Die Mitglieder der Zentralkonferenz haben viel zu beschließen.

Die Mitglieder der Zentralkonferenz haben viel zu beschließen.

Zentralkonferenzbeschlüsse

Identität schaffen – Vielfalt ermöglichen

Die Zentralkonferenz verabschiedet eine Resolution und aktualisiert das Friedenswort. Am meisten Auswirkungen wird aber die Gottesdienstreform haben.

Die für die Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) weitreichendste Entscheidung des gestrigen Sitzungstages der Zentralkonferenz ist die Veränderung der Grundform des Gottesdienstes. Außerdem verabschiedeten die Delegierten aus den drei deutschen Jährlichen Konferenzen der EmK eine an die Bundesregierung gerichtete Resolution, die die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan kritisiert, sowie ein an die Gemeinden der EmK gerichtetes Friedenswort.

Identität lässt auch Vielfalt zu

Mit »ankommen – hören – teilen – weitergehen« sind die vier Teile einer neuen Grundform des EmK-Gottesdienstes überschrieben, die am gestrigen Freitag bei der Zentralkonferenz beschlossen wurde. Dieser Beschluss ist das Ergebnis vierjähriger Arbeit, in der sich eine Fachgruppe intensiv mit der vielfältigen Gottesdienstpraxis in EmK-Gemeinden beschäftigt hat. Außerdem liegen der nun beschlossenen Vorlage auch aktuelle theologische und liturgische Erkenntnisse zugrunde, die den Gemeinden helfen sollen, den Gottesdienst bewusster feiern zu können. Unter dem Motto »Identität schaffen – Vielfalt ermöglichen« zielt die neue Grundform darauf ab, dass sich Gemeinden »mit ihrer Art, Gottesdienst zu feiern, beschäftigen und nicht unbedingt, bestehende und bewährte Formen zwingen zu verändern«, wie es in einem erklärenden Text zum Beschluss heißt. Neu ist die Abfolge des Mittelteils des Gottesdienstes, in dem mit »hören« zunächst Schriftlesungen und Predigt im Mittelpunkt stehen. Im darauffolgenden, mit »teilen« überschriebenen Gottesdienstteil steht die Gemeinschaft der Gottesdienst feiernden Gemeinde im Fokus. Neben persönlichen Mitteilungen und Bekanntgaben ist dort auch die Feier des Abendmahls verortet, das damit noch bewusster als Gemeinschaft stiftendes Sakrament erlebbar werden soll. Um Gemeinden die neuen Möglichkeiten dieser Gottesdienstform nahezubringen, stellt die Zentralkonferenz Mittel für Schulungen und Begleitmaßnahmen zur Verfügung.

Kritik an der Abschiebepraxis nach Afghanistan

»Mit großer Sorge nimmt die Evangelisch-methodistische Kirche die Auswirkungen der derzeitigen Flüchtlingspolitik wahr.« So formuliert es die Resolution mit der sich die EmK an die Bundesregierung wendet. »Keine Abschiebung nach Afghanistan!« ist der Titel dieser Resolution, die die jüngst beschlossene Abschiebepraxis nach Afghanistan kritisiert und die Bundesregierung bittet, »den jetzigen Kurs zu korrigieren«. Mit dieser Resolution schließt sich die EmK ausdrücklich der gemeinsamen Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen deutschen Bischofskonferenz sowie zahlreichen regionalen kirchlichen Protesten an und verbindet dies mit der Hoffnung, »dass Humanität und Menschenrechte im Regierungshandeln nicht auf der Strecke bleiben«.

Frieden will konkret gelebt sein

Als Fortschreibung des EmK-Friedensworts aus dem Jahr 2005 hat die Zentralkonferenz in Hamburg ein neues Dokument unter dem Titel »Frieden gestalten: gewaltfrei, gerecht und schöpfungsgemäß« verabschiedet. Dabei soll Frieden als »Einheit von Fragen der Gerechtigkeit, des friedvollen Zusammenlebens und der Schöpfungsbewahrung« verstanden werden. Angesichts von immer mehr Gewaltexzessen, einer wachsenden Zahl militärischer Konflikte und einer weltweiten Aufrüstung sei die Kirche herausgefordert, »Stellung zu beziehen und Gottes Willen für die Welt neu in den Blick zu nehmen«. Viel besser als mit dem deutschen Wort »Frieden« sei das mit »Shalom«, dem »Heilsein, Wohlergehen, In-Ordnung-Sein« der Gesellschaft als Ganzes zu beschreiben. Dabei werden unter dem Stichwort »Gerechtigkeit« zentrale gesellschaftliche Bereiche wie Arbeitsmarkt, Armut, Flüchtlinge und der Finanzmarkt in den Blick genommen. Zudem geht es um Fragen weltweiter Ungerechtigkeiten und Armut. Beim Thema »Frieden« richtet sich das Augenmerk auf die Verantwortung Deutschlands als drittgrößter Waffenexporteur für Konflikte und Kriege in aller Welt. Zudem wird kritisiert, dass militärische Gewalt zunehmend als Mittel der Politik angesehen wird. Dass zu einem schöpfungsgemäßen Frieden auch die »Klimagerechtigkeit« gehört und die Auswirkungen des weltweiten Wirtschaftswachstums und eines wachsenden Fleischkonsums thematisiert werden, macht das Friedenswort auch deutlich. Um den Gemeinden Anregungen für die Umsetzung dieser großen Themen in die Praxis an die Hand zu geben, schlägt das Papier zu allen Themen konkrete Handlungsmöglichkeiten vor. Damit wird das Leben und Verhalten der Menschen in den Gemeinden der EmK in den Blick genommen und dazu ermutigt, die Chance für Veränderungen zu sehen, die aus konkreten Verhaltensänderungen erwachsen.

Foto: Volker Kiemle, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Die Autoren
Klaus Ulrich Ruof und Volker Kiemle sind für die Öffentlichkeitsarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche in den digitalen und gedruckten EmK-Medien verantwortlich. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
EmK-Forum: Frieden gestalten: gewaltfrei, gerecht und schöpfungsgemäß (PDF)

Weitere Informationen
Die alle vier Jahre tagende Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche ist das für die Bundesrepublik Deutschland kirchenrechtlich zuständige Organ innerhalb der weltweit verfassten Gesamtkirche. Diese Konferenz hat die Aufgabe, die von der verfassunggebenden Generalkonferenz verabschiedeten und für das Gebiet der Zentralkonferenz relevanten Beschlüsse so umzusetzen, dass sie im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung stehen und in die für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland gültige »Verfassung, Lehre und Ordnung« integriert und rechtlich in Kraft gesetzt werden. Dafür entsenden die Norddeutsche Jährliche Konferenz, Ostdeutsche Jährliche Konferenz und Süddeutsche Jährliche Konferenz 82 gewählte Delegierte, je zur Hälfte Pastoren bzw. Pastorinnen und Laien. Darüber hinaus findet im Rahmen der Zentralkonferenz die Bischofswahl oder die Verlängerung der Amtszeit des Bischofs oder der Bischöfin statt. Die Wahl ins Bischofsamt gilt in der Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland für zunächst vier Jahre. Eine Wiederwahl für weitere acht Jahre ist möglich. Die maximale Amtszeit beträgt zwölf Jahre.