»Wir weigern uns, Feinde zu sein« – der Stein mit dem Leitmotiv von Familie Nassar in drei Sprachen.

»Wir weigern uns, Feinde zu sein« – der Stein mit dem Leitmotiv von Familie Nassar in drei Sprachen.

Von der Kunst, Frieden zu leben

Ungerechtigkeiten kreativ widerstehen

Frieden trotz Konflikten zu leben, ist preiswürdig. Bischof Rückert war bei der Übergabe des Methodistischen Friedenspreises an Daoud Nassar dabei.

Während der Mitte Oktober vom Weltrat Methodistischer Kirchen ausgerichteten »Wasser und Frieden«-Konferenz in Jordanien, Palästina und Israel wurde der Methodistische Friedenspreis an Familie Nassar überreicht (emk.de berichtete). Aus Deutschland nahmen zwei hochrangige Vertreter der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) teil: Harald Rückert, Bischof der EmK für Deutschland, und seine Amtsvorgängerin Rosemarie Wenner waren Mitglieder der Delegation. In einer Kolumne des EmK-Magazins »Unterwegs« berichtet Bischof Harald Rückert von dieser Reise in den Nahen Osten.

Kürzlich hatte ich das Privileg, als Vertreter des internationalen Bischofsrats unserer Kirche an einer Reise nach Jordanien, Israel und Palästina teilzunehmen. Unter dem Thema »Wasser und Frieden« hielten wir uns im Jordantal, in der Westbank und in Jerusalem auf. Dabei hatten wir Gelegenheit, viele interessante Gespräche mit Menschen der Region zu führen – Juden, Christen und Muslime. Eine Begegnung hat mich dabei besonders berührt.

Trotz Bulldozern: die Arbeit geht weiter

Familie Nassar betreibt im Südwesten von Bethlehem ein Farmprojekt. Obwohl es Dokumente gibt, die belegen, dass das Land 1916 käuflich erworben wurde und damit zweifelsfrei dieser christlich-palästinensischen Familie gehört, ist sie permanent bedroht, enteignet zu werden. Der Rechtsstreit dauert schon neunzehn Jahre. Es dürfen keine Brunnen gebohrt werden. Vor vier Jahren zerstörten Bulldozer über zweihundert der Obst- und Olivenbäume mit reifen Früchten. Ihre Zelte und anderen Gebäude haben eine Abrissverfügung. Gelegentlich gibt es Einschüchterungsversuche. Doch die Arbeit geht weiter. Freiwillige aus aller Welt helfen bei der Bewirtschaftung des Landes, und es entstand die Begegnungsstätte »Zelt der Nationen«, in der zum Beispiel Sommerlager für traumatisierte Kinder abgehalten werden. Die Mitarbeiterinnen des methodistischen Verbindungsbüros in Jerusalem kommen regelmäßig zu Abendmahlsfeiern auf die Farm.

Frieden ist eine Haltung

Am Eingang des Geländes, das inzwischen von jüdischen Siedlungen und immer höher werdenden Barrieren umgeben ist, steht ein Stein, der in drei Sprachen das Leitmotiv von Familie Nassar widergibt: »Wir weigern uns, Feinde zu sein«. Ein beeindruckendes Zeugnis des Friedens! Es besteht nicht nur in Wörtern. In der Begegnung mit den Mitgliedern der Familie wird deutlich, dass diese Haltung ihrer innersten Überzeugung entspricht. »Wir wollen zeigen, dass man Ungerechtigkeiten auf kreative Weise widerstehen kann, offen und gewaltlos«, so Daoud Nassar. »Friede ist nicht nur Abwesenheit von Krieg«, fährt er fort, »Friede ist auch eine Lebenshaltung. Es ist die Kunst, inmitten von Konflikten inneren Frieden zu erleben und daraus zu handeln.« Bei unserer Frage, woher sie denn die Kraft und Energie nehmen würden für diesen Weg des Friedens, lächelt Daoud: »Aus dem Glauben, dem Glauben an Jesus Christus!« In einer bewegenden Feierstunde unter freiem Himmel konnten wir den Friedenspreis des Methodistischen Weltrats an Familie Nassar überreichen.

Bildnachweis: Harald Rückert
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 23/2018, vom 11. Novermeber 2018


Der Autor
Harald Rückert ist Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.