Pastor Matthias Zieboll reitet ganz nach der Art John Wesleys auf einem Pferd zum Autogottesdienst ein.

»Gottesdienst mit Pferdestärken« zu Himmelfahrt an der Begegnungs-und Bildungsstätte Schwarzenshof. Pastor Matthias Zieboll reitet ganz nach der Art John Wesleys auf einem Pferd zum Autogottesdienst ein.

Gottesdienste nach dem Lockdown

Gottesdienst in reduzierter Gestalt

Seit Mitte Mai gibt es wieder Gottesdienstangebote in der EmK. Ein Situationsbericht aus Mitteldeutschland spürt Chancen und Schwierigkeiten auf.

Seit Mitte Mai starten die Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in der Region von Mitteldeutschland ihre Gottesdienstangebote. Unter den vorgeschriebenen Hygieneanordnungen und den teilweise unterschiedlichen Regeln ist das nicht einfach. Zudem kann auch das Empfinden der Menschen sogar innerhalb einer Gemeinde weit auseinandergehen.

Start mit angezogener Handbremse

Eine besondere Idee hatte Matthias Zieboll, der als Pastor im thüringischen Leutenberg wirkt. Zusammen mit dem Geschäftsführer der Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof, Martin Schwartz, hatte er an Himmelfahrt zu einem Autogottesdienst auf Schwarzenshof eingeladen. Für ungefähr 120 Autos war Platz geschaffen worden, rund zwanzig Fahrzeuge fanden sich schließlich zu einer interessanten Erfahrung ein.

Die bekannte Winnetou-Filmmusik von Martin Böttcher beschallte den Schwarzenshofer Berg als der Prediger auf einem Pferd in die Autoarena einritt. In Erinnerung an John Wesleys Pferdeliebe begann der Gottesdienst, der indirekt die Frage aufwarf, ob gegenseitige Nähe in einem Autogottesdienst möglich ist. Das Hupkonzert nach der Segensbitte ließe sich als ein eindeutiges »Ja« deuten. Vielleicht war es aber auch ein Sehnsuchtsruf nach Gemeinschaft, die in der prallen Sonne hinter dem Lenkrad nur eingeschränkt möglich war. Das Singen im Pkw unter freiem Himmel führte zu keinem Gemeinschaftserlebnis, aber die persönlichen Antennen wurden ausgefahren, um vielleicht doch etwas aus dem Nachbarauto zu hören. Die Resonanz auf die Einladung zum Autogottesdienst spiegelt die allgemeinen Erfahrungen wieder: Es ist ein Start mit angezogener Handbremse.

Hoffnung nach zaghaftem Wiederbeginn

Wie sonntägliche Gottesdienste im Zuge der Lockerungsmaßnahmen seit Anfang Mai aussehen, zeigen einige Beispiele aus EmK-Gemeinden in Mitteldeutschland. So werden in der Zwickauer Friedenskirche sonntags nacheinander zwei Kurzgottesdienste angeboten. Jeweils reichlich eine halbe Stunde erleben die Gottesdienstbesucher Ansprache, Orgelmusik und Gebet. »Die Kürze hat auch etwas für sich«, beschreibt Christian Posdzich die neue Erfahrung. Als Pastor der Gemeinde sieht er die positive Herausforderung: »Unter den eingeschränkten Bedingungen gewinnt die Konzentration auf das Wesentliche Bedeutung.« Die eingeplanten acht Minuten für die Predigt seien jedoch eine Herausforderung. »Zuletzt wurde es schon wieder länger«, schmunzelt er.

Der Besuch der beiden Kurzgottesdienste sei eher zurückhaltend. Zu Pfingsten würden deshalb nicht zwei, sondern wieder nur ein Gottesdienst angeboten. Über die Erfahrungen mit der Abstandsregel möchte Posdzich theologisch intensiver nachdenken. Trotz Abstand sei Gemeinschaft gegeben, wobei der einzelne Mensch aber für sich und für andere klarer erkennbar werde. Das könne die Beziehungsmuster in Zukunft auch positiv beeinflussen.

In Zittau, im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien gelegen, wird bisher ganz auf Gottesdienste verzichtet. Einerseits biete sich die Hospitalkirche dafür nicht an, andererseits gehe die Gemeinde einen anderen Weg. »Bevor wir auf Abstand nebeneinander sitzen, benötigen wir das Gespräch im Gegenüber«, einigte sich der Gemeindevorstand. So sollen im Juni mehrere Gesprächsangebote in kleineren Kreisen starten. Erst Ende Juni soll an einem Sonntag zur Gottesdienstzeit ein Gemeindetreffen stattfinden. Das Wo und das Wie ist noch offen. Schon vor der Corona-Zeit hatte die Gemeinde intensiv nach neuen Wegen für ihre Gemeindearbeit gesucht. Deshalb wolle sie sich jetzt nicht einfach in alte Formen hineinbegeben. Nun seien sie gespannt, was sich durch den zaghaften Wiederbeginn entwickle.

Mitlesen von Liedern als intensive Erfahrung

Unter dem Motto »Dem Heiligen Geist Raum geben« bietet die Gemeinde der Bethesdakirche in Leipzig zu Pfingsten einen Pilgergottesdienst an. Auf der Internetseite der Gemeinde heißt es: »Lasst Euch anregen, Zweiergruppen zu bilden«. Gemäß der derzeitigen Regeln dürften sich zwei Haushalte treffen. Diese könnten »individuell zu Pfingstsonntag Ort, Zeit und Ziel Eures Pilgerweges« vereinbaren. Für die Gruppenfindung bietet die Gemeinde Unterstützung an. 

Die Gemeinde der Christuskirche im zu Zwickau gehörenden Stadtteil Planitz feiert ihren Gottesdienst unter dem Titel »Gottesdienst in reduzierter Gestalt«. Hinsichtlich der Besuchszahlen entwickle er sich nur langsam, heißt es aus der Gemeinde. Es gebe eine Gruppe von Menschen, die sich zu den Risikopersonen zählten und deshalb mit einem Besuch zurückhaltend seien. Andererseits sei die mit vierzig Minuten relativ kurze Gottesdienstform ohne Gemeindegesang auch gewöhnungsbedürftig. Die Hoffnung auf Normalität bewege die Gedanken der Gemeindeglieder vor und nach dem Gottesdienst.

Eine Obergrenze von sechzig Personen für den Gottesdienstbesuch legte die Chemnitzer Friedenskirchgemeinde auf dem Kaßberg fest. Eine persönliche Anmeldung müsse bis Samstagmittag erfolgen. Der Vorstand hat den Mund-Nasen-Schutz für verbindlich erklärt. Schließlich wurde der Gottesdienst von rund vierzig Personen besucht. Lieder wurden leise mitgesummt. Thomas Günther, der Pastor der Gemeinde, erzählt von der Erfahrung des bewussten Mitlesens von Liedtexten zum Orgelspiel. »Die Inhalte rücken dann viel stärker in den Vordergrund als beim Singen.« Unbekannte Lieder fänden dann sogar schneller einen Platz im Gottesdienstleben. Allerdings verändere das vorgeschriebene Schutzkonzept den Charakter der Gottesdienste sehr stark.

Statt des Friedensgrußes mit Umarmung und Segenswünschen experimentierten einige Gemeinden in ihren Gottesdiensten mit »intensivem Zuwinken«. Ob dabei der eine oder die andere in den Blick kamen, die bisher seltener umarmt wurden, war nicht zu ermitteln. 

Bildnachweis: EmK OJK


Der Autor
Stephan Ringeis ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Ostdeutsche Konferenz und begleitet den Gemeindebezirk Oberlausitz als Interimspastor. Außerdem ist er Senderbeauftragter der Evangelischen Freikirchen beim MDR. Kontakt: stephan.ringeis(at)emk.de.