gottes beleuchtet; auch solche, die mit dem Wundersamen und Wunderbaren verbunden sind.

Wissenschaft und Theologie im Gespräch

Im öffentlichen Vortragsteil der Veranstaltung kamen zwei Fachleute zu Wort, die sich aus wissenschaftlicher und theologischer Sicht dem Thema stellten. Josef Honerkamp, emeritierter Professor für Theoretische Physik an der Universität Freiburg, kam als renommierter Vertreter der modernen Naturwissenschaften zu Wort. Als Forscher auf dem Gebiet der theoretischen Physik, Blogger und Verfasser von Sachbüchern zu Themen an den Grenzen der Physik stellte er sich der Frage nach »Wirkung und Regelhaftigkeit« aus naturwissenschaftlicher Sicht. Wolfgang Schoberth, Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, suchte den Zugang zu den Begriffen »Wirkung« und »Wirksamkeit« von der biblischen Seite her. Er zeigte die Bandbreite möglicher Denk- und Glaubensweisen auf.

Die Wissenschaftssprache beeinflusst auch Christen

Im Seminar konnten die aus verschiedenen Umfeldern stammenden Teilnehmer ihre Standpunkte darlegen und im Gespräch weiterentwickeln. Dabei kristallisierte sich der Aspekt der »gottgewollten Regelhaftigkeit der Welt« heraus. Diese Regelhaftigkeit lasse sich erkunden und nutzen, wenn man die Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung erforscht und verstanden hat und dieses Wissen dann anwendet. Die Naturwissenschaften hätten außerordentlich viel geleistet, diese Regeln zu erkunden und nutzbar zu machen. Kritisch zu betrachten sei, dass daraufhin die wissenschaftlichen Begrifflichkeiten in die Gesellschaft ohne ausreichende Deutung eingedrungen und teilweise missverstanden worden seien. Sie beeinflussten die Gedankenwelt auch solcher Menschen, die nicht direkt im wissenschaftlichen Umfeld beheimatet sind. Erstaunlicherweise treffe das auch auf christlich geprägte Milieus zu. Gerade dort sei oft gar nicht bewusst, dass Denkansätze aus der Naturwissenschaft falsch aufgegriffen werden. Das Prinzip von Ursache und Wirkung werde dann vereinfacht von der Ebene der Natur auf die Ebene des Glaubens übertragen. »Wie wirkt Gott?« werde dann als Frage einer von Gott angestoßenen oder unterbrochenen Ursache-Wirkungs-Kette verstanden. Nach dieser Vorstellung würde Gott eingreifen, indem er selbst zu einem Glied der Ursache-Wirkungs-Kette wird. Damit würde er zum Ersatz für einen fehlenden innerweltlichen Vorgang. Gott würde somit in der entstehenden Lücke »tätig« werden und diese schließen.

Atheismus als Alternative für verzerrte Glaubensvorstellungen

Solche vermeintlichen »Erkenntnisse« träten in Konkurrenz zu naturwissenschaftlichen Vorgehensweisen und deren Ergebnissen. Im Extremfall führe das dazu, dass auf breiten Konsens und Schlüssigkeit angelegte naturwissenschaftliche Erkenntnisprozesse ausgeblendet und durch ein oberflächliches Wirklichkeitsverständnis ersetzt würden. Übrig bliebe dann nur noch ein inhaltlich ausgedünntes Rinnsal von Ideen über einen »Lückenbüßergott«. Nur durch großen emotionalen Aufwand, Druck innerhalb einer Gruppe und Abgrenzung gegen Andersdenkende ließen sich solche Positionen am Leben halten. Derartigen Vorstellungen und dem Erscheinungsbild solcher Gemeinschaften gegenüber erschienen atheistische Ideen durchaus attraktiv, wenn nicht sogar als notwendige Alternative.

Gottes Wirken in der beobachtbaren Wirklichkeit

Eine schlüssige und überprüfbare Argumentation mit einem Lückenbüßergott könne nicht gelingen. Stattdessen müsse danach gesucht werden, was mit biblischen Texten gemeint sei und was von Christen früher gelebt, erlebt und verstanden wurde. Gott könne mit diesem Denkansatz gerade »in« Vorgängen gesehen werden, die dem natürlichen Gang der Dinge entsprechen, die aber für den Christen eine besondere Bedeutung erlangen. Wirksamkeit Gottes steht dann nicht im Widerspruch zur beobachtbaren Wirklichkeit.

Der Autor
Dr. Klaus Bratengeier ist stellvertretender Abteilungsleiter der Abteilung für Medizinphysik in der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Würzburg. Er gehört zum EmK-Gemeindebezirk Schweinfurt-Würzburg und ist Laienmitglied der Süddeutschen Jährlichen Konferenz der EmK. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
EmK-Arbeitskreis »Naturwissenschaft und Glaube«

Foto: © Heiko Müller