Wie sollen Menschen anderen Glaubens mit Jesus Christus bekannt gemacht werden? – Mitglieder des Europäischen Rates methodistischer Kirchen und der Kommission für Mission in Europa diskutieren über diese Frage.

Wie sollen Menschen anderen Glaubens mit Jesus Christus bekannt gemacht werden? – Mitglieder des Europäischen Rates methodistischer Kirchen und der Kommission für Mission in Europa diskutieren über diese Frage.

Haslev, Dänemark

Mission und respektvolle Akzeptanz

Der Europäische Rat methodistischer Kirchen tagte in Dänemark und stellte sich der Frage nach dem Auftrag der Kirchen in einem multireligiösen Europa.

Im dänischen Haslev, rund 60 Kilometer südwestlich von Kopenhagen, tagte vom vergangenen Freitag bis gestern (7. bis 11. September) der Europäische Rat methodistischer Kirchen (European Methodist Council, EMC) und traf sich dabei auch mit der Kommission für Mission in Europa. Dabei ging es um die Frage nach dem Auftrag der Kirchen in einem multireligiösen Europa.

Die kulturellen Unterschiede werden unterschätzt

Der Dienst der Kirchen müsse sich in einem mulitreligiösen Europa neuen Fragen stellen. Der Tatsache, dass sich die religiöse Landschaft fast überall stark verändert hat, könne niemand ausweichen. Viele Gemeinden, die sich mit großer Liebe Menschen zuwenden, die ihr Zuhause verloren haben und eine eigene religiöse Prägung mitbringen, seien durch die Zuwanderung von Muslimen gefordert. Für diese Aufgabe sei eine große Sensibilität gegenüber Menschen mit einem oft fremden und unbekannten Glauben nötig. Steve und Barbara Svensson aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die derzeit als Missionare im südschwedischen Malmö aktiv sind, berichteten über ihren missionarischen Dienst in der Arbeit mit Muslimen. Es sei eine Chance, religiös anders geprägten Menschen die Botschaft von Jesus Christus nahezubringen, ohne deren bisherige Lebensgeschichte abzulehnen. Ausführungen von Mark Lewis (USA, Dänemark) stellten die kulturellen Fragen in den Mittelpunkt. Menschen, die nach Europa einwandern, brächten nicht nur eigene religiöse Erfahrungen mit, sondern auch eine kulturelle Prägung, die sich von der europäischen stark unterscheide. Die Unterschätzung dieser Unterschiede stellten die eigentliche Hürde für ein gutes Miteinander dar.

Den christlichen Glauben selbstbewusster bezeugen

Besonderes Interesse weckten Ausführungen von Krasimir Madjarow, der als Pastor in seiner bulgarischen Gemeinde mit türkisch sprechenden Menschen arbeitet. Diese gehörten teilweise den Roma an und seien christlich sowie muslimisch geprägt. Außerdem stellten sich zwei Imame, Abdul Wahid Pedersen aus Dänemark und Naveed Baig aus Pakistan und jetzt in Dänemark, den Fragen einer interessierten Runde. Von ihrer Seite wurde nicht nur ihr Selbstverständnis als Muslime stark betont, sondern auch der Wille zur Zusammenarbeit. Nicht, was uns trenne, müsse im Mittelpunkt stehen, sondern was man für eine friedliche Gesellschaft gemeinsam beitragen könne. Darüber hinaus ermutigten sie die Mitglieder des EMC, dass Christen ihren Glauben viel selbstbewusster zu erkennen geben sollten.

Sensibilität und Verständnis

In den Diskussionen stellte sich immer wieder die Frage, in welcher Form und mit welcher Dringlichkeit Menschen anderen Glaubens mit Jesus Christus bekannt gemacht werden sollen. Bei der Beantwortung dieser Frage sei die Situation vor Ort von großer Bedeutung. Einerseits gäbe es die Erfahrung, dass Menschen ihren Glauben bewahren wollten, sich aber trotzdem in christlichen Gemeinden aufgenommen wüssten. Andererseits gäbe es auch die Erfahrung zahlreicher Taufen. Der Auftrag, Menschen in die Nachfolge von Jesus Christus zu rufen, verlange Sensibilität und Verständnis. Es müsse auch akzeptiert werden, wenn das Gegenüber Grenzen ziehe. Der Dienst der Fürsorge und Liebe müsse davon unberührt bleiben. Der Christ bewege sich deshalb immer zwischen Mission und respektvoller Akzeptanz seines Gegenübers.

Rückblick auf das Europäische Methodistische Festival »Staunen«

In der Geschäftssitzung des Europäischen Rates stand zu einem großen Teil die Vernetzung der Mitgliedskirchen im Mittelpunkt. Außerdem nahm die Auswertung des Europäischen Festivals »Staunen« viel Zeit ein. Große Dankbarkeit für das gelungene internationale Festival kam dabei zum Ausdruck, was durch eindrucksvolle Videos bestärkt wurde. Das Festival sei eine gelungene Zusammenarbeit zwischen »Staunen« als Basisbewegung in einer europäischen Region und dem Europäischen Rat gewesen. Hinsichtlich eines nächsten Festivals stelle sich aber auch die Frage nach den personellen und den finanziellen Möglichkeiten. Der Rat beschloss, weiterhin Rücklagen für ein Festival zu bilden. 

In der Leitung des Rates wird ab dem kommenden Jahr Bischof Harald Rückert neben Bischof Sifredo Teixeira aus Portugal als Vorsitzender fungieren. Superintendent Stephan Ringeis aus Zwickau wurde als Schatzmeister des Rates nach sechsjähriger Tätigkeit verabschiedet. Sein Amt wird ab nächstem Jahr von Pastor Uwe Onnen aus Hamburg übernommen.

Bildnachweis: Üllas Tankler


Der Autor
Stephan Ringeis ist Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche für den Distrikt Zwickau in der Ostdeutschen Konferenz. Kontakt: stephan.ringeis(at)emk.de.  

Zur Information
Europäischer Rat methodistischer Kirchen (European Methodist Council, EMC)

Im EMC sind die drei europäischen Zentralkonferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche sowie weitere methodistische Kirchen und vereinigte Kirchen mit geerbter methodistischer Tradition vertreten. Diese sind präsent in Albanien, Armenien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Schweiz, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und Weißrussland.
Die Mitgliedskirchen des EMC beraten sich über Fragen von gemeinsamem Interesse, entwickeln Impulse und Angebote zur Förderung des methodistischen Zeugnisses in Europa, teilen bei Bedarf ihre Ressourcen miteinander, helfen sich gegenseitig zur besseren Vertretung in ökumenischen und säkularen Gremien und koordinieren die methodistische Zusammenarbeit in Europa. Ein ständiger Ausschuss des EMC ist für den »Fonds Mission in Europa« zuständig. Für den Fonds werden finanzielle Mittel eingeworben und an solche Kirchen und Konferenzen in Europa verteilt, die für ihre Missions- und Sozialarbeit Unterstützung benötigen. Der Rat hat nur beratende Funktion. Entscheidungen der Ratstagungen sind für die Mitgliedskirchen nicht bindend.
Weitere Informationen: www.methodist.eu/de