Die Mitglieder der Süddeutschen Jährlichen Konferenz diskutieren über den Bericht der Superintendenten.

Die Mitglieder der Süddeutschen Jährlichen Konferenz diskutieren über den Bericht der Superintendenten.

Süddeutsche Konferenz tagt

Mission hat Vorrang

Die Süddeutsche Konferenz errichtet einen »Fonds für Gemeindeentwicklung« und findet keinen, der die Nachfolge von Superintendent Carl Hecker antritt.

Die Mitglieder der Süddeutschen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) diskutierten gestern intensiv über die Förderung von Gemeindeentwicklung. Außerdem fand die geplante Wahl für die Nachfolge von Superintendent Carl Hecker ein überraschendes Ende. Am Ende des Tages gedachte die Konferenzgemeinde der Verstorbenen des zurückliegenden Jahres.

Die Einsicht siegt

Die Süddeutsche Konferenz richtet einen neuen »Fonds für Gemeindeentwicklung« ein. Das haben die Konferenzmitglieder nach einer intensiven Debatte beschlossen. Die vier Superintendenten der Konferenz hatten den Antrag eingebracht, um Erlöse aus verkauftem Kirchenvermögen für künftige Gemeindeentwicklungen zur Verfügung zu stellen. Verkauftes Vermögen solle nicht nur zur baulichen oder finanziellen Sanierung der agierenden Gemeindebezirke und auch nicht nur für Rücklagen in den Versorgungsfonds herangezogen werden. »Die Gewinnung von neuen Kirchengliedern« müsse viel stärker in den Blick genommen werden, so die Superintendenten. Das habe einen missionarischen Aspekt, aber für die Zukunft sei das auch in finanzieller Hinsicht bedeutsam, weil diese zu gewinnenden Menschen die kirchliche Arbeit und die Versorgung der Hauptamtlichen dann mittragen. Wenn künftig Gebäude verkauft werden und der Erlös nicht zur Finanzierung eines neuen Gebäudes oder zur Wertsteigerung eines vorhandenen Gebäudes verwendet wird, sind 60 Prozent an die Kirche abzuführen. Die Hälfte dieses Betrages wird für den »Fonds für Gemeindeentwicklung« verwendet, die andere Hälfte kommt dem Versorgungsfonds zugute. Die Konferenzmitglieder diskutierten intensiv über diesen Beschluss. Mission hat Vorrang vor »Vermögensverbrauch« war die gemeinsame Erkenntnis. Trotzdem fiel die mit der Entscheidung in einem Verkaufsfall drohende »Abgabe von dringend selbst benötigten Mitteln« vielen Konferenzmitgliedern nicht leicht. Letztlich siegte die Einsicht – mit überwältigender Mehrheit.

Nachfolge für Heidelberger Superintendentur ungeklärt

»Ich breche die Superintendentenwahl ab, um Schaden von Personen und vom Amt abzuwenden«, hatte Bischof Harald Rückert erklärt und führte die Konferenzmitglieder damit aus einer drohenden Sackgasse. Anlass für diesen außergewöhnlichen Schritt war der Rückzug etlicher vorgeschlagener Kandidaten. Von 20 am Vortag in einer Nominationswahl vorgeschlagenen Personen erklärten fünf, dass sie für eine Wahl nicht zur Verfügung stehen, obwohl sie mit aussichtsreicher Stimmenzahl vorgeschlagen worden waren. Nach dem Abbruch des weiteren Wahlverfahrens ermächtigte die Konferenz den Bischof aus den ordinierten Ältesten der Süddeutschen Konferenz für den Heidelberger Distrikt eine Person ins Superintendentenamt zu berufen. Dieses Verfahren wird dem ähnlich sein, das Ende vergangenen Jahres nötig wurde, als für die drohende Vakanz in der Reutlinger Superintendentur zügig eine Nachfolgelösung gefunden werden musste. Eine sich anbahnende Grundsatzdiskussion über das Wahl- und Berufungsverfahren ins Superintendentenamt wurde vertagt. Es wird erwartet, dass die nächste ordentliche Generalkonferenz im Jahr 2020 das Kirchenrecht so verändern wird, dass eventuell auch das Berufungsverfahren von Personen ins Superintendentenamt davon betroffen ist.

Vom Zurücklassen und Loslassen

Den geistlichen Rahmen des Tages bildete die Morgenandacht und der abendliche Gedächtnisgottesdienst. Zum Auftakt des Tages mündeten Gesine von Postels Gedanken in der Frage: »Was könnte ich hinter mir lassen?« In einer Art Fantasiereise verband das Laienmitglied der Schweinfurter EmK-Gemeinde die drei unterschiedlichen Nachfolgereaktionen von Menschen in der Begegnung mit Jesus (Lukas 9,57-61) mit dem Leben einer jungen Frau. Deren Frage war, was sie an Hinderlichem zurücklassen müsse, um aufbrechen zu können. Von Postel ermutigte ihre Zuhörerschaft, sich diese Frage auch zu stellen und im Vertrauen auf Gott das zurückzulassen, was als hinderlich erkannt wurde.
»Der Segen erleichtert das Loslassen« war die Botschaft im Gedächtnisgottesdienst. Im Gedenken an verstorbene Pastoren, Pastorenfrauen und Pastorenwitwen sowie an verstorbene Laien aus der Dienstgemeinschaft der Konferenz sprach Stefanie Reinert Trost zu. »Du darfst es gut sein lassen«, sagte die im Gemeindebezirk Marbach am Neckar wirkende Pastorin. Der Segen erleichtere das Loslassen und führe zur Erkenntnis, dass »das gelebte und das ungelebte Leben« in Gottes Hand liege. Darüber stehe Gottes Zusage: »Ich mache es heil und bringe es zum Ziel.«
Während der Feier in der evangelischen Petruskirche in Gerlingen wurde insgesamt 19 verstorbener Personen gedacht: der Pastoren Reinhard Gebauer, Kurt Kircher, Werner Matthäus, Gerhard Kolb, Theodor Mann, Erich Mammel, Richard Bürkle, Johannes Riedinger und Kurt Bank; der Pastorenfrauen oder Pastorenwitwen Irene Marquardt, Ruth Unold, Waltraud Kröner, Odette Waitzmann, Gertraud Deiß, Emma Riedinger und Marta Volz; sowie Reinhold Jeuther, Heike-Ruth Klaiber und Diakonisse Rose Häußermann.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführender Link
www.emk-sjk.de

Zur Information
Die Süddeutsche Konferenz umfasst 242 Gemeinden mit rund 28.250 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen.