Zehn Tage für den Frieden beten Von Stephan Ringeis  | 

Seit 1981 wird für den Frieden gebetet

Das abgebildete Gebäude der Evangelisch-methodistischen Kirche in Crottendorf ist weiß, mit Schiefer gedeckt und hat einen kleinen Turm. Rechts im Bild ist die Grafik der Friedensdekade eingebettet: ein Kompass und das Logo »Schwerter zu Pflugscharen«.
In diesem Kirchengebäude wurde mit der Ökumenischen Friedensdekade Geschichte geschrieben: die evangelisch-methodistische Friedenskirche in Crottendorf im Erzgebirge.
Bildnachweis: EmK Crottendorf
An der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Crottendorf lässt sich erkennen, was ökumenisches Beten für den Frieden bewirken kann.
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Die evangelisch-methodistische Friedenskirche im erzgebirgischen Crottendorf veranstaltet seit 1981 die Ökumenische Friedensdekade. Mehr als vier Jahrzehnte, in denen die zehn Novembertage bis zum Bußtag mit Informationen und Gesprächen über den Frieden sowie das Gebet für den Frieden fest zum Gemeindekalender gehören. Auch in diesem Jahr erhoffen sich die Crottendorfer in der Zeit vom 12. bis 22. November eine gute Resonanz für die geplanten Veranstaltungen. Dabei bewegt der Krieg in der Ukraine und die fürchterlichen Geschehnisse in Israel die Initiatoren. Den Themen und Ängsten der Zeit will die Gemeinde mit Impulsen zu christlicher Hoffnung begegnen.

Als Kirche einen Impuls im Umfeld setzen

Bereits 1981, damals noch im Osten des geteilten Deutschlands, startete in dem westerzgebirgischen Ort am Fuße des Fichtelbergs die erste Friedensdekade. Auf Initiative des damaligen Jugendkreises unter der Leitung von Pastor Thomas Günther und dem damaligen Jugendleiter Andreas Demmler wurde die Dekade erstmals mit Veranstaltungen, Gottesdiensten und Gesprächsangeboten organisiert. Die Erinnerungen an diese Zeit sind vor allem mit dem damals häufig verwendeten Logo »Schwerter zu Pflugscharen« und mit dem Kampf gegen die Nachrüstung mitten im kalten Krieg verbunden.

Bereits 1980 gab es das ganz in der Nähe von Crottendorf geplante Bauvorhaben für die atomaren Raketenstationen »Schwarzes Holz Dittersdorf«. Angesichts der Bedrohung durch den atomaren Wettlauf galt es ein Zeichen zu setzen. Andreas Demmler, der gemeinsam mit Ehefrau Barbara Demmler noch heute zu den Initiatoren gehört, sagt: »Uns ging und geht es darum, die Friedensbotschaft Jesu als Alternative zur Gewalt in die Gesellschaft zu tragen. Die Menschen sollen sie als Einladung verspüren. Damit wollen wir auch ganz bewusst als Evangelisch-methodistische Kirche in unserem Umfeld einen Impuls setzen.«

Die Frage nach der Sicherheit

In diesem Jahr steht die Ökumenische Friedensdekade unter dem Motto »sicher nicht – oder?«. Damit soll die aktuelle Verunsicherung in Gesellschaft, Politik und auch in der Kirche aufgriffen werden. »Viele Menschen verspüren eine generelle Unsicherheit«, heißt es in den Arbeitsmaterialien zur Dekade. Bislang Selbstverständliches werde als nicht mehr sicher wahrgenommen, wie etwa das Zusammenleben in einem friedlichen Europa. Versprochen werde mehr Sicherheit durch verstärkten militärischen Schutz. Es stelle sich aber die Frage: »Ist Frieden durch Waffen, ist Frieden durch Aufrüstung wirklich langfristig sicherzustellen?«

Unverzichtbarer geistlicher Anstoß

Die Mitwirkenden aus der Crottendorfer Gemeinde sind aus Erfahrung davon überzeugt, dass diese zehn Tage im November ein unverzichtbarer geistlicher Anstoß zum gemeinsamen Nachdenken und Gebet sind. »Der Krieg gegen die Ukraine hat die Frage des gerechten Krieges neu gestellt«, betont Demmler. Es gebe dazu keine einfachen Antworten. »Vor allem aber hat uns dieser Krieg konkret zu den Menschen geführt, die wir vor Ort begleiten und aufnehmen durften.« Das »Gebet für den Frieden« habe die Gemeinde immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt.

So beteiligten sich in den Jahren vor der Friedlichen Revolution junge Leute aus der Gemeinde am Prozess der ersten Ökumenischen Versammlung, die 1988, noch vor dem Fall der Mauer, unter dem Thema »Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung« stattfand. Daran erinnert sich Jörg Lötzsch ganz lebhaft, der bis heute die Dekade mitorganisiert. Damals habe sich die ökumenische Initiative zum einzigen gesellschaftlichen Sprachrohr im Ort entwickelt. Infolgedessen schrieb die Friedensdekade in Crottendorf Geschichte: Die friedlichen Demonstrationen im November 1989 in Crottendorf begannen mit Andachten in der evangelisch-methodistischen Friedenskirche.

Neue Fragestellungen

Auch neue Fragestellungen habe es in der jungen Geschichte der Crottendorfer Friedensdekade gegeben. »Nach dem Umbruch gab es Zweifel an der Notwendigkeit der besonderen Zeit im November«, erzählt Demmler von der Zeit nach der Grenzöffnung im vormals geteilten Deutschland. Die Diskussionen zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr und die beginnende historische Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit ließen jedoch schnell erkennen, dass die Friedensdekade nötig ist. Heute ist sie fest im Kalender der Crottendorfer Gemeinde verwurzelt und bestimmt jedes Jahr im November zehn Tage lang das Gemeindegeschehen.

 

Weiterführende Links

EmK Crottendorf
Ökumenische Friedensdekade

Der Autor

Stephan Ringeis ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Ostdeutsche Konferenz. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit.ojk(at)emk.de

Zur Information

Die Veranstaltungen der Gemeinde Crottendorf zur Friedensdekade:

  • Samstag, 11.11., 18 Uhr: »Silentio- Geistliche Vokalmusik«
  • Sonntag, 12.11., 10 Uhr: gemeinsamer Eröffnungsgottesdienst der »Friedenskirchen« Sachsens
  • Montag, 13.11., 19 Uhr: Einführung und Bibelgespräch nach 1. Thess. 5,3–11
  • Mittwoch,15.11.,19 Uhr: Bibliothek Crottendorf »Vertrauen ist die Währung der Demokratie«, Grundgesetz im Gespräch mit Harry Kupfer, Dresden
  • Freitag, 17.11., 19 Uhr: »Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush«, historischer Spielfilm von Andreas Dresen
  • Samstag, 18.11., 17 Uhr: »Verleih uns Frieden gnädiglich«, Abendmusik des Bläserkreises der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz
  • Sonntag, 19.11., 10 Uhr: Gottesdienst »sicher nicht«
  • Mittwoch, 22.11.,10 Uhr: »sicher doch«, Bittgottesdienst für den Frieden in der Welt